«Das ist eine Falschinformation», lacht Stefanie Stalder auf die unbedarfte Aussage, dass sie und ihr Partner Abdul Hloul ja auf Ende Jahr ihren Betrieb im Gasthaus zum Lamm aufgeben würden. Doch wie es halt so ist mit Dorfgewäsch, ein wahrer Kern ist halt doch immer irgendwo zu finden.

Gut etabliertes Gasthaus

Es ist kurz nach 10 Uhr morgens, der Stammtisch in der heimeligen Ecke mit dem Kachelofen im Hintergrund im «Lamm» ist noch leer. Oder besser gesagt der «Lamm-Tisch», wie auf der Tischplatte zu lesen, ist noch leer. Darauf liegen zwei Zeitungen, Abdul Hloul setzt sich an den Tisch und gemeinsam wartet man auf die Chefin, wie er Stefanie Stalder liebevoll nennt. Kurze Zeit später erscheint auch Stalder mit einem fröhlichen Lachen auf den Lippen. Dieses wird im «Lamm» nur noch bis Ende Februar des nächsten Jahres zu sehen sein. Denn zu diesem Zeitpunkt lassen die beiden ihren Pachtvertrag auslaufen.

Das Gasthaus, welches 2006 mit dem Solothurner Heimatschutzpreis bedacht wurde.

Das Gasthaus, welches 2006 mit dem Solothurner Heimatschutzpreis bedacht wurde.

Etwa weil das Restaurant nicht rentiert hat? «Nein, man wird zwar nicht reich in der Gastronomie, doch für in die Ferien hat es allemal gereicht», scherzt Hloul. Er hat in den letzten sechs Jahren für das leibliche Wohl gesorgt. Leicht afrikanisch oder präziser marokkanisch angehaucht – Hloul stammt aus Marokko, war denn auch die Speisekarte. Etwas, das die Gäste zu schätzen wussten, sagt er. Grundsätzlich sei das Restaurant sehr gut etabliert im Dorf.

«Zu viele Ferien haben wir», lacht Hloul. Das sei der grösste Vorwurf, den man ihnen in den letzten sechs Jahren gemacht hat. Seit März 2011 führt das Paar das Gasthaus. «Es wird uns schwerfallen, uns zu verabschieden», blickt Stefanie Stalder in die Zukunft. Vor allem auch die Dorfvereine hätten sich gerne mal sehen lassen, was ihnen zukünftig fehlen werde. Und auch die Stammgäste sind den beiden ans Herz gewachsen.

So wie etwa der Herr, der sich eben auch an den Stammtisch gesetzt hat. Er bestätigt mit einem Lachen, dass sie zu viel Ferien gehabt hätten. Ganz so ernst kann er es aber nicht meinen, hatte das Paar jeweils fünf Wochen pro Jahr Ferien, beteuert Abdul Hloul. Auch das mit einem Lachen. Diese Freundlichkeit hat das «Lamm» in den letzten Jahren ausgezeichnet.

Neue Herausforderung

Stalder war der Gastronomie, schon bevor sie mit ihrem Lebenspartner das «Lamm» übernahm, verpflichtet. 12 Jahre in diversen Funktionen im luzernischen Gastgewerbe hatte sie vorzuweisen, als sie das Gasthaus übernahm. Ende Februar des nächsten Jahres sind es dann bereits 18. Und dann? «Ich suche eine neue Herausforderung», sagt Stalder. Spruchreif sei dabei aber noch nichts.

Hloul hingegen möchte weiter in der Gastronomie tätig sein. «Gesucht habe ich zwar noch nicht, aber am liebsten wäre mir eine Stelle in einer Kantine.» Die angenehmeren Arbeitszeiten und vor allem die freien Wochenenden nennt er als Grund für den Wechsel. Die Stellen seien aber sehr beliebt in der Gastroszene. Doch Sorgen mache sich der gelernte Koch keine, dass er eine gute Anschlusslösung finden würde.

Der Region wollen die beiden, welche in Kappel wohnhaft sind, treu bleiben. Die letzten sechs Jahre haben offenbar auch sie zu heimlichen Gäuern gemacht.

Eher zufällig war übrigens, dass Stalder und Hloul überhaupt das «Lamm» übernahmen. Stalder, gebürtige Kappelerin, wurde damals von ihren Eltern und einigen Bekannten auf den Umstand aufmerksam gemacht, dass das Gasthaus einen neuen Pächter sucht.

Oder eben ein neues Pächterpaar. Dies verriet sie bereits vor sechs Jahren dieser Zeitung. Ein glücklicher Zufall ist man geneigt zu sagen. Denn: «Es ist sehr gut gelaufen», fasst Stalder ihre vergangenen sechs Jahre in Härkingen zusammen. Den Entschluss, sich damals selbstständig zu machen, bereuen sie offenbar nicht, das wird jedem schnell einmal klar, wenn er mit dem Wirtepaar am Stammtisch Platz genommen hat.