Balsthal

Richteramt Thal-Gäu: Gerichtssaal mutiert zur Baustelle

Im auf 70 Quadratmeter vergrösserten Gerichtssaal werden derzeit die finalen Arbeiten an Decke und Wänden ausgeführt.

Im auf 70 Quadratmeter vergrösserten Gerichtssaal werden derzeit die finalen Arbeiten an Decke und Wänden ausgeführt.

Nach dem Ausbau des Verhandlungsraums im Schmelzihof in Balsthal muss das Amtsgericht Thal-Gäu weniger oft in Solothurn tagen.

Auf dem Richteramt Thal-Gäu, im ersten Obergeschoss des Schmelzihofs, herrscht der Ausnahmezustand. Ausgelöst wurde dieser durch Bauarbeiten im Gerichtssaal, der im Auftrag des Kantons von 47 auf neu 70 Quadratmeter ausgebaut wird. Weil die Arbeiten voraussichtlich noch andauern, muss das Gericht bis zur Fertigstellung des Saals in einem Besprechungsraum des Betreibungsamtes im Keller der Liegenschaft tagen.

So auch am Mittwoch, als sich Amtgerichtspräsident Guido Walser mit der Einsprache eines Walliser Garagiers gegen den Strafbefehl der Staatsanwaltschaft beschäftigen musste. Grund: ein angeblich nicht ordnungsgemäss ausgerüsteter Sattelschlepper. In der Befragung stellte sich heraus, dass die Polizei den Fall falsch beurteilt hatte, weshalb ein Freispruch für den Walliser Geschäftsmann resultierte.

Zu wenig Platz bei grossen Fälle

Dieser Behelfsraum im Untergeschoss des Schmelzihofs genüge für solche kleine Fälle, sagte Walser nach der Verhandlung. Wenn aber nächste Woche das Amtsgericht tage, müsse dieses in den Gerichtssaal im Amtshaus in Solothurn ausweichen. Dies sei in der Vergangenheit auch mit dem bisher in Balsthal zu Verfügung stehenden Gerichtssaal oft nötig geworden. «Vor allem bei grösseren Fällen, wie etwa 2015 beim Doppelmord von Oensingen mit mehreren Parteien und viel Publikum», bemerkt Walser.

Solche Verhandlungen auszulagern sei mit viel Aufwand verbunden. Neben dem Transport der oft umfangreichen Akten müssten vorgängig auch die Drucker für die Protokolle sowie andere technische Gerätschaften eingerichtet werden.

Walser begrüsst deshalb die Vergrösserung des Gerichtssaals. Der steht dem Amtsgericht seit dem 2002 erfolgten Umzug von der Goldgasse in den Schmelzihof an der Wengimattstrasse zur Verfügung. Dass dieser Verhandlungsraum den Bedürfnissen des Gerichts nicht gerecht wurde, hatte sich relativ rasch gezeigt. Neben dem Richtergremium, Angeklagten und Anwälten bot er nur noch Platz für maximal Platz für eine Stuhlreihe für sechs Personen. Dank dem Ausbau können neu in hinteren Teil des Saals zwei Stuhlreihen für insgesamt 12 Personen platziert werden.

Verhandlungskalender nicht tangiert

Walser geht davon aus, dass dank den neuen Platzverhältnissen nur noch einigewenige Verhandlungen nach Solothurn ausgelagert werden müssen. Geschaffen wurde der zusätzliche Raum im Gerichtssaal übrigens durch die Entfernung einer Zwischenwand. Dies auf Kosten des bisherigen Büros des Amtgerichtspräsidenten. Dank Verdichtung und interner Rochaden hat Walser inzwischen wieder ein Büro.

Verhandlungen mussten wegen der seit Mitte Juni laufenden Bauarbeiten keine verschoben werden, weil diese bewusst in die von Mitte Juni bis 15. August dauernden Gerichtsferien gelegt worden sind. Nun hofft der Amtsgerichtspräsident, dass der veranschlagte Termin für den Bezug des Gerichtssaals wie geplant anfangs September erfolgen kann.

Auch Dachboden wird isoliert

Diesem Termin sollte nichts im Wege stehen, wie Kantonsbaumeister Bernhard Mäusli erklärt. Der neue Gerichtssaal wird nicht nur mehr Platz bieten, sondern dank dem Einbau einer Lüftung mit ausgeklügelter Technik für die Kühlung auch über ein besseres Klima verfügen.

Neben der Erweiterung des Gerichtssaals wird zudem der Dachboden der Liegschaft thermisch isoliert. Damit sollen die Energiekosten gesenkt und das Raumklima sowohl im Sommer wie auch im Winter verbessert werden. Mit dem Abschluss der Arbeiten im Gebäude des Schmelzihofes wird anfangs November gerechnet. Die Kosten für sämtliche Bauarbeiten sind mit rund 500 000 Franken veranschlagt.

Autor

Erwin von Arb

Erwin von Arb

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