Oensingen
Rettungsaktion wird belohnt: Happy-End für Hope und ihre Jungen

Dank eines Facebook-Posts von Christine Ackermann wurde eine Katzenfamilie zur lokalen Berühmtheit. Mit ihrer Rettungsaktion rettete sie die Kätzin Hope und ihre vier kleinen Babys.

Sarah Kunz
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Kätzin Hope
8 Bilder
Erst zwei der vier Katzenbabys haben ihre Augen bereits geöffnet.
Die streunende Kätzin Hope ist eine richtige Schmusekatze für Christine Ackermann.

Kätzin Hope

Sarah Kunz

137 Kommentare, 112 Likes und über 100 Mal geteilt. So lautet die Statistik eines Posts von Christine Ackermann auf der Facebook-Seite «Du bisch vo Oensingen wenn...». «Liebe Önziger», beginnt dieser. «Ich brauche eure Hilfe.» Es geht um eine Katze und ihre vier Jungen, die zum Zeitpunkt des Eintrags Ende April gerade mal einen Tag alt waren. Die Kätzin selbst nur sieben Monate alt, verletzt, sehr wahrscheinlich von einem Auto angefahren, dem Tod nahe. «Bei solchen Sachen kann ich einfach nicht wegschauen», erklärt Ackermann. «Da muss ich handeln.»

Mehrmals hat die Tierliebhaberin mit sich gerungen, den Eintrag auf Facebook zu posten. Denn darin bittet sie die Önziger um finanzielle Hilfe. «Es mögen halt nicht alle Menschen Tiere oder finden es gut, was ich mache», erklärt sich die Mutter von drei Kindern. «Aber alleine konnte ich die Kosten einfach nicht mehr tragen.»

Leidensweg von Kämpferherz Hope

Wer streunende oder verletzte Tiere findet, fürchtet schnell die Kosten für den Tierarzt oder die Verantwortung für einen Vierbeiner. Dabei sei man nicht verpflichtet, die Kosten zu übernehmen, versichert Ackermann. Man könne das Tier in die Obhut des Tierarztes übergeben, ohne es wieder nach Hause nehmen und dafür sorgen zu müssen. Ackermann muss nie zwei Mal überlegen, ob sie einem Vierbeiner helfen will. «Ich bin einfach ein Tiernarr», sagt sie lachend. Und es stellt sich heraus, dass die Geschichte von Kätzin Hope nicht nur sie berührte. Den Namen erhielt die Katzenmama übrigens intuitiv von Ackermann. Denn Hope heisst zu Deutsch Hoffnung, die sich letztlich erfüllte.

Ackermann erhielt vor knapp zwei Wochen die Nachricht, dass eine Streunerkatze Junge geworfen hat. Vor Ort wurde bereits auf den ersten Blick klar: Der Katzenmama geht es sehr schlecht. Hope musste sofort notoperiert werden. «Sehr wahrscheinlich hatte sie einen Unfall, ihre Blase war ganz zerfetzt», so Ackermann.

Gleichzeitig wurde die Kätzin kastriert, war tagelang an eine Infusion und einen Harnkatheter geschlossen. Die Jungen mussten mit Aufzuchtmilch aufgepäppelt werden. Hund Jumper übernahm derweil die Mutterrolle, spendete den Babys Wärme und Nähe. Über all diese Schritte informierte Ackermann die Facebook-Mitglieder in regelmässigen Abständen. Anfangs sah es nicht gut aus, doch dann ging es aufwärts: Die Jungen konnten zu Hope zurückgebracht werden, sie säugte wieder, ihr Lebenswille erwachte. Kurz darauf konnte die kleine Familie die Klinik verlassen und ruht sich jetzt bei Ackermann zu Hause aus. «Hope hat ein richtiges Kämpferherz», sagt die Oensingerin stolz.

Kosten dank Facebook-Post gedeckt

Die Reaktionen der Oensinger liessen nicht lange auf sich warten: «So ein schönes Happy-End» und «was bin ich froh, dass alles gut gegangen ist», sind nur einige der Kommentare, die auf das neuste Update folgten. Ackermann ist überwältigt von der unglaublichen Resonanz ihres Aufrufs. «Kinder haben mir Zeichnungen und ihr Taschengeld vorbeigebracht, Freunde und Unbekannte haben mich sowohl emotional als auch finanziell unterstützt, jeder wollte helfen.»

Alle Auszüge, Daten, Zeichnungen und Chärtli hat die Oensingerin in einem Buch zusammengetragen. «Wer will, darf die Büsis gegen Anmeldung gerne besuchen und Einsicht in meine Ausgaben haben», verspricht Ackermann. Denn das gespendete Geld komme zu hundert Prozent nur der Katzenfamilie zugute. Die Kosten der Klinik von 1315,25 Franken konnte Ackermann dank der Unterstützung der Facebook-Mitglieder übrigens bereits decken.

Neues Zuhause für Katzen gesichert

Hope und ihre Jungen sind nicht die ersten Tiere, die Ackermann aufnimmt. Denn obwohl sie selbst mehrere Büsis, Hunde und Schildkröten hat, findet sie immer wieder einen Platz für kranke oder verletzte Tiere. «Ich suche solche Fälle aber nicht», stellt Ackermann fest. «Einem Tier in Not würde ich einfach nie die Hilfe verwehren.» Ackermann wird deshalb mittlerweile oft kontaktiert und nach Rat gefragt. Sie wisse, wen sie anrufen und was sie machen müsse.
«Für diese Arbeit braucht man eine dicke Haut», sagt Ackermann.

Das beweist auch ihr verbundener Arm. Vor zwei Tagen wurde sie von Hope gebissen, die noch sehr futterneidisch ist. «Das ist bei Streunerkatzen normal«, erklärt Ackermann schulterzuckend. «Das sind ihre Instinkte. Sonst ist sie ein Goldschatz.» Sie streicht der Katze mit der gesunden Hand über den Kopf, die umgehend zu schnurren beginnt. Leider habe sich der Biss aber entzündet. «Ein kleiner Rückschlag.» Ackermann lacht trotzdem. Wenn die zwei Wochen alten Kätzchen alt genug sind, werden sie in ein neues Zuhause kommen. Denn viele der Facebook-Mitglieder haben nicht nur in ihrem Herzen, sondern auch in ihrem Daheim ein Plätzchen für die Katzenfamilie geschaffen.

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