Das Jahr 2005 war ein wichtiger Meilenstein in der Geschichte der Einwohnergemeinde Egerkingen. Damals erfolgte die Einweihung des neuen Gemeindehauses an der Bahnhofstrasse 22, in welchem die Gemeindeverwaltung erstmals über eigene Räume verfügte.

Vorher musste sich die Verwaltung über drei Jahrzehnte (1973 bis 2004) lang mit Mietwohnungen an der Einschlagstrasse begnügen. Zuletzt hatte Einwohnergemeinde in einem Mehrfamilienhaus insgesamt vier Mietwohnungen belegt, wie sich der damalige Gemeindeschreiber Jules Bättig erinnert.

Neues Kapo-Büro löste Engpass aus

Nun stösst die Einwohnergemeinde bezüglich der Platzverhältnisse auch im inzwischen 13 Jahre alten Gemeindehaus an ihre Grenzen. Ausgelöst wurde der räumliche Engpass durch die Reorganisation der ebenfalls im Gemeindehaus untergebrachten Kantonspolizei. Mit der damit einhergehenden Ansiedlung eines Regionalchefs in Egerkingen wurde ein zusätzliches Büro benötigt.

Die Gemeinde bot dafür Hand und stellte der Kapo einen bis anhin von der Elektrizitätsversorgung Egerkingen (EVE) genutzten Büroraum im Oberschoss des Gemeindehauses zur Verfügung. Das Büro der EVE wurde in das von der Bauverwaltung genutzte Sitzungszimmer im Erdgeschoss verlegt.

Damit verschärfte sich sie die Raumnot in der Bauverwaltung, die 2017 aufgrund der regen Bautätigkeit im Dorf um 55 auf 180 Stellenprozente aufgestockt worden war. Um weitere 15 Stellenprozente angehoben wurde damals auch die Verwaltung, welche seither inklusive der Bauverwaltung über 1415 Stellenprozente verfügt.

Um dieser Situation zu begegnen, erteilte der Gemeinderat im Juli 2017 den Auftrag für die Ausarbeitung eines Vorprojektes für einen allfälligen Erweiterungsbau an das Gemeindehaus. Als Ziel definiert wurde ein Anbau nach Osten gegen die Bahnhofstrasse, um im Erdgeschoss zusätzlichen Platz für die Verwaltung und im Obergeschoss für die Polizei zu schaffen.

Vorhandenes Raumpotenzial nutzen

Inzwischen wurden dem Gemeinderat drei mögliche Varianten für einen Erweiterungsbau am Gemeindehaus mit geschätzten Kosten von 560'000 Franken vorgelegt. Allerdings konnte sich der Rat für keine der drei Varianten durchringen. Den Ausschlag dafür gaben Signale der Kantonspolizei, welche hatte durchblicken lassen, dass die aktuellen Raumverhältnisse für den Betrieb des Polizeipostens zwar knapp aber ausreichend seien. Diese Informationen haben sich inzwischen bestätigt, wie Gemeindepräsidentin Johanna Bartholdi erwähnt.

Unter Berücksichtigung der Situation und mit Blick auf die Kosten für den Erweiterungsbau, beschloss der Gemeinderat wie bereits bei der Schulraumplanung, vor der Inangriffnahme eines Anbaus das vorhandene gemeindeeigene Raumpotenzial auszuschöpfen. Gelöst werden soll das dringliche Raumproblem der Bauverwaltung mit dem Umzug von Arbeitsplätzen in die benachbarte Alte Mühle. Dafür eignen würden sich die praktisch nicht genutzte Müllerstube im Erdgeschoss, die Ratsstube sowie die Dachgeschosse.

Mittelfristig eine gute Lösung

Der Verzicht auf den Erweiterungsbau sei keine Notlösung mit kurzfristiger Wirkung, meinte Gemeindepräsidentin Johanna Bartholdi auf den Entscheid des Gemeinderates angesprochen. «Wir gehen davon aus, dass die Platzprobleme auf der Gemeindeverwaltung damit mittelfristig zufriedenstellend bewältigt werden können.» Und wenn die aktuell immer noch sehr hohe Bautätigkeit im Dorf abnehme – womit zu rechnen sei – nehme auch der Arbeitsaufwand für die Bauverwaltung ab, zeigt sich Bartholdi überzeugt.

Wie die Räume in der Alten Mühle am sinnvollsten in Büros umgenutzt werden könnten und welche Kosten dies verursachen würde, soll nun die Verwaltung mit der Erarbeitung eines Konzeptes zuhanden des Gemeinderates aufzeigen. Mit einbezogen werden soll auch kantonale Denkmalpflege, um bei allfälligen Anpassung der Räume deren Vorgaben einhalten zu können.

Wann die Arbeiten in der Alten Mühlen aufgenommen werden, sei noch offen, erklärt die Gemeindepräsidentin. Zuerst müsse das Kostendach vorliegen. Eine Sichtung der Offerten sei für die kommende Gemeinderatssitzung vom 28. Februar geplant, so Bartholdi.