«Ich bin froh, arbeite ich wieder. Da kann ich mich erholen», lacht Herbert Brunner. Bei der Arbeit erholen – ein Widerspruch. Doch die wenigsten haben wohl das durchgemacht, was Brunner Anfang Januar erlebte. Er fuhr durch die Wüste, legte dabei rund 6500 Kilometer in 14 Etappen auf zwei Rädern zurück und besuchte dabei vier Länder: Er fuhr am «Africa Eco Race» von Monaco nach Dakar.

Luxus ohne Luxus

«Gut Ding will Weile haben» – wenn einer weiss, was das heisst, ist das Herbert Brunner. Nach 32 Jahren ging sein grosser Traum mit dieser Rallye in Erfüllung (wir berichteten). Nach intensiven Vorbereitungen durch Training und Qualifikation mussten auch Sponsoren gefunden werden: Rund 45 000 Franken kostete der Anlass. «Und das ohne jeglichen Luxus», ergänzt Brunner trocken. Im Sommer begann er mit der Sponsorensuche. Kurzerhand entschied sich seine Frau Sandra dazu, «Hebu» auf diesem Abenteuer zu begleiten. Mit einem schwer beladenen Bus ging es kurz nach Weihnachten los nach Menton, Südfrankreich.

Herbert Brunner am «Africa Eco Race»mit seiner Frau Sandra.

Herbert Brunner am «Africa Eco Race»mit seiner Frau Sandra.

Die erste Etappe startete an Silvester in Monte Carlo mit Ziel Sète und führte über die Autobahn. Das war schon für manche die erste Hürde. «Der Australier hatte doch keine Euro dabei», erzählt Brunner: «Doch da hilft man sich aus.» In Sète angekommen, musste sogleich der Rallye-Konvoi mit Motorrädern, Autos und LKW eingeschifft werden. So feierte das Ehepaar Brunner Neujahr irgendwo auf dem Mittelmeer. 36 Stunden später war es frühmorgens schon hektisch, da nur wenig später der Start der zweiten Etappe in Nador war. Die Überführung (Strassenroute) brachte die Fahrer übers 2000 Meter hohe verschneite Atlasgebirge. Tagsüber herrschten in der Wüste über 30 Grad Celsius, nachts lagen sie unter dem Gefrierpunkt. Übernachtet hat das Ehepaar in einem Zelt. Nebst den Temperaturen hatten sie noch mit anderen Widrigkeiten zu kämpfen. «Das Zelt war am Morgen manchmal gefroren. Wirklich viel schlafen konnte man nicht, da die Serviceteams die ganze Nacht an den Fahrzeugen arbeiteten», erzählt Brunner. Und auch das Warmwasser zum Duschen sei bald ausgegangen.

Schmerzen wie Feuer

Doch auch auf der Rallye-Strecke hatte Brunner mit Problemen zu kämpfen. Die dritte Etappe nach Tagounite führte über Dünen und Felsen. Hier bemerkte er, dass sein Motor Öl verlor: «Das darf doch nicht wahr sein!» – zum Glück war der Verlust gering. Mehrere Abende nacheinander versuchte das Serviceteam, das Leck zu beheben – erfolglos –, bis sich Brunner an einen früheren Fall erinnerte und das Problem löste. Doch wurde nicht nur das Motorrad strapaziert, sondern auch «Hebu»: «Da man viel stehend fährt, schmerzte mich bald der Rücken, es brannte richtig. In den Händen fühlte ich nichts mehr.»

Abends im Biwak habe er seine Hände bewegen müssen, um das Gefühl zurückzugewinnen. «Man muss versuchen, den Schmerz auszublenden», erklärt Brunner. Was wichtig gewesen sei für ihn, die Etappe isoliert zu betrachten und nicht an die folgenden zu denken. «Ansonsten dreht man durch», weiss der Rallye-Fahrer. «Mehrere Male mussten wir morgens im Dunkeln los und kamen abends im Dunkeln ins Ziel», erklärt Brunner. Die Etappen sind zwischen 300 und 750 km lang, wobei man nicht immer Vollgas fahren kann, etwa in den Dünen, wo man gerne mal steckenblieb. Die einzige Pause, die sich die Fahrer gönnten, waren zehn Minuten während des Tankstopps.

Abgesehen davon: Brunner brachte die Rallye gut über die Runden: «Ich bin nur zwei- bis dreimal gestürzt.» Gegen Ende seien Tempo und Rang sekundär geworden. «Mein Ziel war einfach ankommen, das war mir wichtiger», erläutert der Hönger. Schliesslich seien noch am letzten Tag Fahrer ausgeschieden. Er habe Fahrer kennen gelernt, die bereits zum vierten Mal an der Rallye waren und es erst dieses Mal ins Ziel am Lac Rose, nahe Dakar, schafften. Angesichts dessen war «Hebu» noch zufriedener mit seinem Gelingen. Als er dann das lang ersehnte Ziel am Lac Rose erblickte, überwältigten ihn seine Emotionen. «Am Ziel regnete es – allerdings im Helm», gibt er lachend zu.

Für jene, die mehr erfahren möchten, wird Brunner im Verlauf des Frühlings einen Vortrag zusammenstellen.