Nicht jedes Talent ist sichtbar. Manch eines kann man erst durch genaueres Hinschauen entdecken. Mit diesem Thema beschäftigten sich in den vergangenen Wochen die Kinder der Schule Wolfwil. Unter der Regieleitung von Jacqueline Berger, Lehrerin und Schauspielerin, und Lehrerin Jacqueline Rüede konnten die Kinder am Mittwochabend zum ersten Mal ihr schauspielerisches Talent unter Beweis stellen.

An Fächer wie Mathe und Deutsch wurde in den vergangenen Schultagen nicht viel gedacht, dafür wurde umso intensiver gesungen, auswendig gelernt, gemalt, gewerkt und an der Technik gefeilt. Mit Geduld, Ausdauer und vielen Proben ist die Premiere für alle Beteiligten als grosser Erfolg gefeiert worden. Das Musical wurde in doppelter Besetzung einstudiert und wird an der zweiten Aufführung vom Donnerstag, sicherlich einen weiteren Erfolg verbuchen können.

Abwart als Publikumsliebling

Hinter der Bühne hiess es, zeitweise auszuharren und sich in Geduld zu üben, was für einige der nervösen Schülerinnen und Schüler ein Talent darstellte, welches sie sich zuerst aneignen mussten. Die Techniker der 6. Klasse stellten sich zudem der Herausforderung, eine hervorragende Tonqualität zu erbringen. Durch die Unterstützung ihres Klassenlehrers Hans Vogel konnten die Schüler und Schülerinnen über sich hinauswachsen und für einen reibungslosen Auftritt sorgen.

Balz ist in seiner Klasse bekannt als tollpatschig, vergesslich und unpünktlich. Selbst seine Geschwister ziehen ihn auf und machen sich über ihn lustig. Die Rolle als «Loser» steht ihm perfekt. Als dann auch noch ein schulinterner Talentwettbewerb stattfinden soll, ist Balz verzweifelt. Alle anderen Kinder können etwas präsentieren, doch was hat Balz schon zu bieten, ausser gekonnt über seine eigenen Füsse zu stolpern?

Der Soloauftritt von Fabio aus der 6. Klasse in der Rolle des Balz, ging dem Publikum unter die Haut. Er legte bei der Premiere einen grossartigen Auftritt dar und eroberte sich somit schnell die Herzen aller Anwesenden. Hausabwart Mörgeli, gespielt von Lara, welche ebenfalls die 6. Klasse besucht, beobachtet das Geschehen auf dem Schulhausareal ganz genau. Er geht der Frage nach, wie ein Talent eigentlich definiert werden kann. In seiner Funktion als Abwart bringt er viel Verständnis für Menschen wie Balz auf und beendet seine «philosophischen Anflüge» gerne mit dem Satz: «Sache gits!» Mit viel Witz, Charme und einer hervorragenden schauspielerischen Leistung, wurde Lara als Abwart zum Publikumsliebling.

Auch musikalische Talentshow

In seiner Verzweiflung und Traurigkeit wendet sich Balz an seinen Grossvater, der an Alzheimer leidet. Balz bringt in seiner Freizeit viel Geduld für den alten Mann auf und kümmert sich rührend um ihn. Martina, seine Schulkameradin, bekommt sein Engagement für den Grossvater mit und entdeckt, dass Balz ein unsichtbares Talent besitzt. Er kann anderen Menschen nämlich sehr gut zuhören. Sie ist denn auch diejenige, die sich am Ende für Balz starkmacht und ihrer Klasse eine ganz neue Seite des Schülers aufzeigt.

Durch Darbietungen einer Hip-Hop-Tanzgruppe sowie Instrumentaleinlagen durch Flöte und Klavier wurde das Musical zu einer zusätzlichen Talentshow erweitert. Dem anwesenden Publikum wurde folglich eine Talentshow innerhalb einer Talentshow geboten. Diese Kurzauftritte wurden durch lauten Applaus und Begeisterung honoriert.

Stolze Eltern und Kinder

Nebst dem schönen Bühnenbild hat der Chor unter der Leitung von Walter Portmann eine fantastische Leistung erbracht. Die Klassenlehrpersonen vom Kindergarten bis zur sechsten Klasse haben für das musikalische Arrangement eine grossartige Vorarbeit geleistet und sowohl Melodien wie Texte mit ihren Klassen einstudiert.

Verena Obrecht, Walter Portmann und Jacqueline Rüede haben die Idee zu diesem Projekt in die Wege geleitet und allen einen erlebnisreichen Abend ermöglicht. Manch eine Mathestunde ging dabei drauf. Am Ende jedoch hat sich das Engagement für alle Beteiligten gelohnt. Denn das Finale liess die Publikumsherzen höherschlagen und manch ein Elternteil verdrückte sogar die ein oder andere Träne. Nach dem lautstarken Applaus und einer Zugabe, glänzten die vielen Kinderaugen auf der Bühne voller Stolz auf die erbrachte Leistung. Balz hat jetzt nämlich sein wahres Talent erkannt, und hoffentlich gilt das auch für das ein oder andere «Woufeler-Chind».