Die Zeiten, als es noch praktisch in sämtlichen Gemeinden eine Bank gab, sind längst vorbei. Erfahren haben dies auch die Gemeinden Neuendorf und Härkingen, wo die Raiffeisenbank Gäu-Bipperamt per Ende 2015 ihre Geschäftsstellen schloss.

Begründet wurde dieser Schritt mit den veränderten Kundenbedürfnissen sowie dem sich ebenfalls stark im Wandel begriffenen Bankenumfeld. Dies, und die Ankündigung von Raiffeisen Schweiz, in den kommenden Jahren knapp ein Fünftel der rund 1000 Raiffeisen-Geschäftsstellen zu schliessen, löste in der Bevölkerung Unsicherheit aus.

Auf Fragen der Kunden reagiert

Offenbar auch bei Kunden der Raiffeisenbank Gäu-Bipperamt, die sich jüngst dazu veranlasst sah, sich schriftlich an die Kundschaft zu wenden. In ihrem Schreiben stellte die Bankleitung klar, dass bei der Raiffeisenbank Gäu-Bipperamt, mit Hauptsitz in Egerkingen und Geschäftsstellen in Niederbuchsiten, Oberbuchsiten, Oensingen und Wiedlisbach, derzeit keine weiteren Veränderungen geplant sind.

Vielmehr werde der Hauptsitz in Egerkingen gestärkt. «Unser Schreiben war eine Reaktion auf die von unseren Kunden oft gestellte Frage, wie es denn mit unserer Bank weiter geht», sagt Andreas Furrer, Vorsitzender der Bankleitung. «Gespräche mit möglichen Partnerbanken gibt es aktuell keine», versichert Furrer.

Dass die Ankündigung der Raiffeisenbank Gäu-Bipperamt kein leeres Versprechen ist, macht ein Baugesuch deutlich, welches die Bank für ihren Hauptsitz am Kornhausplatz 2 in Egerkingen eingereicht hat. Die grösste Änderung erfährt gemäss den aufliegenden Plänen der Kundenbereich im Erdgeschoss.

Diese Fläche wird vollständig neu gestaltet. Auf der ellipsenförmigen Fläche nimmt die neu sogenannte 24-Stunden-Zone am meisten Platz ein. In dieser Zone können Kunden in einem geschützten Raum ihre Geschäfte am Bancomat erledigen. Dort sollen künftig rund um die Uhr Ein- und Auszahlungen getätigt werden können.

Ob in dieser Zone ein oder zwei Bancomaten platziert werden, ist noch nicht entschieden, wie Furrer erklärt. Der sehr stark frequentierte Bancomat im Aussenbereich wird aber an seinem Platz verbleiben.

Zu wenig Beratungsräume

Hinter der 24-Stunden-Zone ist eine offen Beratungszone als Anlaufstelle für die Kundschaft geplant, über seitlich angeordnete Gänge erfolgt der Zugang zu den weiteren Räumen auf diesem Geschoss. Die kundenfreundliche Gestaltung der Bank sei nur ein Aspekt, den die Bankleitung mit dem rund 1 Mio. Franken teuren Ausbauprojekt verfolge, wie Furrer erwähnt. Von grosser Bedeutung seien vor allem die neuen Beratungsräume.

Davon gibt es aktuell nur deren zwei, was nicht ausreiche, weil die Beratung der Kundschaft im Bankengeschäft immer mehr Raum einnehme. Mit der Schliessung der Geschäftsstellen in Neuendorf und Härkingen habe diese Zunahme von Beratungsgesprächen aber nichts zu tun. Wichtige Gespräche mit Kunden aus den erwähnten Gemeinden seien schon vorher fast ausschliesslich in Egerkingen geführt worden, bemerkt Furrer.

Das von den Hammer Architekten AG ausgearbeitete Projekt sieht die Schaffung von vier Räumen für die Beratung vor. Erreicht wurde dies in den auf zwei Etagen befindlichen Räumen mit der Auslagerung des Pausen- und Aufenthaltsraums.Dieser wird im Erdgeschoss in den südlich angegliederten Raum verlegt, wo sich vormals ein Ausstellungsraum befand.Damit kann die Bruttogeschossfläche um rund 40 Prozent auf total 480 m2 erhöht werden. Im Obergeschoss stehen weitere 340 m2 nutzbare Fläche zur Verfügung.

Umsetzung bis Ende August

Furrer hofft auf eine Umsetzung des Projekts bis Ende August. Der Bankbetrieb wird während der Bauarbeiten mit einem Provisorium aufrechterhalten. Danach sei die Bank gut aufgestellt, um den künftigen Herausforderungen erfolgreich zu begegnen, so Furrer.

Der Raiffeisenbank Gäu-Bipperamt gehören 10 880 Genossenschafter an. Die Bilanzsumme betrug per Ende 2016 rund 952 Mio. Franken. Im Hauptsitz in Egerkingen sind 45 Mitarbeitende tätig, verteilt auf 35,3 Personeneinheiten.