Auf Schloss Wartenfels hat Alex Capus am Sonntagmorgen in beeindruckender Weise sein neues Buch vorgestellt, das Ende Monat in den Buchhandlungen aufliegen wird, mit dem Titel: «Der Fälscher, die Spionin und der Bombenbauer». Das im Hanser-Verlag erscheinende Werk handelt in sensationeller Eindrücklichkeit von drei Menschen, die sich im November 1924 zufällig am Hauptbahnhof in Zürich treffen, um sich nie wieder zu begegnen, jedoch auf eigentümliche Weise schicksalhaft miteinander verbunden bleiben: Emile Gilliéron (1885-1939), ein hochbegabter Maler und Zeichner aus dem Waadtland, der sich auf Kreta an der Rekonstruktion der minoischen Kultur beteiligt; Laura d’Oriano (1911–1943), die sich zur Sängerin ausbilden lässt, dann aber zum Tod verurteilt wird, weil sie für die Alliierten die Seehäfen von Genua und Neapel ausspioniert; Felix Bloch (1905-1983) emigriert als jüdischer Forscher in die USA, um gegen Krieg und Völkermord zu kämpfen, wobei er mit den Erbauern der Atombombe in Kontakt kommt und in grosse Gewissensnöte gerät.

Alex Capus schildert das Schicksal dieser drei Persönlichkeiten aufgrund intensiver dokumentarischer Forschungen, die aufzeigen, auf welche Weise sich ihr Leben durch widrige Umstände verändert, in tragischer Verstrickung von Schuld und Sachzwängen, auch durch groteske Selbstrealisierungsversuche und eigene Sehnsüchte. Mit grosser Anschaulichkeit zeigt er die verschiedenen Perspektiven und Dimensionen, in denen sich das Schicksal von Menschen des 20. Jahrhunderts mit grauenhafter Konsequenz und oft überraschender Widersprüchlichkeit vollzieht. Der eindrucksstarke Roman steht ganz in der Spannung zwischen individueller Willenskraft und absurd-nihilistischer Zeitbezüglichkeit, voller Spannung und Tiefe, Ironie und Betroffenheit. Das zahlreich erschienene Publikum zeigte sich in der anschliessenden Diskussion von Alex Capus’ Erzählkunst sehr beeindruckt. Es freut sich auf die eigene Lektüre und wird den Erfolg dieses vielversprechenden Zeitromans mit grosser Aufmerksamkeit verfolgen. (PAB)