Wirrwarr und Aufregung ist in Balsthal um die ehemalige, traditionsreiche Zahnarztpraxis von Marius Haenggi entstanden. Da ist die Rede von Rausschmiss und Hausverbot für einen Zahnarzt, und dass Kunden, die ihre Patientenakten abholen möchten, nur Kopien erhalten und auch noch dafür zahlen müssten.

Marius Haenggi sah sich veranlasst, im Anzeiger Thal Gäu Olten eine «Richtigstellung» zu veröffentlichen: «In Balsthal und Umgebung hält sich hartnäckig das Gerücht, dass ich die von Dr. Tobias Halfar gewünschte Renovation des Praxisgebäudes am Sagibachweg 3 verweigert hätte. Das stimmt nicht und ist völlig absurd.» Denn bereits Anfang 2010 habe er sich aus dem Berufsleben zurückgezogen und die Praxis im September gleichen Jahres verkauft, und zwar an Kai Waletzko, Zahnarzt im aargauischen Bremgarten, wie Marius Haenggi bestätigt. Tobias Halfar hatte bereits mit Haenggi zusammengearbeitet und wurde nun Angestellter des neuen Besitzers.

Es kam anders

Halfar hegte die Absicht, sich im Verlauf der Zeit einmal selbstständig zu machen, wie er berichtet. «Nun sah ich eine Chance und habe darum im Februar dieses Jahres mein Angestelltenverhältnis per Ende August gekündigt.» Es kam anders, wie er per Inserat bekannt machte: «Leider musste ich die alten Praxisräumlichkeiten vorzeitig verlassen.» Halfar hat sich nun – einige Häuser von Sagibachweg 3 entfernt – eine eigene Praxis aufgebaut. Somit gibt es (gemäss Branchenverzeichnis) nun sechs Zahnärzte in Balsthal, einen mehr als bisher.

Marius Haenggi betont, dass er mit der ganzen Sache absolut nichts zu tun habe: «Ich war nie involviert in Bezug auf das, was der neue Besitzer und Tobias Halfar miteinander vereinbart haben in Sachen Verträge, Angestelltenverhältnis oder auch Konkurrenzklausel.»

«Kommt nicht infrage»

Als ein sehr erstaunliches Vorgehen bezeichnet Marius Haenggi die Art, wie in seiner ehemaligen Praxis die Herausgabe von Patientendossiers bzw. Krankengeschichten gehandhabt wird. «Als für mich der Rückzug aus der Praxis feststand, habe ich meine Kundschaft darüber orientiert und mitgeteilt, dass sie ihre Patientenakten und Röntgenbilder abholen können, falls sie sich nicht von meinem Nachfolger Tobias Halfar behandeln lassen wollen.» Nur etwa vierzig Dossiers seien verlangt worden.

Beim «Balsthalzahnarztpraxisteam», das nun am Sagi-bachweg 3 wirkt, läuft es anders. «Ich war zusammen mit meiner Tochter dort und verlangte deren Krankengeschichte», erzählt Haenggi. «Man wollte aber die Originale dort behalten und mir nur Kopien herausgeben. Das kommt natürlich nicht infrage.» Immerhin habe man von ihm kein Geld verlangt, so wie bei der Patientin K*: «Dass man eigentlich Anspruch auf die Originale hat, war mir nicht bewusst» sagt sie. «Und was die Gebühren angeht, so war ich zwar etwas verblüfft, dachte aber, das werde schon richtig sein.» 

Ohne Namen

Es gibt noch einen Punkt, an dem Marius Haenggi keine Freude hat: «Da wird an ein Praxissommerfest an den Sagibachweg eingeladen von einem Team Zahnarztpraxis Balsthal, man erfährt aber keine Namen. Dafür steht gross, dass es sich um meine ehemalige Praxis handelt.» Das sei zwar richtig, «aber weil es der einzige Name auf der Einladung ist, glauben die Leute, ich sei auch bei den Einladenden, was natürlich nicht stimmt.» Ferner bedankt sich das Team bei den Patienten «für ihre Treue zu unserer Praxis seit nunmehr 70 Jahren.» Da frage er sich, sagt Haenggi, was die neuen Leute, von denen man nicht einmal den Namen kennt, damit zu tun haben.

Ein Widerspruch

Tatsächlich ist nirgends zu erfahren wer zum «Balsthalzahnarztpraxisteam» gehört. So nennt es sich neuerdings gemäss einem Aushang beim Praxiseingang am Sagbiachweg. Am Telefon meldet sich schliesslich Christian Quast. Er reagiert erstaunt über die Anfrage, sieht in keinem der genannten Punkte, die andere eigenartig finden, etwas Aussergewöhnliches. Was die Herausgabe der Patientenakten angeht, so halte man sich an die Vorgaben vom Zuger Rechtsanwalt Lukas Fässler: «Datenschutz, Sorgfaltspflicht des Arztes im Umgang mit Patientendaten».

Da ergibt sich nun allerdings eine Differenz: Am Eingang der Praxis am Sagibachweg ist auf einem Merkblatt zu lesen: «Die Auskunft erfolgt schriftlich in Form von Fotokopien.» Bei Fässlers Angaben dagegen steht: «Der Arzt ist berechtigt und verpflichtet, die gesamten Originalunterlagen an den Patienten als Eigentümer herauszugeben.» Bezüglich Gebühren verweist Quast auf das erwähnte Merkblatt am Praxiseingang: «Die Auskunft ist kostenpflichtig, wenn der Aufwand erheblich ist.» Im Unterschied zu den Behörden würden jedoch nur «CHf 0.5 pro Kopie» verlangt.

Geht Haenggi auch hin?

Auch bei der Einladung zum Praxissommerfest sieht Christian Quast keinen Grund für einen Einwand. Es sei als Anlass zu Kennenlernen gedacht. Dass es sich um die ehemalige Praxis von Marius Haenggi handle, sei nun einmal Tatsache. «Ich habe ihn ja auch ans Fest eingeladen», sagt Quast.
Ob Haenggi wohl hingehen wird? Er lässt die Frage offen, sagt aber: «Es ist schade, dass es zu Unstimmigkeiten gekommen ist. Man sollte aber jetzt einen Punkt dahinter setzen.»

*Name der Redaktion bekannt