Amtsgericht Olten-Gösgen
Rennen zwischen Audi A3 und Audi S3 Quattro endete mit Selbstunfall

Vier «Rennfahrer» haben sich seit Montag vor der Justiz zu verantworten. Grund: ein Autorennen zwischen Wolfwil und Fulenbach. Die beiden damals 19-jährigen Lenker und ihre fast gleichaltrigen Beifahrer nutzten den gesamten Strassenraum.

Urs Huber
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Auf dieser Strecke haben sich die jungen «Rennfahrer» im Zweikampf gemessen.

Auf dieser Strecke haben sich die jungen «Rennfahrer» im Zweikampf gemessen.

Bruno Kissling

Es war Mitte November 2010, als im Aaregäu, genauer bei der westlichen Dorfeinfahrt Fulenbach, ein Auto von der Strasse abkam, sich gemäss staatsanwaltschaftlicher Anklageschrift mindestens einmal überschlug und schliesslich im Wiesland rechts der Fahrbahn zum Stillstand kam.

Wirklich verletzt wurde dabei niemand, es entstand lediglich Sachschaden.

Rennen unter ungleichen Partnern

Was war passiert? Vorausgegangen war dem Unfall am frühen Abend ein Autorennen zwischen zwei Fahrern im Alter von damals 19 Jahren, beide noch kaum ein Jahr im Besitz des Führerausweises. An ihrer Seite: je ein Beifahrer im Alter von 20 beziehungsweise 19 Jahren.

Auf einer vorerst ziemlich geraden, rund einen Kilometer langen «übersichtlichen Strecke», wie sich der eine Angeklagte (Fahrer B) ausdrückte, hatten sich der Audi A3 und der Audi S3 Quattro zwischen Wolfwil und Fulenbach ein veritables Rennen geliefert; mit fliegendem Start (bei 40 km/h) am Dorfausgang von Wolfwil und mit Höchstgeschwindigkeiten von mindestens 160 km/h, wie die Anklageschrift aufführte.

Benutzt wurden dafür beide Fahrspuren. Das Rennen habe dazu gedient, die unterschiedlichen Motorstärken manifestiert zu sehen, so die Meinung der «Rennfahrer». Ein Rennen unter ungleichen Partnern also. Zum Unfall beim Dorfeingang war es gekommen, weil der «unterlegene» Fahrer A offensichtlich die Kurve beim Restaurant Bad, in der 50er-Zone gelegen, zu schnell angegangen und schliesslich wegen überzogenen Lenkmanövern von der Strasse abgekommen war.

Der eigentliche «Sieger» des Rennens mit dem motorstärkeren Quattro hatte die Kurve scheinbar ohne Probleme passiert. Deren Beherrschbarkeitslimite liege bei rund 102 km/h, hatten Verkehrsexperten im Zuge der Ermittlungen errechnet.

«Jugendlicher Leichtsinn»

Nun stehen die vier seit gestern vor den Schranken des Amtsgerichts Olten-Gösgen – und geben sich eher wortkarg. Es war nicht einfach für Amtsgerichtspräsidentin Barbara Hunkeler, dem Quartett, drei Schweizer und ein Portugiese, verwertbare Aussagen zu entlocken. Fahrer B schrieb das Vorgefallene «jugendlichem Leichtsinn» zu und beteuerte, dass er während des Rennens einen entgegenkommenden Velofahrer auf jeden Fall bemerkt hätte.

Sein Beifahrer meinte, das Vorgefallene habe eigentlich «nicht seiner Art entsprochen», während Fahrer A zu den Vorhalten überhaupt nichts mehr sagen mochte. Dessen Beifahrer aber räumte auf die Frage Hunkelers, warum er nichts gegen das Rennen unternommen habe, wo er sich doch nach eigenen Aussagen irgendwie gefürchtet habe davor, immerhin ein: «Klar hätte ich was sagen können.» An die Unfallrisiken aber habe er eben doch nicht so gedacht.

Um Unglück herumgekommen

So weit, so gut. Nein. Staatsanwalt Marc Finger hielt fest, dass die vier nur mit Glück um grösseres Unglück herumgekommen seien; und mit ihnen auch diejenigen Personen, die dem Quartett an jenem Novembertag hätten begegnen können. Zumal sich die «Rennfahrer» bereits vor dem eigentlichen Rennen ziemlich forsch auf der Strasse bewegt hätten.

In Neuendorf hatten sie an jenem Novembertag beraten, wo das Rennen stattfinden sollte, und dislozierten dann – offenbar in halsbrecherischer Fahrt – nach Wolfwil. Eine vom Quartett beschriebene Fahrt, die den Staatsanwalt dazu veranlasste, die Beteiligten bereits für deren Verhalten im Vorfeld des eigentlichen Rennens anzuklagen: mehrfache grobe Verletzung der Verkehrsregeln sowie Fahren in fahrunfähigem Zustand (gemäss Staatsanwalt waren auch Drogen im Spiel).

Den schwerwiegendsten Vorhalt, jenen der versuchten vorsätzlichen Tötung, betraf Fahrer A. für sein Verhalten beim eigentlichen Rennen. Gemäss Anklageschrift habe er «die intensive Gefahrenlage erkannt, sie ernst genommen und sich damit abgefunden, dass seine Fahrweise mit einem hohen Mass an Wahrscheinlichkeit zu entsprechenden Folgen führen kann», so die Anklageschrift.

Harte Anträge

Finger liess bei seinen Strafanträgen ein hartes Regime herrschen: Für Fahrer A forderte er alles in allem eine siebeneinhalbjährige Freiheitsstrafe, für dessen Beifahrer 28 Monate unbedingt, für Fahrer B eine Freiheitsstrafe von 36 Monaten, davon 24 bedingt, sowie für dessen Beifahrer eine solche von 30 Monaten, davon 18 bedingt. So nebenbei: Mit Ausnahme von Fahrer B sind alle Beteiligten vorbestraft.

Der Rechtsvertreter von Fahrer A, Michel Meier, Olten, sah dies im Gegensatz zum Staatsanwalt allerdings ganz anders. Weder konnte Meier den angeblich vorgängig erfolgten Drogenkonsum des Quartetts bestätigt sehen (die Tests verliefen alle negativ), noch sah er den Tatbestand der mehrfachen groben Verletzung von Verkehrsregeln (im Falle der Fahrt Neuendorf–Wolfwil) als erfüllt an.

Vor allem aber wehrte er sich gegen den Vorhalt der versuchten vorsätzlichen Tötung. «Hypothetische Folgen sind keine Grundlagen für einen solchen Schluss», erklärte Meier dezidiert. Für ihn blieb lediglich noch der Vorhalt der groben Verkehrsregelverletzung (beim eigentlichen Rennen) übrig. Allerdings hielt er Finger auch da entgegen, es gebe für die ganze Strecke nicht eine einzige gesicherte Geschwindigkeitsreferenz. Die angeblichen mindestens 160 km/h während des Rennens zwischen Wolfwil und Fulenbach hielt er schlicht für falsch.

Meier liess es sich auch nicht nehmen, den Leitsatz der Staatsanwaltschaft, wonach das Rennen noch glimpflich verlaufen sei, umzukehren. «Auch wenn es zynisch klingen mag: Es war Pech, dass der Unfall nach dem Restaurant Bad passierte.» Er beantragte für seinen Mandanten eine bedingte Freiheitsstrafe von zehn Monaten. Die Plädoyers der drei weiteren Verteidiger erfolgen am heutigen zweiten Verhandlungstag. Mit dem Urteil wird Anfang Februar gerechnet.

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