Beruflich hatte Ruedi Freiermuth keinerlei Affinität zum öffentlichen Verkehr, seine Welt war das Management in der Kunststoffbranche. Trotzdem setzte er sich 20 Jahre lang ein im Verwaltungsrat für die Oensingen-Balsthal-Bahn (OeBB), davon 19 Jahre lang als Präsident. Dabei hat er einige Turbulenzen miterlebt. Auf die Generalversammlung hin ist der 1944 Geborene nun zurückgetreten. Bleiben wird das Ziel, das sich der Verwaltungsrat gesetzt hat: Nämlich die Bahn rentabel zu betreiben und dafür zu sorgen, dass es auch nach dem Jahr 2023 weitergeht, wenn die Konzession erneuert werden muss.

Je länger, je wichtiger

Wie kam Ruedi Freiermuth überhaupt dazu, sich für die Bahn einzusetzen? «Das hat damit zu tun, dass ich, vom Fricktal her kommend, Balsthal als Wohnort aussuchte. Als Unternehmer habe ich mich immer dafür interessiert, was um mich herum geschieht. Ich stellte fest, dass die damalige Papierfabrik Tela ihren Standort verlegen will, und das nicht zuletzt wegen der Infrastruktur im Transportwesen, bei dem die Bahn eine wichtige Rolle spielte.» Je länger er sich mit der Bahn beschäftigte, desto wichtiger wurde sie ihm, aber nicht nur für den Transport von Gütern, sondern auch für Personen.

«Es braucht beides, mit nur einem Bereich allein kann die Bahn nicht überleben», betont Freiermuth. Die Bahn wurde denn auch schon oft totgesagt. Viele wollten sie weg haben - und wollen es immer noch. Die Gegner sagen, diese Bahn sei nie und nimmer rentabel zu betreiben. «Wir beweisen das Gegenteil», hält Freiermuth entgegen, «hätten wir sonst ein positives Betriebsergebnis?».

Von Olten bis Biel

Natürlich habe er 1993 zu Beginn seiner Mitarbeit im Verwaltungsrat erkannt, dass «etwas gehen muss». Man erarbeitete das Leitbild OeBB 2000 mit den Zielen Effizienzsteigerung, Güterumschlag in der Klus sowie Ausdehnung des Regionalen Personenverkehrs bis Olten und Solothurn, später sogar bis Biel. Doch dann kam vom Kanton ein Konzept für den öffentlichen Verkehr (öV) Thal, und dieses sah den Personenverkehr ausschliesslich auf der Strasse vor, Güterverkehr war darin nicht enthalten. Aus der Streckenausweitung wurde nichts. Daraufhin ging die OeBB in die Offensive und legte ein Gesamtkonzept öV-Thal vor mit Mischbetrieb Schiene-Strasse, das dann vom wurde vom Kantonsrat abgesegnet wurde.

Zuerst waren die Aussichten gut

«Wir suchten nach Möglichkeiten, den Güterverkehr weiter auszubauen», führt Freiermuth aus. Für die Papierfabrik stellte sich die Bahn als ein rollendes Lager zur Verfügung. 2001 wurde die Kehrichtumladestation Klus eröffnet, zwei Jahre später liess sich die Marti Tunnelbau AG in der Klus nieder. «Bahntransportanschluss war hier Grundvoraussetzung.» Daneben wurde der Nostalgiebetrieb mit Dampflokomotiven und dem Roten Pfeil intensiviert. Seit 2005 verkehrt die Bahn im Halbstundentakt zwischen Oensingen und Balsthal.

Die Aussichten waren gut. Doch in jüngster Zeit bekam die Bahn deutlich weniger Aufträge für den Gütertransport. «Ja, bei Marti Tunnelbau kommt es daher, weil für dieses Unternehmen derzeit Projekte hängig sind.» Saber Swiss Quality Paper sei nach wie vor ein wichtiger Kunde. Wie es genau dort weitergehe, hange davon ab, wie sich die neuen Besitzer mit der Firma im Markt positionieren können.

Nostalgie ist teuer geworden

Was die Nostalgiefahrten angeht, so werde der Betrieb durch verschiedene Faktoren stetig weiter eingeschränkt. «Wenn wir auf fremden Trassee fahren, müssen wir Benützungsgebühren zahlen, und die werden immer teurer», erklärt Freiermuth. Ferner gehe die Aufrüstung der alten Fahrzeuge in Bezug auf Sicherheitseinrichtungen tüchtig ins Geld.

Projekt Kirchmatt begraben

Bei Personentransport habe man das Volumen praktisch halten können, unter anderem durch die Einführung des Halbstundentakts. Das allerdings verursacht wiederum Mehraufwendungen beim Unterhalt von Rollmaterial und Schienen.

Begraben hat die OeBB im Jahr 2007 das Projekt Alterswohnung Kirchmatt in Balsthal (wir berichteten). «Damit ist auch die Absicht, das Wohnliegenschaftsportfolio zu erneuern, gescheitert und dessen strategische Bedeutung obsolet geworden», sagt Freiermuth. «Die Liegenschaften dienten dann als Mittelquelle für die notwendig gewordene Ausfinanzierung des Deckungsbeitrags der Pensionskasse.»

Konzentrieren auf das Kerngeschäft heisst also die Devise. «Das Unternehmen OeBB kann rentabel betrieben werden», davon ist Freiermuth überzeugt. Und er ist sich sicher, dass im Verwaltungsrat auch nach seinem Ausscheiden das Motto gilt: «Wir von der OeBB haben eine Mission: Die Mission OeV-Thal.»