Neuendorf
Rolf Kissling ist der erste FDP-Gemeindepräsident der Gemeinde

FDP-Kandidat Rolf Kissling setzt sich im ersten Wahlgang deutlich gegen Sandra Kolly von der CVP durch. Eine Erklärung, warum das Votum des Souveräns so deutlich ausgefallen ist, hatte er nicht. «Offenbar wollten die Stimmberechtigten einen Wechsel herbeiführen.»

Erwin von Arb
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Rolf Kissling von der FDP tritt die Nachfolge von CVP-Gemeindepräsident Paul Stöckli an.

Rolf Kissling von der FDP tritt die Nachfolge von CVP-Gemeindepräsident Paul Stöckli an.

Erwin von Arb

Überraschend deutlich wurde der FDP-Politiker Rolf Kissling im ersten Wahlgang zum neuen Gemeindepräsidenten von Neuendorf gewählt. Der 52-Jährige übertraf das absolute Mehr von 408 Stimmen mit 454 Stimmen deutlich. 105 Stimmen weniger, nämlich deren 349, wurden für die CVP-Kandidatin Sandra Kolly ausgezählt. An der Wahl beteiligten sich 814 Stimmberechtigte, was einer Stimmbeteiligung von 56,5 Prozent entspricht. Insgesamt wurden 8 ungültige Stimmzettel gezählt, deren 11 wurden leer eingelegt.

Kein Sieg der FDP

«Mit einem so deutlichen Resultat habe ich natürlich nicht gerechnet», meinte am Sonntagnachmittag der erste «gelbe» Gemeindepräsident in der Geschichte des Dorfes sichtlich erfreut. Eine Erklärung, warum das Votum des Souveräns so deutlich ausgefallen ist, hatte Kissling nicht. «Offenbar wollten die Stimmberechtigten einen Wechsel herbeiführen.»

Für einen solchen wolle er sich auch einsetzen. Oben auf seiner Pendenzliste stehe sicherlich die Gemeindeverwaltung, welche im Dienste der Bevölkerung stehen müsse sowie die Ausgestaltung des neuen Friedhofreglements. Bei Letzterem könne nur eine Lösung angestrebt werden, welche von der Bevölkerung mitgetragen werde. Das Resultat als Sieg der FDP zu interpretieren, möchte Kissling nicht. Er stehe für Sachpolitik, nicht Parteipolitik.

Kolly: «War als Frau im Nachteil»

«Ich bin zwar enttäuscht, aber nicht am Boden zerstört. Schliesslich bin ich angetreten, um zu gewinnen», sagte CVP-Kandidatin Sandra Kolly gestern Sonntagnachmittag. Die 43-Jährige glaubt, dass neben der Parteizugehörigkeit auch das Geschlecht bei dieser Wahl eine grosse Rolle gespielt haben könnte. «Ich denke die Leute wollten einfach nicht noch mehr Frauen auf der Gemeindeverwaltung.» Deswegen den Kopf in den Sand zu stecken, kommt für Kolly nicht infrage. «Ich werde mich selbstverständlich als gewählte Gemeinderätin weiter für die Gemeinde einsetzen.» Rolf Kissling, «dem eindeutigen Gewinner der Wahl», habe sie bereits gratuliert und ihn ihre uneingeschränkte Zusammenarbeit im Gemeinderat abgeboten.

Enttäuscht über den Wahlausgang ist der abtretende Gemeindepräsident Paul Stöckli, welcher das Präsidium für die CVP seit 16 Jahren inne hat. «Ich hätte mir gewünscht, dass Sandra Kolly meine Nachfolge übernimmt, schon wegen der Kontinuität.» Die FDP habe es halt besser verstanden, ihre Basis zu mobilisieren, glaubt Stöckli. Nun sei es aber wieder an der Zeit, die Parteipolitik als solche hinter sich zu lassen und sich der Sachpolitik zu widmen.

Kobler: «Nicht gegen CVP gestimmt»

Das erwartet auch CVP-Präsident Stefan Kobler von der FDP. Als Hauptgrund, weshalb Sandra Kolly nicht gewählt wurde, nannte Kobler das Geschlecht. «Viele Wählerinnen und Wähler, darunter sicher auch einige CVP-Leute, gaben Kissling als Mann den Vorzug.» Dass bei dieser Wahl aktiv gegen die CVP gewählt wurde, glaubt der Parteipräsident indes nicht. Das auch für ihn überraschend deutliche Resultat zugunsten von Rolf Kissling sei vor allem auf eine erfolgreiche Mobilisierung der FDP-Wähler zurückzuführen.

Die FDP und mit ihr der neue Gemeindepräsident müssten nun beweisen, dass sie die bessere Politik machten, als die immer wieder kritisierte CVP, meinte Kobler mit Blick auf die Mehrheitsverhältnisse im neuen Gemeinderat. Dort hat die CVP bei den Gemeinderatswahlen vom 9. Juni nach jahrzehntelanger Dominanz ihren vierten Sitz verloren und verfügt nun wie die FDP über drei Mandate. Den siebten Sitz besetzen die Unabhängigen Neuendorf (UNE). Kobler traut Kissling zu, die Gemeinde erfolgreich zu führen. Er hoffe, dass es ihm gelinge, die politischen Kräfte hinter sich zu vereinen: «Damit alle am gleichen Strick ziehen – und wenn möglich in die gleiche Richtung.»

FDP geniesst ihren Triumpf

Die FDP habe mit ihrer neuen Rolle keine Mühe, erklärte Co-Präsident Hanspeter Egli. «Im Gegenteil, wir nehmen diese Führungsverantwortung im Interesse des ganzen Dorfes gerne wahr.» Allerdings hoffe man auf eine gute Zusammenarbeit mit der CVP. «Wir wollen Hand bieten zu guter Sachpolitik», so Egli in die Zukunft blickend. «Im Moment sind wir aber einfach nur stolz auf das Erreichte», meinte der Co-Parteipräsident zum Wahlerfolg des FDP-Kandidaten. «Wir waren im richtigen Moment mit dem richtigen Mann am richtigen Ort. Und das geniessen wir in vollen Zügen.»

Glücklich, dass es bereits im ersten Anlauf bereits geklappt hat, ist Rolf Kissling. «Zu einem zweiten Wahlgang wäre ich nämlich nicht mehr angetreten», verrät er. Nun sei aber klar, dass er mit Freude seine ganze Person in das Amt des Gemeindepräsidenten einbringen werde. «Ich bin bereit, diese Verantwortung zu übernehmen.»