«Die Karten in der ‹Causa Überbauung Unterdorf und Kronenkellergebäude› werden neu gemischt», schrieb Kuno Blaser am frühen Sonntagabend in der Oensinger Facebookgruppe. Für Blaser als Gesicht der Aktionsgruppe Pro Unterdorf war es wie ein Sieg, bevor die Gemeinde überhaupt erst abgestimmt hat, ob sie ihre Häuserzeile im Unterdorf an Zürcher Investoren verkauft.

Statt den 50 bis 70 Wohnungen, die im Unterdorf entstehen sollen, könnte das Dorfbild, so wie es heute besteht, erhalten bleiben. Dafür will zumindest Othmar Hofstetter sorgen. Der Oensinger Geschäftsmann und Coiffeur bestätigt, was Blaser über Facebook verkündet hatte: Er möchte der Gemeinde die Liegenschaften im Unterdorf zu denselben Konditionen abkaufen, wie dies die Zürcher Investoren angeboten haben. «Das Unterdorf liegt mir am Herzen, denn ich bin dort aufgewachsen», sagt Hofstetter auf Anfrage. Sein Angebot könnte in der «Causa Unterdorf» zu einer Wende führen, wenn denn die Gemeinde will.

Anfang März gehörte Hofstetter noch zu den stillen Zuhörern, als Gemeindepräsident Fabian Gloor und Kuno Blaser in einem Streitgespräch über die Zukunft des Unterdorfs debattierten. Zu diesem Zeitpunkt hatte Hofstetter bereits entschlossen, dass er der Gemeinde anbieten würde, die Liegenschaften zu kaufen. Gereift sei dieser Plan während seiner Ferien im Februar. Im Mitteldorf seien auf Kosten des Roggenparks bereits alte Häuser abgerissen worden, so Hofstetter. «Dies obwohl die Gemeinde gesagt hatte, die Häuser sollten erhalten bleiben.» Mit seinem Angebot will der Oensinger verhindern, dass sich dies im Unterdorf wiederholt. In der Vergangenheit erwarb Hofstetter bereits die alte Mühle oder das Zeltner-Haus und machte sich somit einen Namen als Bewahrer historischer Dorfbauten. Die Leidenschaft für alte Häuser sei in ihm gewachsen. «Ich fühle mich dafür berufen.»

Kein «riesiges Renditeobjekt»

Der Kronenkeller, das südlich gelegene Schlachthaus und eine alte Militärküche sollen durch Hofstetter ein zweites Leben erfahren. «Ich habe insgeheim gehofft, dass Othmar Hofstetter einsteigt», sagt Blaser. «Der Gemeinderat wird Hofstetters Angebot nicht ignorieren können.»

Hofstetter möchte sämtliche Häuser stehen lassen und sanieren. Wie die Gemeinde hatte schätzen lassen, wären für die Sanierung der gemeindeeigenen Liegenschaften zwischen drei und fünf Millionen Franken nötig. «Es wird nie ein riesiges Renditeobjekt werden», sagt der Oensinger Geschäftsmann. Den Platz hinter der Hauptstrasse, wo während des alljährlichen Zibelimärets das Gewerbezelt steht, möchte Hofstetter anders als die Zürcher Investoren unbebaut belassen. «Am liebsten würde ich nur die Liegenschaften kaufen», sagt er. Sollte die Gemeinde aber darauf bestehen, die gesamte Parzelle zu verkaufen, würde der Oensinger auch zu diesem Deal einwilligen, wie er sagt. In einem Gespräch mit Gemeindepräsident Gloor unterbreitete Hofstetter vergangene Woche sein Angebot. Für den Gemeinderat sei dieses überraschend gewesen. Gloor war gestern für eine Stellungnahme nicht zu erreichen, er will diese in diesen Tagen abgeben.

Blaser kündigte an: Bei der ausserordentlichen Gemeindeversammlung am kommenden Montag werde Pro Unterdorf beantragen, dass die Gemeinde nicht auf die Kaufoption zugunsten der Zürcher Investoren eintritt. Zudem will er den Gemeinderat auffordern sich neu zu orientieren und die Verhandlungen mit Othmar Hofstetter aufzunehmen, damit die beiden Parteien einen Kaufvertrag ausarbeiten. In einer Woche wird sich weisen, ob die Gemeinde dem Wunsch von Pro Unterdorf entspricht und Othmar Hofstetter das Vertrauen ausspricht.