Kantonsrätin Rosmarie Heiniger (FDP), Gänsbrunnen, richtete vor wenigen Wochen eine kleine Anfrage an den Regierungsrat des Kantons Solothurn. Sie wollte Auskunft darüber, wie weit sich die Post, insbesondere in den Aussengebieten eines Dorfes verpflichtet fühlt, den Service public zu wahren. «Was unternimmt der Regierungsrat, um die Grundversorgung der Bürger zu gewährleisten?»

Insbesondere geht es Heiniger um die Frage, ob die Ausübung eines öffentlichen Amtes, beispielsweise einer Schriftenkontrolle, oder die Führung einer öffentlichen Institution nicht stärker gewichtet werden soll, als die Einhaltung des Artikels 31 der Postverordnung (s. Spalte ganz rechts).

Post holen an zentraler Stelle

Dass Gänsbrunnen noch eine eigene Poststelle hatte, ist lange her. Die Gänsbrunner Post wurde lange ab der Poststelle Welschenrohr ausgeliefert. Heute besteht ein Hausservice für Gänsbrunnen. Grössere Pakete oder eingeschriebene Briefe müssen in der Regel im 4,7 km entfernten Welschenrohr geholt werden. Nun soll aber der – in der Zwischenzeit beliebte – Service-Dienst, bei dem ein Postbote an die Tür kommt, weiter eingeschränkt werden. «Die Bewohner sollen ihre Post immer öfter an einem zentralen Ort im Dorf abholen, wo diese deponiert wird», berichtet Heiniger. 

Von dieser Verordnung, die 2012 in Kraft gesetzt wurde, ist auch der Hof Montpelon der Familie Lanz betroffen, der nochmals 1,8 km vom Dorfmittelpunkt von Gänsbrunnen entfernt liegt. Es betrifft nun also ausgerechnet Elsbeth Lanz, die das Steuerregister und die Schriftenkontrolle von Gänsbrunnen führt. Ernst und Elsbeth Lanz bekommen zudem als Landwirte und Gastrounternehmer täglich viel Post, und verschicken auch einiges.

Deshalb wehren sie sich vehement gegen die geplante Post-Sparmassnahme. Elsbeth Lanz erzählt: «Unser neuer Mieter bekam beim Melden seiner Adresse die Mitteilung, dass ihm ab sofort seine Post nicht mehr gebracht würde. Das brachte die Postverantwortlichen darauf, auch unsere Post nicht mehr auf den Montpelon zu bringen.»

Man teilte Familie Lanz mit, dass sie wahlweise im Dorf eine Ablagestelle beim alten Schulhaus (mit Schlüssel) oder ein Postfach in Welschenrohr mieten könne. Auf keine der beide Varianten will das Ehepaar Lanz eingehen. «Es kann doch nicht sein, dass wir, die abgelegen wohnen, sämtliche Sparanstrengungen des Uvek ausbaden müssen. Unsere Kosten, die entstehen, wenn wir unsere Post holen müssen, ersetzt uns niemand. Oder gibt es eine Steuererleichterung dafür?»

Elsbeth Lanz betont, dass nicht nur der Montpelon, sondern bereits schon andere Betriebe im weitverzweigten Thal von diesem Abbau betroffen seien. «Wir sind aber nun die Ersten, die sich wehren.» Mit einem Brief an sämtliche Solothurner Parlamentarier hat das Ehepaar Lanz auf das Problem hingewiesen und sie aufgefordert, im Parlament die Sache anzugehen. «Noch haben wir keine Reaktionen bekommen. Nur Kurt Fluri hat den Erhalt des Briefes bestätigt.» 

Inzwischen wurde durch die Gemeinde Gänsbrunnen und das Ehepaar Lanz auch ein Anwalt beauftragt, bei der Ombudsstelle des Bundes für Postfragen, der Postcom, Beschwerde gegen das Vorgehen einzureichen.

Entscheidung heute Abend

Doch nicht nur in Gänsbrunnen werden Post-Dienstleistungen abgebaut. Heute Abend soll der Welschenrohrer Gemeinderat von den Post-Verantwortlichen darüber informiert werden, ob die Poststelle im Dorf erhalten bleibt, oder ob eine Agentur-Lösung geboten wird.

Gemeindepräsident Stefan Schneider: «Es wäre schon gut, die Poststelle bliebe wie bisher, sodass alle Postgeschäfte im Dorf noch möglich sind. Ein Problem für uns wäre auch die grosse Post-Liegenschaft mitten im Dorf. Man sieht am Beispiel Laupersdorf, wo die Post auch geschlossen wurde, wie es gehen kann. Diese Liegenschaft mitten im Dorf steht schon längere Zeit leer.»

Abbau beim Service public

Rosmarie Heiniger ist Realpolitikerin genug, um zu wissen, dass dem Anliegen von Gänsbrunnen nur schwer stattgegeben wird. Ihr wäre der Erhalt des Weissensteintunnels das noch viel grössere Anliegen für die Gemeinde.

Elsbeth Lanz sieht noch einen anderen regionalpolitischen Aspekt, für den sie die Politiker mit ihrem Schreiben sensibilisieren will. «Es kann doch nicht sein, dass der Bund auf unsere Kosten Service-public-Abbau betreibt und auf der anderen Seite eine zu Tode gesparte Randregion mit teuren Regionalförderungsprogrammen wieder am Leben zu erhalten sucht.»

Im Thal sieht die Post-Situation folgendermassen aus: Poststelle: Balsthal, Matzendorf, Welschenrohr (noch), Mümliswil. Postagentur: Laupersdorf, Aedermannsdorf. Hausservice: Herbetswil, Gänsbrunnen, Ramiswil, Holderbank.