Viele Menschen fürchten sich vor Roboter. Der Wolfwiler Schlatthof-Bauer Erwin Ackermann und dessen Sohn Mathias nicht. Im Gegenteil: Sie lassen ihre etwa 100 Kühe durch zwei Roboter melken und haben dadurch weniger Arbeitsstress – und mehr Lebensqualität.

Früher war Erwin Ackermann zweimal pro Tag während je zwei Stunden im Melkstand tätig, jeweils ab 05.45 Uhr und ab 16 Uhr. Die seit letztem Sommer ganztägig in Betrieb stehenden Melkroboter, die von den Kühen selbstständig aufgesucht werden, müssen natürlich auch beaufsichtigt werden, stellt Ackermann fest. Es sei aber immer jemand auf dem Hof, der rasch einen Augenschein nehmen oder bei einer Störung einschreiten könne.

Melkroboter Schlatthof Wolfwil

Melkroboter Schlatthof Wolfwil

Doch die beiden Melkroboter laufen laut Ackermann sehr zuverlässig. Nach der Eingewöhnungsphase hätten die Kühe auch einen grossen Mehrwert: «Jede Kuh hat nun ihren eigenen Tagesablauf, und sie sind allgemein viel ruhiger geworden.»

Die Investition in die Melkroboter sei für diesen Hof richtig gewesen, sind Erwin und Mathias überzeugt. Und wenn man alles berücksichtige, sei ein Melkroboter vor allem bei einem Neubau heute nicht mehr teurer als ein herkömmlicher Melkstand, der viel mehr Raum beanspruche.

Viele Tätigkeitsfelder

Etwas Entlastung durch den Einsatz der Melkroboter können die Bewirtschafter auf dem Schlatthof gut gebrauchen, denn auf dem Bio-Betrieb ist einiges los. Hier wird nicht nur in der eigenen Molkerei Milch direkt in Fertigprodukte wie Pastmilch, Vollrahm, Kuhdrink, Früchtequark und -joghurt sowie Weichkäse verarbeitet. Der Schlatthof ist auch bekannt für seinen eigenen Hopfen, der für die Herstellung des Häxli-Biers Verwendung findet oder verkauft wird.

Ausserdem werden neben der Produktion des Grundfutters auch Mais und Saatkartoffeln angepflanzt. Im Weiteren pflegt man auf dem Wolfwiler Schlatthof die Gastfreundschaft. Zum einen in der Buurehof-Oase mit Hofbeizli und Hofladen.

Zum anderen mit einem Gästehaus, einem heimeligen Chalet, das im Rahmen von Agrotourismus und Airbnb vermittelt wird. Bei entsprechendem Wetter lädt eine Terrasse zum Verweilen ein. Die kleinen Gäste können sich auf einem Spielplatz verweilen oder auf einem Rundgang mit den Eltern Tiere bestaunen, darunter auch zwei Esel und zwei Kamele.

Wertvolle Kontakte

Mit dem Gastrobereich verfolge der Schlatthof auch das Ziel, der Öffentlichkeit die Landwirtschaft näher zu bringen, betont der Seniorchef. Ebenso wertvoll seien die Kontakte mit den Gästen aus aller Welt. «Sogar Australier waren bereits bei uns zu Gast», unterstreicht Erwin Ackermann.

Besonders stark seien Asiaten vertreten. «Durch den Kontakt mit den fremden Gästen lernen wir etwas die Welt und diese ein kleines Stück Schweiz kennen», bekräftigt Ackermann.

Auf reges Interesse stosse immer wieder auch die Hopfenproduktion, die Erwin Ackermann seit 1985 betreibt. Soeben hat er ein drittes Hopfenfeld in Betrieb genommen, nachdem bereits im 2004 ein Ausbau stattgefunden hatte. Insgesamt beträgt die Produktionsfläche auf den drei Anlagen nun 4 Hektaren.

Den Hopfen, der als Gewürz bei der Bierherstellung Verwendung findet, liefert er hauptsächlich an Klein- und Kleinstbrauereien. Bio-Hopfen sei aktuell gefragt, konstatiert Ackermann, so habe er schon Anfragen aus Japan erhalten.

Zur Menge: Der Hopfen, der auf vier Hektaren produziert werden kann, reicht gemäss Ackermann für etwa sechs Millionen Liter Bier oder mehr. Für 1000 Liter Bier brauche es rund ein Kilo Hopfen. Das bedeutet: Für die Produktion des eigenen Häxli-Biers mit einer Jahresproduktion von zirka 150 000 Liter brauch es ungefähr 150 Kilo Hopfen.

Klare Aufgabenteilung

Ein derart breites Wirkungsfeld wäre nicht zu bewältigen, wenn es auf dem Schlatthof nicht eine klare Aufgabenteilung gäbe: Der 62-jährige Meisterlandwirt Erwin Ackermann ist zuständig für Molkerei, Hopfen und Feldbau. Seine 57-jährige Frau Regina, Bäuerin und Hausfrau, ist verantwortlich für das Rechnungswesen, die Mitarbeiter, das Hofbeizli, den Hofladen und das Gästehaus. Der 31-jährige Sohn Mathias, Agrotechniker HF, der seit zwei Jahren hauptberuflich auf dem Hof tätig ist, besorgt die Milchproduktion sowie das Marketing und den Verkauf.

Ab kommendem Februar wird auch dessen 24-jährige Ehefrau Eskarly, eine gelernte Köchin, in den Hof einsteigen. Neben den Mitgliedern der Familie, zu der auch die Töchter Jris (29) und Salome (23) gehören, sind auf dem Betrieb drei weitere Personen beschäftigt, eine davon auf dem 2014 erworbenen Berghof Rislisberg ob Oensingen.

Regionale Produkte

Qualität und Nachhaltigkeit werden auf dem Schlatthof grossgeschrieben, erklärt der Bio-Bauer. Er ist überzeugt: «Mit unseren Bio-Produkten leisten wir einen aktiven Beitrag für eine artgerechte Tierhaltung, den Erhalt von Lebensräumen für Wildpflanzen und Tiere, für unbelastetes Grundwasser und eine lebenswerte Umwelt für unsere Nachkommen.»

Bei den Produkten werde grossen Wert auf Frische und Regionalität gesetzt. Abnehmer seien Coop in der Region sowie diverse Dorf- und Hofläden, wie etwa der Kreuzplatzhof in Boningen. Zur Nachhaltigkeit gehöre auch, dass die Milchprodukte mit Energie aus Holzschnitzel vom eigenen Wald mit einem Wärmerückgewinnungssystem hergestellt werden.

600 000 Liter Milch pro Jahr

Kerngeschäft des Schlatthofs ist und bleibt die Milchwirtschaft: Erwin Ackermanns Angaben zufolge werden jährlich rund 600 000 Liter Milch produziert. So offenherzig Ackermann Einblick in seinen Betrieb gewährt, so zugeknöpft gibt er sich bei Fragen zum Finanziellen. Beispielsweise hinsichtlich der Kosten der Roboteranlagen oder der Milch- und Hopfenerträge.

Immerhin konstatiert er stockzahnlächelnd: «Uns geht es nicht schlecht, wir können gut leben.» Doch manchmal komme er sich vor wie ein Goldgräber: «Wir müssen enorm viel schürfen, damit zuletzt etwas bleibt.»

Gerne äussert sich Erwin Ackermann auch zur Agrarpolitik. Er kritisiert vor allem zwei Punkte: Zum einen das ständige Hin und Her in der Landwirtschaftspolitik, das Investitionen unternehmerisch denkender Bauern erschwere.

Zum anderen die Direktzahlungen, die nach Fläche und nicht nach Aufwand ausgerichtet würden: «Es ist nicht richtig, dass ein Bauer für brachliegende Flächen gleich viel Geld erhält wie jener, der Arbeit und Geld investiert.» Trotz allem steht für Erwin Ackermann fest: «Bauer ist der schönste Beruf.»