Oberbuchsiten
«Rückkehr war ein kleiner Kulturschock»: Familie Dietschi blickt auf ihr Fernsehabenteuer zurück

Die Familie Dietschi wohnte im Rahmen der SRF-Sommerserie «Leben vor 500 Jahren» drei Wochen in einem Bauernhaus oberhalb von Oensingen. Die Eltern und die vier Kinder berichten von ihrem Fernsehleben und erklären, wie sie die Rückkehr in den Alltag erlebt haben.

Urs Amacher
Merken
Drucken
Teilen

Urs Amacher

Die Familie Dietschi aus Kestenholz machte im letzten Sommer bei der Vergangenheitssendung «Im Schatten der Burg – Leben vor 500 Jahren» mit. Für das TV-Format «Schweiz aktuell» von Fernsehen SRF1 stellten das Elternpaar und ihre vier Kinder die Uhr um 500 Jahre zurück und schlüpften in die Rollen einer Bauernfamilie in der Zeit um 1517.

Am letzten Sonntag berichteten sie im Gäuer Forum der Schälismühle über ihre Erfahrungen und beantworteten Fragen aus dem Publikum. Ebenfalls anwesend war die Pilgergruppe, die parallel zur Living-History-Fernsehsendung den Weg von Mariastein via Neu-Bechburg nach Freiburg wie vor 500 Jahren unter die Füsse genommen hatte.

Einige Sequenzen aus den Fernsehbeiträgen dienten als Einstieg. Schälismüller Heiri Kissling und André Schwaller, Präsident des Vereins Freunde der Schälismühle, hatten einige Ausschnitte aus den TV-Sendungen aus dem Schatten der Burg zusammengestellt.

Familie Dietschi und ihr Abenteuer Mittelalter
14 Bilder
Freunde und Familie hiessen die Familie in Kestenholz willkommen.
Dietschis am Frühstückstisch: Sie geniessen das erste üppige Zmorge zurück zu Hause.
Das Familienfoto vor dem Projekt...
... und in mittelalterlichen Klamotten. Für die Sendung gabs für jeden je ein farbiges Obergewand aus Wolle, einen Mantel und ein Paar Schuhe. Dazu zwei Garnituren weisse Unterkleider aus Leinen.
So sah das Frühstück auf dem mittelalterlichen Bauernhof aus
In dieser Küche mussten Dietschis für drei Wochen kochen.
Während des Projektes musste sich die Familie um den Hof und auch die Tiere kümmern.
Einmal gings in die Kirche
Ein Team von SRF war stets dabei
Für den Markt mussten Dietschis ganz viele Zwiebelzöpfe flechten
Maurin und Simon bewiesen sich am 1. August als Knappen.
Wer Mehl will, muss zum Müller ins Nachbardorf wandern.
Dietschis mussten sich fürs Projekt in einem Casting beweisen

Familie Dietschi und ihr Abenteuer Mittelalter

Bruno Kissling

Den ganzen Tag beschäftigt

Drei Wochen lebte die sechsköpfige Familie in einem strohbedeckten Holzhaus oberhalb von Oensingen. In historischen Kostümen versuchte sie, den Alltag auf dem kleinen Bauernhof mit den einfachsten Mitteln zu bewältigen.

«Die erste Woche war die härteste», gestand Vater Christoph Dietschi, «einmal die ganze Umstellung auf ein schlichtes Leben». Zudem sei man von morgens früh an beschäftigt gewesen. Holz und Wasser holen, Feuer machen, Ziegen melken, Gartenarbeit verrichten, Gemüse rüsten und vieles mehr füllte den Tag.

Dieses ständige Eingespanntsein drohte für die Kinder, vor allem für die erst achtjährige Ladina, zuviel zu werden, ergänzte Mutter Nicole. Deshalb begannen sie bald, sich auch kurze Auszeiten zu nehmen, etwa um ein Spiel zu machen. Zudem machte die Familie Dietschi den Feierabend zu einem bewussten Ritual und beschlossen den Tag gemeinsam am Tisch mit einer Tasse warme Geissenmilch.

Den Bauernhof verlassen und oben auf der Burg angekommen, gab es als Erstes einen Schokoladenkuchen für die Familie Dietschi.
39 Bilder
Dietschis kehren dem Bauernhof den Rücken. Im Karren transportieren sie den Zehnten, dem sie dem Vogt abgeben müssen.
Eines der Schweine wurde am 3. August geschlachtet. Dietschis durften für ihre Arbeit zwei Filets behalten.
Die Geissen Jessy, Jelly und Josephine laufen Dietschis mittlerweile hinterher. Keine würde jetzt noch abhauen wollen.
Die Pilgerer sind in der Hitze teilweise im leichten Gewand unterwegs
Die Familie Dietschi hat am 1. August ein Höhenfeuer aufgestellt.
Maurin und Simon beweisen sich als Knappen. Zum Schutz gibts einen Helm.
Die beiden machen ihre Sache gut. Sie müssen aber noch stärker werden, meinen die Ritter.
Die fünf Pilgerer in Solothurn
Die Pilger übernachten im Kloster Namen Jesu und lassen sich von Schwester Priska die Räume zeigen.
Dietschis in der lateinischen Messe im Dorf. Alle verstehen Bahnhof.
In Wanderschuhen gehts zum Müller und zurück – wobei die Gruppe auf dem Rückweg von einer Kutsche mitgenommen wird.
Am Freitag wandern Dietschis zusammen mit zwei Pilger nach Laupersdorf, um Getreide mahlen zu lassen.
Besuch ist gekommen: Die fünf Pilgerer und Dietschis beim Abendessen. Nur Radio-Moderator Ralph Wicki schläft nicht im Bauernhaus, sondern in der Burg.
Geiss Josephine ist im Stall stecken geblieben. Mit Hilfe des Schlosswarts wird sie befreit.
Nicole nimmt eine Wabe mit Honig heraus
Der Imker macht die Bienen schläfrig, danach werden die Waben herausgenommen.
Dietschis haben keine Socken. Deshalb stopfen sie Heu in die Schuhe.
Als Strafe für den Ausflug in den Wald müssen Dietschis für 2 Stunden im Schlossgarten arbeiten.
Ein Jäger kommt zu Besuch und bietet an, mit ihnen auf die Jagd zu gehen. Nicole weist auf die Rechte im Mittelalter hin. «Wir werden umgebracht», bringt sie mit ihrer Hand zum Ausdruck.
Christoph und Simon gehen mit dem Jäger in den Wald. Allerdings sehen sie nur Rehe und Gämsen – beide befinden sich in der Schonzeit.
So sieht die Toilette der Familie aus. Wegen der Juraschutzzone darf das Geschäft nicht in ein Erdloch gemacht werden.
Am Samstag gab es einen öffentlichen Mittelaltermarkt auf dem Schloss
Simon verkauft einen Korb mit Zwiebeln für sieben Schilling
Dietschis gehen am Freitag auf den Markt
Christoph bastelt, damit seine Hosen auch ohne Wams oben bleiben.
Den Nachmittag dürfen die Geissen in einem neuzeitlichen Gehege verbringen, das haben die Zuschauer entschieden.
Die drei Geissen vereint: Auch Josephine taucht wieder auf.
Ladina und Katja auf dem Zwiebelfeld Am Freitag wollen sie auf dem Mittelaltermarkt auf der Burg Zwiebelzöpfe verkaufen
Dietschis posieren vor dem Bauernhaus für die Kamera
Christoph und Simon bringen am Abend zwei von drei Geissen nach Hause. Drei Leute von SRF begleiten sie.
«Leben vor 500 Jahren»: Die besten Bilder aus der SRF-Doku-Soap
Die Wachskerze passt nicht in eine Bauernfamilie des Mittelalters. Diese Kerzen waren damals zu teuer. Dietschis bekamen aber eine für mehr Licht.
Die störrische Ziege will nicht nach dem Willen von Ladina, der Jüngsten im Bunde.
Die Familie vereint beim Abendessen mit der ersten Mahlzeit im Bauernhaus.
Ein Geduldsspiel: Feuermachen mit Feuerstein und Heu
Mutter Nicole schnürt Ladina die Lederschlappen.
Gemeinsam machen sich die Familienmitlieder auf den Marsch vom Zuhause in Kestenholz zum Bauernhaus im Schatten von Neu-Bechburg.
Familie Dietschi in stilechten Mittelalter-Kluft, welche sie gleich zu Beginn überstreifen durften.

Den Bauernhof verlassen und oben auf der Burg angekommen, gab es als Erstes einen Schokoladenkuchen für die Familie Dietschi.

Screenshot SRF

Kargheit erforderte Kreativität

Gewöhnungsbedürftig war auch das Essen. Zum Zmorgen gab es Haferflocken mit Dörrfrüchten und Milch. Die Hauptmahlzeiten bestanden meist aus einer Gemüsesuppe mit wenig Speck als Würze, einer knöpfliartigen Mehlspeise und Krautstielen (Mangold).

Trotzdem wurde man nie richtig satt, im Gegenteil: «Wir hatten eigentlich ständig ein Hungergefühl», stellten vor allem die Jugendlichen fest. Deshalb schauten die Dietschis, dass immer Brot vorrätig war. Die Sauerteigbrötchen mussten sie aber, da kein Backofen verfügbar war, in einem irdenen Geschirr am Feuer backen. Die Kargheit erforderte eben Kreativität; gemeinsam musste man Lösungen überlegen - auch dies eine gute Erfahrung.

Doppelseitige Erfahrungen machte auch die Pilgergruppe. Die 230 Kilometer in zehn Etappen bergauf und bergab bewältigte sie in historischen Schuhen, die mehr zugeschnürten Lederlappen glichen. Diese gaben kaum Halt, und man spürte jeden Stein. «Da achtet man genau, wohin man tritt», stellte «Pilgerin» Marie-Therese Zgraggen fest. «Dadurch wird man aber generell aufmerksam und empfänglich für alles am Wegrand».

Schnell vom Alltag eingeholt

«Ich bereue es nicht, diese drei anspruchsvolle Wochen mitgemacht zu haben», waren sich alle einig. Sie freuten sich auf das Essen und die Annehmlichkeiten zu Hause. Gleichzeitig erlebten sie einen kleinen Kulturschock bei all dem Überfluss. «Brauche ich wirklich all dieses viele Geschirr», fragte sich Mutter Nicole. Und nach ein paar Tagen an der Arbeit sehnte sich Vater Christoph wieder nach einer Zeit ohne überquellende Mailbox.