Peter André Bloch, Stiftungsratspräsident von Schloss Wartenfels, durfte gestern Sonntagabend die Preisträgerinnen und Preisträger des diesjährigen Prix Wartenfels auf dem Schloss willkommen heissen. Insbesondere begrüsste er auch die abtretenden Stiftungsräte Ernst Zingg (alt Stadtpräsident von Olten) und Ursula Rudolf (alt Gemeindepräsidentin von Lostorf) sowie deren Nachfolger Martin Wey (Olten) und Thomas A. Müller (Lostorf).

Der Anlass wurde musikalisch umrahmt durch einen der Preisträger, den Orchesterverein Niederamt. Bloch wies einleitend auf die Bedeutung des Schlosses hin, das es zusammen mit seinem Park «für die Nachwelt zu erhalten gilt». Er blickte zurück auf die Ausstellungen der vergangenen beiden Jahre unter den Mottos «Wasser» und «Feuer» sowie auf die derzeit laufenden Ausstellungen: jene des Schweizerischen Samariterbundes sowie die Kunstausstellung zum Thema «Lebenslust», die Werke von 35 Solothurner und Elsässer Kunstschaffenden zeigt.

«Unsere Aktivitäten dürfen mit einem stets wachsenden Interesse aus der Bevölkerung rechnen, was uns in unserer konsequenten Öffnungspolitik des Schlosses bestärkt, wenn wir auch manchmal an Grenzen stossen», hielt Bloch fest.

«Ein Blick in die Welt»

Dem abtretenden Stiftungsrat Ernst Zingg war es vorbehalten, eben jenen erwähnten Schweizerischen Samariterbund mit Sitz in Olten, vertreten durch seine Generalsekretärin Regina Gorza, «für dessen hervorragendes Engagement im Dienste unserer Bevölkerung» zu ehren.

Zingg eröffnete seine Rede mit dem biblischen Gleichnis vom barmherzigen Samariter. Übertragen auf den Samariterbund, heisse dies: Verunfallte und plötzlich Erkrankte erhielten Erste Hilfe, und mit spontanen sowie ergänzenden Betreuungs- und Pflegeeinsätzen würden Lücken im Netzwerk der Sozialeinrichtungen geschlossen.

Als Mitglied des Schweizerischen Roten Kreuzes umfasse der Samariterbund rund 30 000 Mitglieder in 1115 lokalen Vereinen. 88 000 Teilnehmende an Erste-Hilfe-Ausbildungen, 280 000 Stunden Postendienst-einsatz, 82 000 Einsatzstunden im Sozialbereich, 1400 Blutspendeaktionen und über 300 im Einsatz stehende Postendienstfahrzeuge – dies nannte Zingg als Kennzahlen.

Alles stehe unter dem Leitsatz des Helfens als philosophischer Grundsatz. Der Laudator ging in der Folge auf das in diesem Jahr seitens des Samariterbundes gefeierte 125-Jahr-Jubiläum ein und stellte die Geschäftsstelle in Olten ebenso vor wie die Ausstellung auf dem Schloss (wir berichteten mehrfach). Auch ging er auf die Festschrift des früheren Zentralsekretärs Kurt Sutter ein, die die Highlights der letzten 50 Jahre schildert.

Immer wieder begegne man den Samariterinnen und Samaritern im Alltag, so Zingg. Er hob deren Arbeit und auch das Interesse seitens der Bevölkerung hervor und unterstrich: «Sie tun all das mit hoher Qualität, aber auch mit grosser Freude und Menschlichkeit.» Er hoffte, dass der Samariterbund «seine segensreiche Arbeit» auch weiterhin fortführe, auch an den abgelegensten Orten, ganz nach dem Motto: «Der SSB hat einen Blick in die Welt, also über alle Grenzen hinaus, und handelt entsprechend.»

Regina Gorza nahm den Preis «als Verdienst für das Wirken all unserer Mitarbeiter» entgegen und erwähnte, dass dem SSB im Jubiläumsjahr schon viel Aufmerksamkeit entgegengebracht worden sei.

«Erfolgreiche Vorzeigefirma»

Dänikens Gemeindepräsident und Stiftungsrat Gery Meier hielt die Laudatio für die Jura Elektroapparate AG, Niederbuchsiten, mit ihrem CEO Emanuel Probst. Die Jura sei «ein dynamisches, kreatives Unternehmen», das in der ganzen Welt tätig sei. Pro Jahr würden rund 275 000 Vollautomaten verkauft. Leistung, Präzision, Eleganz, Prestige und Qualität prägten das Unternehmen. Heute zähle die Firma 820 Angestellte, davon über 280 – inklusive 25 Lernenden – in der Schweiz.

Ihr CEO, der 1991 in das Unternehmen eintrat, habe die «Jura» geprägt. In ihren Anfangszeiten – 1931 gegründet – habe sie Haushaltgeräte aller Art produziert. Probsts Anfangszeit sei schwierig gewesen, erst 1998 habe sich mit den Kaffee-Vollautomaten der Erfolg eingestellt; es handle sich dabei um einen Wachstumsmarkt weltweit.

Um Erfolg zu haben, bedürfe es «klarer Grundsätze und Strategien». Und die Konsequenz, den eingeschlagenen Weg zu gehen und auch permanent die Kontakte im Ausland zu pflegen. So sei es fast schon symptomatisch, dass er den Preis an jenem Abend nicht entgegennehmen könne, da er derzeit in den USA weile.

Meier hob auch die Erlebnisausstellung «Jura World of Coffee hervor, welche jährlich von rund 30 000 Menschen besucht werde. Zudem lege die Firma als sozialer Arbeitgeber Wert auf einen exzellenten Service sowie zufriedenes Personal. Und darüber hinaus würden zahlreiche Institutionen karitativ vom Unternehmen unterstützt.

Mit den Worten «Die Jura AG ist eine erfolgreiche Vorzeigefirma unserer Region» durfte er den Preis an den Kommunikations- und PR-Verantwortlichen, Meinrad Kofmel, sowie an den langjährigen Direktor Oswald Müller überreichen. Kofmel bemerkte, dass der Preis der ganzen Firma viel bedeute.

«Verein mit Vorbildfunktion»

Lostorfs Gemeindeschreiber und Stiftungsrat Markus von Däniken durfte den Orchesterverein Niederamt (OVN) ehren, der 1930 mit elf Mitgliedern gegründet worden und dessen erster Dirigent der Oltner Hans Weber war. Schon früh habe sich die soziale Ader des Vereins gezeigt, indem jungen Mitgliedern Instrumente zum Üben zur Verfügung gestellt worden seien. Und jahrzehntelang habe der Verein mit einem Wagen am Niedergösger Jugendfest teilgenommen.

Bewährtes sei im Verlaufe der Jahre beibehalten, aber auch Neues ausprobiert worden. 1969, unter seinem neuen Dirigenten Karlheinz Eckert, habe der Verein sein erstes klassisches Konzert gegeben. Seither stehen immer zwei klassische Konzerte im Frühjahr sowie zwei Unterhaltungskonzerte im Herbst im Jahresprogramm. Und immer wieder habe der Orchesterverein von Gönnerbeiträgen profitieren dürfen.

Durch aktive Mitgliederwerbung stets grösser geworden, zähle der Verein heute 50 Mitglieder. Den heutigen Namen erhielt er an seiner GV 1976. Auch die Tradition der Kaffeehauskonzerte, unter Eckert eingeführt, habe bis heute überdauert, wusste von Däniken zu berichten.

Nach der Übernahme durch Erich Vollenwyder 1987 habe dieser durch seine Professionalität den Verein «zu einer Blütezeit geführt, die bis heute andauert». Und auch unter dem neuen Dirigenten David Reitz habe sich der Verein weiterentwickelt. Musik von der Klassik bis zur Moderne prägten das Repertoire und biete gerade jungen Musikern eine Bühne, um sich zu präsentieren. Der Orchesterverein sei heute «zu einem stattlichen überregionalen Laienorchester» herangewachsen und sei «ein Verein mit Vorbildfunktion». Vizepräsidentin Marianne Straumann verdankte den Preis und wies auch gleich auf die Kaffeehauskonzerte vom November hin.

«Einer der populärsten Schauspieler»

Man kennt ihn als beleibtere Hälfte aus «Giacobbo/Müller» – wenn sie nicht gerade Pause haben. Oder aktuell aus der TV-Krimi-Serie «Der Bestatter». Die Rede ist vom Schauspieler Mike Müller, der für seine Tätigkeit «als Theatermann, Kabarettist und Filmschauspieler» geehrt wurde.

In Zuchwil, Trimbach und Wisen aufgewachsen, wohnt er heute in Zürich, ohne aber je seine «Oltner Wurzeln» vergessen oder gar verleugnet zu haben. «Durch Selbstironie und angriffige Kritiken, durch träfe Witze und hintergründige Bemerkungen, die immer eine Pointe im Köcher haben» präge er die Schweizer Theaterszene, so Peter André Bloch in seiner Würdigung.

Bloch selbst, damals ebenfalls noch Kantonsschullehrer, habe Müller in der Kanti Hardwald bei der Inszenierung des von dessen Lateinlehrer Beno Meier bearbeiteten Stücks «Piramus und Thisbe» erstmals wahrgenommen. Müller habe «alle überrascht und Beifallsstürme ausgelöst». Auch in seiner eigenen Theatergruppe habe Müller mitgespielt und später, 1983, mit 20 Jahren zusammen mit Daniel Tröhler und Daniel Hoch die «Jugendtheatergruppe Olten», später «Theatergruppe Olten» gegründet.

Eigentlich studierter Philosoph, habe Müller verschiedene Schauspiel-Workshops in Berlin, Wien und Zürich besucht und sei bald schweizweit bekannt geworden durch seine Auftritte im Fernsehen, im Winterthurer Casinotheater, im Schauspielhaus Zürich oder eben an der Seite von Victor Giacobbo. Und auch in diversen Filmrollen habe er mitgewirkt, so in «Studers erster Fall», «Dario M.», «Mein Name ist Eugen», «Tell» und eben im «Bestatter»; die Fortsetzung dieser Krimi-Serie beschäftige den Preisträger auch derzeit.

Bloch bezeichnete Müller, angereichert auch mit erheiternden Anekdoten aus dessen Theaterzeit an der Kanti, als einen Menschen «mit einer unglaublichen Theaterpräsenz». Beeindruckend sei auch im «Bestatter» «seine Differenziertheit, Gelassenheit und ruhige Überlegenheit». Und seine Bühnenauftritte fülle er «mit einer unglaublichen Präsenz, die sich nie aus der Fassung bringen lässt.

Bloch würdigte Mike Müller für seine Menschlichkeit und bezeichnete ihn «als einen der populärsten Schauspieler der Gegenwart unseres Landes». Müller blickte in seinen Dankesworten auf die Zeit des unabhängigen Theaterschaffens in Olten zurück und umschrieb seine derzeitige Tätigkeit wie folgt: «Sonntags mache ich mich über Zürcher und andere Ausländer lustig, und dienstags bestatte ich Aargauer. Mehr liegt nicht drin.»

Nachdem die Mitglieder des OVN den musikalischen Schlusspunkt unter die Preisverleihung gesetzt hatten, blieb noch Zeit, um sich beim Apéro gemütlich auszutauschen.