Kantonaler Kirchentag
Reformierte feiern im Gäu: Egerkingen schlägt zum Kirchentag den Nagel ein

Der kantonale Kirchentag im Rahmen des Jubiläums «500 Jahre Reformation» findet dieses Jahr im Gäu statt.

Kelly Spielmann
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Werner Berger in der Pauluskirche Egerkingen.

Werner Berger in der Pauluskirche Egerkingen.

Bruno Kissling

«Schlag den Nagel ein!» – ebenso wie es Martin Luther im Jahr 1517 am Hauptportal zur Schlosskirche in Wittenberg mit seinen 95 Thesen tat. Dieser Grundstein der Reformation wird dieses Jahr, 500 Jahre nach dem Anschlag an der Kirchentür Luthers, schweizweit gefeiert. So auch im Kanton Solothurn. Am 20. August findet der Kirchentag der Evangelisch-Reformierten Kirche Kanton Solothurn zum Jubiläum der Reformation unter dem Motto «Schlag den Nagel ein!» in Egerkingen statt.

Doch was ist der Grund für die Wahl von Egerkingen als Standort für den kantonalen Kirchentag? «Das ist eigentlich ganz einfach», so Werner Berger vom Synodalrat der Evangelisch-Reformierten Kirche Kanton Solothurn. Bei der Standortwahl haben die guten Platzverhältnisse und auch die zentrale Lage für die Pauluskirche in Egerkingen den Ausschlag gegeben. «Der Saalbau und die Umgebung sind ideal für dieses Fest. Ausserdem ist die Kirche in Egerkingen die älteste reformierte Kirche des gesamten Kirchengebiets, sie wurde 1898 gebaut», so Berger weiter.

Geschichte der reformierten Kirche in Egerkingen

Im 16. Jahrhundert gehörte das Gäu und somit auch Egerkingen der Stadt Solothurn. 1527 nahmen einzelne Solothurner Geistliche den neuen Glauben, die Reformation, an. Kurz darauf, um die Jahreswende 1929/30, durften die Gemeinden darüber abstimmen, ob sie zum neuen Glauben, der Reformation, oder zum alten Glauben, dem Katholizismus, halten wollen. Die Gemeinden im Gäu stimmten dabei mehrheitlich für den alten Glauben, nur Oensingen schafft 1530 die Messe ab. Doch in den Gemeinden gab es Spannungen zwischen den Mehrheiten und den Minderheiten. So auch in Egerkingen: Es gab einen Streit darüber, ob der Messepriester oder der Prädikant im Pfarrhof wohnen dürfe. Die 33 Evangelischen wurden dabei von 34 Katholiken überstimmt. Daher wurden die evangelischen Gottesdienste in die kleine
St. Stephans-Kapelle zwischen Neuendorf und Egerkingen verbannt. 1534 wurde die evangelische Predigt komplett verboten. Ein Putschversuch der Reformierten scheiterte. Reformierte Prediger auf dem Land wurden danach abgesetzt und ausgewiesen. Doch die Zahl der Protestanten nahm dadurch nicht ab. Während im gesamten Gäu im Jahr 1850 nur 29 Reformierte registriert waren, gab es bis 1860 bereits deren 61. 1890 waren es in Egerkingen alleine 60 Reformierte. 1891 gelang es dem reformierten Oltner Pfarrer Geyer, in Egerkingen ein Gottesdienstlokal zu mieten. Am Pfingstfest des selben Jahres konnte der erste reformierte Gottesdienst in Egerkingen abgehalten werden. Pfarrer Geyer wurde zum Präsidenten des gleichzeitig gegründeten Vereins von Protestanten im Gäu. Mithilfe des protestantisch-kirchlichen Hilfsvereins Basel kam es 1893 zur Gründung der Kirchgemeinde Balsthal-Thal-Gäu mit den Mittelpunkten Balsthal und Egerkingen. 1898 erstellte die Patronatsgemeinde Basel dann die erste reformierte Kirche in Egerkingen. (KSP)

Rund 400 Gäste werden erwartet

Am Kirchentag soll jedoch nicht nur die älteste Kirche, sondern auch das Programm die Gäste überzeugen. Der Tag wird um 10 Uhr mit einem Festgottesdienst beginnen, gleichzeitig findet für die Kleinen der Kindergottesdienst statt. Anschliessend gibt es um 12 Uhr einen Apéro mit Festakt, bevor um 15.30 Uhr die Talentbühne beginnt. Während des gesamten Tags gibt es Verpflegung, Kinderunterhaltung und eine Wanderausstellung. Beim Programm sollte also für jeden Gast etwas dabei sein. Auch soll das Motto vor Ort symbolisch umgesetzt werden. «Wir haben vor, eine alte Holztür zu besorgen, um die Gäste dort ihre Thesen mit Nägeln einschlagen zu lassen, wie Luther es vor 500 Jahren getan hat», erklärt Werner Berger.

Um das Jubiläum am 20. August mit einer grossen Anzahl Gäste feiern zu können, wird das Fest bereits jetzt beworben. In den Kirchgemeinden werden entsprechende Flyer zum Anlass verteilt. An diesem Sonntag und Tag des Fests werden im gesamten Kirchengebiet kaum weitere Gottesdienste abgehalten, insbesondere in der Region Olten-Niederamt und im Thal-Gäu. Ziel ist, möglichst viele Kirchengänger nach Egerkingen zu locken, um das Jubiläum gemeinsam beim Festgottesdienst und den anschliessenden Aktivitäten feiern zu können. Der Synodalrat rechnet mit rund 300 bis 400 Besuchern aus dem gesamten Einzugsgebiet der Kantonalkirche.

Unterstützung der Gemeinde

Die Pläne der Evangelisch-Reformierten Kirche Kanton Solothurn sind also grosse. Obwohl die Räumlichkeiten der Pauluskirche in Egerkingen kostenlos zur Verfügung gestellt werden, muss der Synodalrat mit hohen Ausgaben rechnen. Wie hoch, ist noch nicht bekannt. «Die Einwohnergemeinde Egerkingen hat uns einen Beitrag zur Unterstützung zugesichert», erklärt Berger. «Auch dank dieser Unterstützung ist es möglich, dass die Evangelisch-Reformierte Kirche Solothurn die Gäste einladen kann.» Denn: Für die Besucher sind das Fest sowie die Verpflegung gratis.

Als weiterer Anlass und zugleich als Abschluss des Reformationsjubiläums findet am 31. Oktober 2017 der Schlussgottesdienst in der Friedenskirche in Olten statt.