In Egerkingen verkehren diverse von der Busbetrieb Olten Gösgen Gäu AG und der Postauto Schweiz AG betriebene Buslinien. Zusätzlich bestehen im Halbstundentakt Zugverbindungen ab dem Bahnhof der SBB. Die gesamte Erschliessung hat regionalen und überregionalen Charakter, weshalb in Egerkingen im Rahmen des Agglomerationsprogramms Aareland eine intermodale öV-Drehscheibe realisiert werden soll. Dazu gehört auch ein optimales Busangebot auf Gemeindegebiet, findet CityTaxGroup Egerkingen, welcher die Hotels Mövenpick, Comfort und Gasthof Kreuz angehören.

Mövenpick will Mehrwert für Gäste

Mit diesem Anliegen gelangte die CityTaxGroup an den Gemeinderat und verwies dabei auf die Gemeinde Oensingen, welche 2013 einen Ortsbus einführte. Die drei Hotelbetriebe, allen voran das Hotel Mövenpick, machten zudem geltend, dass ihre Gäste aufgrund der zu entrichtenden Kurtaxe einen spürbaren Mehrwert benötigten. Mit einem regelmässigen Shuttle im 30-Minuten-Takt zum Bahnhof und zum Einkaufszentrum Gäupark wäre ein wirklicher Nutzen vorhanden. Absolut wünschenswert wäre zudem eine Anbindung an den Bahnhof Olten, so die CityTaxGroup.

Der Gemeinderat hielt dazu fest, dass ein Ortsbus nicht in erster Linie dem Tourismus, sondern den Einwohnerinnen und Einwohnern dienen soll. Mit dem Angebot sollte auch die Grundversorgung der Gewerbe- und Industriebetriebe sichergestellt werden, befand der Gemeinderat. Kein Thema war hingegen der Einbezug eines Schülertransports wie ihn Oensingen hat.

Erhebung durchgeführt

Um mehr über das Mobilitätsverhalten der Bevölkerung sowie die Nutzung eines Ortsbusses zu erfahren, wurde die Postauto Schweiz AG mit der Durchführung einer Umfrage in der Zeit vom 2. März bis 5. April beauftragt. Als Zielgruppe definierte der Gemeinderat nebst den Einwohnern Gewerbe und Industriebetriebe mit mindestens 50 Angestellten, die Hotels, die Genossenschaft für Altersbetreuung und Pflege Gäu (GAG), das Gesundheitszentrum sowie den Gäupark. Der Versand der Umfrage, bestehend aus einer Version für die Bevölkerung, welche auch online ausgefüllt werden konnte, und einer Version für die Industrie, erfolgte in Zusammenarbeit mit der Verwaltung. Angeschrieben wurden 1447 Haushaltungen sowie 17 Unternehmen. Insgesamt konnte ein Rücklauf von 332 Fragebögen aus der Bevölkerung verzeichnet werden, deren 2 wurden von Industriebetrieben ausgefüllt retourniert.

Hier die wichtigsten Erkenntnisse aus der Umfrage:

In 332 der befragten Haushalte sind 51 Prozent der Personen berufstätig und 33 Prozent pensioniert.

49 Prozent würden den Ortsbus benützen, 54 Prozent davon sprachen sich für einen Halb- oder Viertelstundentakt aus.

Positive Rückmeldungen gingen speziell von der älteren Bevölkerung ein. Einzelne Rückmeldungen waren negativ, mit der Begründung, das aktuelle öV-Angebot genüge, mehr wäre Luxus, kein Bedarf, unnötige Geldverschwendung.

Die höchste Umfragebeteiligung verzeichneten die Quartiere «Einschlag» und «Obere Vorstadt».

Fast 54 Prozent der Befragten benützen ein Abonnement, was dem schweizerischen Durchschnitt entspricht.

Innerhalb von Egerkingen bewegen sich fast 50 Prozent zu Fuss oder per Velo, was einem vergleichsweise hohen Wert entspricht.

Als Verkehrszweck werden Einkauf und Freizeit am häufigsten genannt.

Olten ist ausserorts das meistgenannte Ziel für Freizeit und Arbeit.

Allgemein zeigt sich der Wunsch nach Verbindungen aus den Wohnquartieren zum Bahnhof, zum Zentrum und zu den Einkaufsmöglichkeiten.

Stark im Vordergrund steht der Wunsch nach besseren Bahn- und Busanschlüssen in Richtung Olten sowie nach grösseren Angeboten ab oder nach Egerkingen am Abend und am Wochenende.

Zusätzliche öV-Angebote werden zum Teil als Mehrverkehr und Lärmbelästigung wahrgenommen.

Jährlich 300 000 Franken Kosten

Dass rund 23 Prozent der befragten Haushalte an der Umfrage teilgenommen hätten, sei grundsätzlich ein guter Wert, stellte der Gemeinderat bei der Beratung der Ergebnisse fest. Dennoch sei davon auszugehen, dass bei den restlichen 77 Prozent wenig oder kein Interesse an einem Ortsbusangebot bestehe. Das gelte auch für die Industrie mit lediglich zwei Rückmeldungen. Dies stünde in keinem Verhältnis zu den Kosten für die Finanzierung eines Ortsbusses. Für dessen Betrieb während 300 Tagen im Jahr würden gemäss der Postauto Schweiz AG Kosten von jährlich rund 300 000 Franken anfallen.

Da die Umfrage weder bei der Bevölkerung noch bei der Industrie einen eindeutigen Bedarf ergab und der Kanton derzeit keine neuen öV-Angebote subventioniert, entschied der Gemeinderat, das Projekt «Ortsbus Egerkingen» nicht weiterzuverfolgen.