Verlegerin Claudia Brander holt im Buch «S Gäu, mis Gäu» unveröffentlichte und bekannte «Müschterli» von Elisabeth Pfluger wieder ans Licht.
«S Gäu, mis Gäu» – so lautet der Titel des neuesten Werks von Elisabeth Pfluger, das soeben erschienen ist. Dieser Buchtitel bezieht sich auf die erste Anekdote, mit welcher Pfluger ihre Geschichtensammlung einleitet. Sie erzählt vom legendär raubeinigen Oberbuchsiter Oberst Emil Lüthy, der bei einem Offiziersrapport auf dem Roggen die Dünnernebene ausgiebig überschaute und schliesslich mit tränenden Augen nichts mehr «usebröösmelen» konnte als «s Gäu, mis Gäu».
So wortkarg wie sein gerührtes Diktum, so vielfältig ist das Bekenntnis der 1919 im Restaurant Pflug in Härkingen geborenen und aufgewachsenen Sagensammlerin und Volkskundlerin zu ihrer Heimatregion. Gleich auf der ersten Seite umschreibt Pfluger den Sprengel, den sie in diesem aktuellen Bändchen ausbreiten will: «Sechs Dörfer si am Jurahang, drü Dörfer a der Aare, sechs zmitts im Lang!»
«S Gäu, mis Gäu» ist das zweite Buch in der Reihe, welche von der Fulenbacher Künstlerin und Kulturvermittlerin Claudia Brander in ihrem Verlag Alte Chäserei herausgegeben wird. Bereits im November letzten Jahres ist unter dem Titel «Olten isch zmitts» eine Sammlung von «Alti und neui Gschichte vo Olten und em Nideramt» erschienen.
Wie jenes Bändchen hat die Verlegerin Claudia Brander auch «S Gäu, mis Gäu» persönlich konzipiert, redigiert und gestaltet. Sie hat es ebenfalls mit eigenen kleinen Zeichnungen aufgelockert. Neu hat sie diesmal zusätzliche Abbildungen und Fotos zu den von Elisabeth Pfluger erzählten «Müsterli» eingefügt. Das Deckblatt zeigt den Dachreiter der Alten Kirche von Härkingen, der ins Titelbild ragt. Während das Oltner Buch im Blau der Aare gehalten ist, wurde diesmal das Gelb der Gäuer Kornfelder gewählt.
Ursprünglich war die Reihe auf vier Bände angelegt, das heisst, auf die Regionen Olten und Niederamt, Gäu, Solothurn sowie «Der Barschwang» (Thal und Schwarzbubenland). «Für das ‹Gäu› hatten wir jedoch derart viel Material, dass wir uns entschlossen, die Lieder auszusortieren und in einem separaten Büchlein unter dem Motto ‹Mussiggschichte und alti Lieder› zu veröffentlichen», verriet Claudia Brander im persönlichen Gespräch. Es ist auf Sommer 2017 geplant.
Das Gäu umfasst 15 Dörfer, von Oensingen bis Boningen, Kappel und Wangen. Nach einem einleitenden Kapitel über das Gäu allgemein und Elisabeths Kindheit in Härkingen folgen die 15 Kapitel, die nach den Gemeinden im Mittelgäu, Berggäu und Aaregäu gruppiert sind. Immer ein Thema ist die Mundart, die sich, wie die Herausgeberin Claudia Brander im Vorwort schreibt, bereits zwischen Härkingen (im Mittelgäu) und Fulenbach (Aaregäu) unterscheidet. Aber generell sind die Farbnuancen der Gäuer Dialekte bekannt.
So lautet die Antwort auf die Frage, wie weiter der Himmel blau sein: «Vo Olte bis uf Härchingen isch er blau, vo Neuedorf aa isch er blöugröu». Spott ernten etwa auch die Gunzger «Rüebli», von denen man sagt: «Wenn z Gunzge e Ryche stirbt, lüüte si mit allne Glogge, für ne Arme nume mit zwoone». Dabei muss man eben wissen, dass im Gunzger Kirchturm nur zwei Glocken hingen. Neben den zahlreichen «Müschterli» weiss Pfluger manche Sage zu erzählen.
Der «Schweissacherhaas» in Niederbuchsiten ist in Wahrheit eine zugezogene, eingeheiratete Frau mit roten Haaren, die man der Hexerei bezichtigt. Und die «Härdlüütli us em Heidebüel» (hilfreiche Zwerge) blieben weg, nachdem sie zum Narren gehalten wurden. Hübsch sind immer auch die Sprachbilder, die Elisabeth Pfluger verwendet, etwa wenn der stolze Hochzeiter «der Chopf ufgha hed wie ne Hung im Rogge» oder die Neugierigen «hinger de Fäischterschybe und Vorhängli inanger fasch Büüle igschlage hei».
Und nicht zu vergessen die alten Wahrheiten wie «Nume nanger i d Häng gschaffed isch guet gschaffed», ein Willi Ritschard zugeschriebenes Wort, oder «der Güüder und der Giter bringe s nit witer».
Elisabeth Pfluger, «S Gäu, mis Gäu». Verlag Alte Käserei, Fulenbach 2017. www.c-bra.ch (Claudia Brander)