Oensingen/Deutschland
Puma verlagert Aktivitäten von Oensingen an Hauptsitz - über 80 Stellen fallen weg

Im Zuge der Optimierung seiner Organisation wird der deutsche Sportartikelhersteller Puma einen grossen Teil seiner Aktivitäten von Oensingen an den deutschen Hauptsitz verlegen. Für Oensingen bedeutet das den Verlust von mindestens 80 Stellen.

Franz Schaible
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Ab Herbst 2014 wird in der spektakulären Puma-Liegenschaft wahrscheinlich nur noch der Outlet-Laden einquartiert sein.

Ab Herbst 2014 wird in der spektakulären Puma-Liegenschaft wahrscheinlich nur noch der Outlet-Laden einquartiert sein.

Bruno Kissling

Die kursierenden Gerüchte bewahrheiten sich: Der deutsche Sportartikelhersteller Puma verlagert einen Grossteil seiner Aktivitäten von Oensingen an den Hauptsitz im deutschen Herzogenaurach. Dies bestätigt auf Anfrage Ulf Santjer, Sprecher der Puma-Gruppe. Oensingen droht der Verlust von gegen 100 Arbeitsplätzen.

Puma arbeite «weiter an der Optimierung seiner Organisation, Prozesse und Strukturen weltweit», sagt Santjer (siehe Kasten). Ein Ziel dieser Restrukturierung sei es, die Leitung des globalen und europaweiten Einzelhandels- sowie des europäischen E-Commerce-Geschäfts unter einem Dach in Herzogenaurach zu bündeln.

Sie sollen mit den bereits dort angesiedelten globalen und regionalen Grosshandels- und Merchandisingfunktionen zusammengeführt werden. «Mit kurzen Entscheidungswegen und der engen Zusammenarbeit in der Firmenzentrale wollen wir Synergien erzielen.»

Gewaltiges Sparprogramm

Puma, der weltweit drittgrösste Sportartikelhersteller, hat sich ein gewaltiges «Transformations- und Kostensenkungsprogramm» auferlegt. Den Grund nannte CEO Björn Gulden kürzlich an der Bilanzmedienkonferenz in Herzogenaurach. «Pumas Markenbegehrtheit muss gesteigert, die Absatzprobleme behoben und die Vertriebswege müssen verbessert werden.» Das mehrheitlich dem französischen Luxuskonzern Kering gehörende Unternehmen mit 11 000 Mitarbeitenden musste 2013 einen Umsatzrückgang um 8,7 Prozent auf 2,98 Milliarden Euro hinnehmen. Das erwähnte «Sparprogramm» führte zu Sondereffekten und unter dem Strich resultierte noch ein magerer Gewinn von 5,3 Millionen Euro nach 70,2 Millionen Euro im Vorjahr. Im Zuge des Programms wurde das operative Geschäft in Europa konzentriert und sechs Warenlager geschlossen. Zudem schliesst Puma bis Ende 2014 weltweit 91 «Puma-Stores». In Vietnam wurde ein Entwicklungszentrum geschlossen und Produktmanagementfunktionen aus London nach Herzogenaurach verlegt. Und jetzt folgt eben die Verlagerung der meisten Aktivitäten von Oensingen an den Hauptsitz. Dort gründete Ruedi Dassler 1948 Puma. Sein Bruder Adi Dassler legte ebenfalls in Herzogenaurach den Grundstein für Adidas. Heute ist Puma umsatzmässig hinter den beiden Giganten platziert: Nike erzielt einen Umsatz von fast 20 Milliarden Euro und Adidas bringt es auf 15 Milliarden Euro. (FS)

Fast alles geht nach Deutschland

Die im schönsten Managerdeutsch begründete Verlagerung hat schlimme Folgen für den Wirtschaftsstandort Oensingen. Insgesamt beschäftigt Puma in Oensingen (ohne Outlet) 96 Mitarbeitende, wie Ulf Santjer erklärt.

Davon arbeiten 70 Angestellte im Retailbereich, der eben auf den 1. Oktober hin nach Deutschland verlegt werden soll. 26 Beschäftigte sind in der bisherigen Puma Schweiz AG tätig, welche im Verkauf, Vertrieb, Marketing, IT, Personal, usw. für den Schweizer Markt aktiv ist.

Diese wird - mit Ausnahme des Verkaufs - in die neu geschaffene Länderorganisation DACH (Deutschland, Österreich und Schweiz) mit Sitz ebenfalls in Herzogenaurach eingegliedert. «In der Schweiz wird es künftig nur noch ein Vertriebsbüro mit rund 15 Aussendienst-Mitarbeitenden geben», sagt Santjer. Ob dieses Büro aber in Oensingen bleibt, sei noch offen.

Bislang habe man zehn Mitarbeitenden gekündigt, weil es deren Funktionen nicht mehr geben werde. Wie viele es letztlich sein werden, ist unklar. «Wir haben allen anderen Mitarbeitenden ein Weiterbeschäftigungsangebot unterbreitet.

Die Gespräche sind am Laufen.» Den dabei angebotenen Arbeits- und Wohnortswechsel werden wohl kaum viele in Betracht ziehen, liegt Herzogenaurach bei Nürnberg doch über 500 Kilometer entfernt von Oensingen.

Falls also das erwähnte Vertriebsbüro mit den 15 Verkäufern in Oensingen verbleibt, verliert das Gäuer Zentrum 81 Arbeitsplätze, wenn nicht, werden es deren 96 sein. Von der Standortverlegung nicht betroffen seien die rund 40 Mitarbeitenden in den vier Schweizer Puma-Stores respektive Outlets in Oensingen, in Landquart, in Mendrisio und in Aubonne.

Gemeindepräsident nicht informiert

«Überrascht» auf die Hiobsbotschaft reagiert Markus Flury, Gemeindepräsident von Oensingen. Kein Wunder, wurde er über die Verlagerungspläne von Puma nicht informiert. Falls dies wirklich zutreffe, sei das «sehr bedauerlich, denn mit Puma geht ein für Oensingen wichtiger Arbeitgeber verloren». Mit der weitherum sichtbaren Präsenz der Weltmarke an der Autobahn A1 sei auch ein gewisser Werbeeffekt für «seine» Gemeinde verbunden gewesen.

Nicht überrascht vom Puma-Entscheid ist dagegen Jonas Motschi, Chef des kantonalen Amtes für Wirtschaft und Arbeit (AWA). «Wir wurden im Zusammenhang mit dem gesetzlich vorgeschriebenen Konsultationsverfahren informiert.»

Trotz «intensiver Verhandlungen» mit den Arbeitnehmervertretern werde der Verlegungsentscheid nun umgesetzt. «Der Stellenabbau ist ein herber Verlust.» Zudem verliere Solothurn als Standortkanton mit der Weltfirma Puma «eine gute Referenz». Das Amt werde nun für die Betroffenen einen Informationsanlass durchführen und individuelle Beratungen anbieten.

Wirtschaftsförderung «eng begleitet»

Für den Kanton Solothurn ist der Entscheid von Puma umso enttäuschender, als die Ansiedlung des Sportartikelherstellers in Oensingen, so Motschi, «von der Wirtschaftsförderung eng begleitet wurde».

Dabei habe man auch Zugeständnisse gemacht; welcher Art und ob es noch Nachforderungen gebe, wollte der AWA-Chef aber nicht sagen. Puma zügelte erst Ende 2005 von Lengnau nach Oensingen in den Neubau.

Puma liess sich nach damaligen Angaben den Bau rund 16 Millionen Franken kosten. Was damit nach dem Auszug passiert, ist offen. «Eine Entscheidung über die Verwendung der Puma eigenen Immobilie wurde noch nicht getroffen», meldet Ulf Santjer. Motschi jedenfalls hat keine Angst, dass die Liegenschaft lange leerstehen werde. Der moderne Bau befinde sich in einer Top-Lage.