Die diesjährige Sonnwendfeier in Oensingen lässt sich mit einem Wort zusammenfassen: «Eine Enttäuschung.» So bezeichnet Ravellenclub-Präsident Urs Ackermann das Spektakel, welches am Samstag dem schlechten Wetter unterlag. «Es war einfach Pech, dass so viele Faktoren zusammenfielen», meint auch OK-Präsident Urs Rölli. «Klar haben wir im Vorfeld mit etwas Regen gerechnet. Wir dachten aber, dass wenigstens die Sicht gut sei.»

Die Organisatoren zitterten bereits im Vorfeld um den Grossanlass und verliessen sich auf die Wetterprognosen vom Wetterdienst des Flughafens Zürich. Am Samstagmorgen fiel dann der Entscheid: «Wir ziehen das wie geplant durch.» Trotz Regen, trotz Nässe, trotz Kälte.

Das Wetter machte der Sonnwendfeier in Oensingen einen Strich durch die Rechnung

Das Wetter machte der Sonnwendfeier in Oensingen einen Strich durch die Rechnung

 

Was jedoch niemand voraussah: Das Wetter verschlechterte sich zusehends. Und weil es am Abend zusätzlich windstill war, konnten weder die tief hängenden Wolken noch der übrige Rauch des Feuerwerks abziehen. Darunter litt vor allem der westlich des Schloss Neu-Bechburg gelegene Ravellenclub (RCO), der zeitweise gänzlich hinter einer Wolke verschwand.

Ist das Feuerwerk denn auch erst einmal gestartet, sei ein Abbruch unmöglich, gar gefährlich. «Nach dem Start ist die ganze Pyrotechnik scharf», erklärt Hans Schnider, Präsident des Vogelherd-Clubs (VCO). Selbst die Pausen zwischen den verschiedenen Bildern haben wenig geholfen. Vergeblich hofften die Feuerwerkler, dass der Rauch abzieht. «Wir standen einfach da und mussten zusehen», erzählt der OK-Präsident. «Dieses Jahr haben wir wirklich sehr gelitten.»

Nur halb so viele Zuschauer

«Drei Jahre lang arbeiteten wir auf diesen Moment hin und dann das», sagt Rölli, während die Bitterkeit in seiner Stimme klar hörbar ist. Doch es liegt auch ein Funken Hoffnung darin: «Wir gehen jetzt erst einmal über die Bücher.»

Vielleicht werde die Sonnwendfeier 2021 später durchgeführt, vielleicht brauchen die Organisatoren einfach einen besseren Plan B. «Wenn wir diese Enttäuschung erst einmal verarbeitet haben, werden wir uns auf jeden Fall Gedanken dazu machen, dass wir in Zukunft nicht mehr in so eine Situation kommen», meint Rölli.

«Denn ob Samstag oder Sonntag, wir hatten die Wahl zwischen Pest oder Cholera.» Deshalb bereue Rölli den Entscheid auch nicht. «Die Leute haben sich das Feuerwerk schon lange im Vorfeld am Samstag eingeplant, am Sonntag hätten sicher noch weniger Zuschauer kommen können.»

Aber wenige Zuschauer waren es denn tatsächlich: Nur knapp 20'000 Schaulustige waren am Samstag vor Ort, um das Spektakel zu betrachten. Das sind etwa halb so viele, wie an der letzten Sonnwendfeier im Jahr 2015 mit dabei waren. «Es tut mir leid für alle, die den Weg auf sich genommen haben», sagt Rölli. «Schade, wurden sie nicht belohnt.»

Kleineres Feuerwerk möglich

Die schlechten Besucherzahlen in diesem Jahr könnten denn auch Auswirkungen auf die nächste Sonnwendfeier in drei Jahren haben. Es wird zwar eisern verschwiegen, wie viel die beiden Feuerwerke kosten, OK-Präsident Rölli verrät jedoch, dass sich alleine die organisatorischen Aufwände auf rund 80'000 Franken belaufen. «Dank unseren Sponsoren und dem Ticketverkauf, sind diese Ausgaben aber glücklicherweise gedeckt.»

Zudem habe das Organisationskomitee noch auf Reserven aus dem Jahr 2012 zurückgreifen können, als die Wetterbedingungen optimal waren und die Zuschauer grössere Einnahmen als erwartet bescherten. Für die Vereine sieht es hingegen nicht ganz so rosig aus.

Jetzt müsse man halt «ad Seck», sagt VCO-Präsident Schnider. Denn, um das Himmelsspektakel finanzieren zu können, verlassen sich die Vereine auf die Einnahmen aus anderen Anlässen wie beispielsweise dem Zibelimäret. Um die verpassten Einnahmen nun wettzumachen, müssten diese besonders gut laufen. «Es kann sein, dass das nächste Feuerwerk etwas kleiner ausfällt», überlegt Ravellenclub-Präsident Ackermann.

Auch Aufräumen nicht wie geplant

Momentan stecken die Vereine in den Aufräumarbeiten. Bis in 30 Tagen muss der Wald gesäubert sein, gibt der Kanton vor. Doch erneut spielt das Wetter nicht mit: «Der Helikopter kann bei diesem Schnee und Nebel nicht fliegen», erzählt Ackermann. Mit den grossen Arbeiten muss der RCO folglich noch abwarten, bis das Wetter bessert.

Die kleineren Arbeiten von Hand seien jedoch bereits erfolgt, sowohl vom RCO als auch vom VCO. Wenigstens diese seien problemlos verlaufen. «Und weil es so windstill war, wurde kaum Abfall in das Dorf getragen», erklärt Ackermann. Ein kleiner Trost für die enttäuschten Organisatoren.