Rössli Oensingen
Ein Nullsummenspiel – dafür gibt das Takeaway-Angebot eine Tagesstruktur

Geschäftsleiterin Kerstin Noack stellt das Angebot des Oensinger Restaurant Rössli vor - und erklärt, warum es für Kundschaft und Angestellte wichtig ist in dieser Zeit, auch wenn es kaum rentabel ist.

Denise Donatsch
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Kerstin Noack hinter der Theke.

Kerstin Noack hinter der Theke.

Denise Donatsch

Als das Restaurant Rössli im Juni 2020 neu eröffnet wurde, sei alles wie am Schnürchen gelaufen, erinnert sich Kerstin Noack, Geschäftsführerin des Oensinger Gasthofes. «Die Terrasse und das Gasthaus waren den Sommer hindurch immer voll und die Gäste wollten teils gar nicht mehr nach Hause gehen.»

So sehr hätten diese es genossen, dass das gesellige Zusammensein nach dem ersten Lockdown wieder möglich war. Für die 38-jährige Frau, die in ihrer Vergangenheit unter anderem im Restaurant Mövenpick tätig war, hätte es so bleiben können. «Bis Anfang Oktober glaubte man schon fast, das Coronavirus sei verschwunden.» Die Gäste hätten entspannt gewirkt, die Stimmung sei heiter und ausgelassen gewesen.

Stornierungen am Laufmeter

Doch als die Fallzahlen im vergangenen Herbst wieder in die Höhe schossen, sei die gute Stimmung von einem Tag auf den anderen gekippt. «Man hat den Menschen die Angst vor der Situation richtiggehend angemerkt.» Viele hätten sich schlagartig zurückgezogen, die Mailbox der Geschäftsführerin sei mit Stornierungen regelrecht überschwemmt worden.

Nach diesem schockartigen Zustand hätten sich die Gäste nur langsam getraut, wieder auswärts zu essen; eine gewisse Zurückhaltung und Unsicherheit seien geblieben. In weiser Voraussicht, dass es bis zum nächsten Gastrolockdown wohl nicht mehr lange gehen würde, habe sich das «Rössli»-Team deshalb im November dazu entschieden, ein Takeaway-Angebot auf die Beine zu stellen.

Denise Donatsch

Eine ganz neue Aufgabe

«Als im Dezember unsere Befürchtungen wahr wurden und wir schliessen mussten, konnten wir immerhin auf das bestehende Konzept zurückgreifen und mussten es nicht erst noch erstellen.» Ganz einfach sei die Umstellung jedoch nicht gefallen. «Ein Takeaway zu betreiben, ist eine ganz andere Aufgabe, als Gäste vor Ort zu bewirten, man muss ganz anders planen.» Für die passionierte Gastronomin, die ihre Gäste viel lieber persönlich betreut, eigentlich nicht das, was sich wünscht. Dennoch sei sie froh, diese Möglichkeit zu haben.

«Unsere Gäste schätzen das Takeaway-Angebot, das ist Grund genug, weiterzumachen.»

Auch viele Arbeiter seien froh, dass das Rössli ein günstiges Mittagsmenu im Angebot hat, so seien sie nicht immer auf Fast Food oder Sandwiches angewiesen. Dennoch sei das Ganze ein Nullsummenspiel. «Unter dem Strich verdienen wir nichts, aber das Takeaway-Angebot gibt uns eine Tagesstruktur und die Chance, mit den Leuten in Kontakt zu bleiben.» Und das werde sich, da ist sich die Geschäftsführerin sicher, spätestens bei der Wiedereröffnung auszahlen.

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