Beschwerde

Rutschungen im Hang bedrohen darunterliegendes Haus in Laupersdorf

23. Januar 2012: So zeigten sich Spuren von Wasser und Geröll in der Schneise am Hang beim Bruggenmätteli. zvg

23. Januar 2012: So zeigten sich Spuren von Wasser und Geröll in der Schneise am Hang beim Bruggenmätteli. zvg

Ein Hang in Laupersdorf kommt immer wieder ins Rutschen. Dennoch lehnt der Regierungsrat eine Beschwerde von Thomas Strähl ab. In dieser ist er nicht mit einem Beschluss des Gemeinderats einverstanden. Dort betrachtet man den Hang als sicher.

Thomas Strähl ist enttäuscht und er regt sich auf. «Schon die Gemeindebehörden wollen nicht wahrhaben, dass meine Liegenschaft gefährdet ist, weil der Hang oberhalb unseres Hauses immer wieder ins Rutschen kommen kann», sagt er. «Und jetzt bekommt der Gemeinderat auch noch recht vom Regierungsrat.» Dieser hat nämlich eine Beschwerde abgewiesen, die Strähl gegen einen Beschluss des Einwohnergemeinderats erhoben hat. Darin ist festgehalten, die Sicherheit sei ausreichend gewährleistet, die Gefahr durch Rutschungen durch die getroffenen Sanierungsmassnahmen sei gebannt.

Woher kommen die Probleme?

Thomas Strähl und seine Frau Anneliese bewohnen den Hof Fraichlen – er steht oberhalb des Dorfes – in zweiter Generation. Für die Wasserversorgung stehen ihnen zwei eigene Quellen zur Verfügung. «Verhältnisse, wie man sie nur wünschen kann», wie Thomas Strähl betont. Doch er sieht diese Verhältnisse seit einigen Jahren in Gefahr, ausgelöst durch Rutschbewegungen am nahegelegenen Hang. Daher hat er von der Gemeinde gefordert, dass einerseits ein Schutzdamm errichtet wird, der sein Anwesen gegen allfällige Rutschungen schützt. Anderseits sei sein Haus an die Wasserversorgung Laupersdorf anzuschliessen, da die eine Quelle, die das Trinkwasser liefert, beeinträchtigt sei. Hierzu verlangt er zusätzlich ein Gutachten.

Strähl ist überzeugt, dass die genannten Probleme ihren Ursprung haben beim Bau eines neuen Forstwegs, den die Bürgergemeinde im Jahr 2004 beim Bruggenmätteli erstellen liess. Dabei wurde talseitig der Brunnersbergstrasse Aushubmaterial abgelagert. Dieses sowie die darunterliegende Böschung kamen 2009 ins Rutschen. Die Strasse, die von Höngen zum Brunnersberg führt, wurde in Mitleidenschaft gezogen, musste sogar gesperrt werden. Umgehend wurde saniert und das Gelände stabilisiert.

Aus Sicherheitsgründen evakuiert

Doch es kam weiterhin zu Rutschungen. Obwohl natürlich auch diese saniert wurden, ergoss sich verflüssigtes Lockergestein in einen Graben, der in Richtung Liegenschaft Fraichlen führt. Seither fühlt sich das Ehepaar Strähl nicht mehr sicher. «Bei Gewittern oder starker Schneeschmelze hatten wir Angst, dass sich eine Gerölllawine lösen und unser Haus zerstören könnte», berichtete das Paar im Mai letzten Jahres.

Am 4. März 2011 wurde es wirklich dramatisch. «Weil es so lange und intensiv regnete, mussten wir auf Anraten der Bürgergemeinde unser Haus für zehn Stunden verlassen. Die Zufahrtsstrasse wurde gesperrt.» Und im Dezember habe sich das Szenario wiederholt. Für alle Fälle hat das Ehepaar einen Wohnwagen angeschafft. Oder es hat bei der Tochter im Dorf übernachtet.

«Keine Naturgefahr»

Der Gemeinderat reagierte, indem er durch die Firma Geotest (Zollikofen) eine Gefahren- und Risikoanalyse erstellen liess. Das Fazit: «Die Rutschung Bruggenmätteli ist aufgrund ihrer künstlichen Erzeugung (Deponie von Aushub) keine Naturgefahr im engeren Sinn. Die Summe der in den letzten Jahren vorgenommenen Sanierungsmassnahmen ist zeitgemäss und hat bis heute die erwartete Schutzwirkung gezeigt. Die Rutschung kann im weiteren Sinn als stabilisiert betrachtet werden. Die heute auftretenden sehr kleinen Schlammströme bedeuten keine Gefahr für die Liegenschaft Fraichlen.»

Thomas Strähl traut dieser Analyse nicht, für ihn ist sie «für d Füchs», weil sie nicht den realistischen Begebenheiten entspreche. Die Regierung hält entgegen, das geologische Gutachten sei plausibel, eine mögliche Verpflichtung könnte für die Einwohnergemeinde nur dann entstehen, wenn sie eine «konkrete tatsächlich bestehende Gefahr durch ihr eigenes Verhalten erst hervorgerufen hätte.» Und wäre eine solche Gefahr vorhanden, so müsste ihr Zustandekommen nachgewiesen werden.

Regierung sieht Widersprüchliches

Aus diesen Gründen könne die Einwohnergemeinde zu nichts verpflichtet werden, führt die Regierung aus. Sei es für den Bau eines Schutzdammes, noch für ein Gutachten der Quelle oder den Anschluss der Liegenschaft an die Wasserversorgung Laupersdorf. Eine Handlungspflicht für die Gemeinde bestehe ferner deshalb nicht, weil die Liegenschaft des Beschwerdeführers weit ausserhalb des Bauzonenperimeters liege.

Im Weiteren stellt die Regierung fest, der Beschwerdeführer verhalte sich widersprüchlich, wenn er darauf beharrt, es sei Pflicht der Gemeinde, bezüglich Rutschungen Massnahmen zu ergreifen, aber selber als Bauherr beim Amt für Raumplanung eine Voranfrage für die Erstellung eines Schutzdammes einreicht.

Die Regierung hat den Fall abgehakt, nicht aber Thomas Strähl. Er hält an den Forderungen für Damm, Gutachten und Wasseranschluss fest und hofft, dass die Gemeindebehörden einlenken. Andernfalls werde er sich ernsthaft überlegen, den Fall auf dem Rechtsweg weiterzuverfolgen.

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