Balsthal
Profi-Züchter aufgeflogen: Deshalb ist Indoor-Hanf so profitabel

Die Polizei hat in einer Balsthaler Industriehalle mehr als 2300 Hanfpflanzen beschlagnahmt. Damit wurde ein Geschäft von mehreren 100000 Franken oder sogar höher vereitelt. Deshalb sind Indoor-Anlagen so profitabel.

Sven Altermatt
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2300 Hanfpflanzen fand die Kantonspolizei in dieser Anlage in Balsthal.

2300 Hanfpflanzen fand die Kantonspolizei in dieser Anlage in Balsthal.

Kapo SO

Lüftungsrohre, so dick wie in einem Chemielabor, dazu Lampen, stark genug für ein riesiges Gewächshaus, und ein Bewässerungssystem: In Balsthal ist eine Industriehalle zu einer regelrechten Hanf-Grossplantage umgebaut worden. 2300 Hanfpflanzen, alle noch in der Wachstumsphase, hat die Solothurner Kantonspolizei beschlagnahmt.

Es geht um viel Geld: Mit den sichergestellten Pflanzen hätten Betäubungsmittel mit einem Verkaufswert von mehreren 100'000 Franken hergestellt werden können, so Polizeisprecher Bruno Gribi. «Wenn in dieser Anlage mehrmals hätte geerntet werden können, wäre der Verkaufswert unter Umständen noch viel höher. Je nach Qualität und Verkaufsart der hergestellten Betäubungsmittel womöglich im Bereich der Millionengrenze.» Doch für die Betreiber der Anlage hat sich das Geschäft mit dem illegalen Hanfanbau nicht gelohnt. Ihre Anlage ist aufgeflogen, Pflanzen und Investitionen sind futsch. Dafür drohen jetzt rechtliche Konsequenzen.

Die Plantage wurde bereits Anfang Februar ausgehoben. Nach Angaben der Polizei sind die Pflanzen vernichtet worden. Man müsse von einem gewerbsmässigen Anbau ausgehen, sagt Sprecher Gribi. Klar ist: Ein 39-jähriger Slowene ist im Zuge der Ermittlungen verhaftet worden und sitzt nun in Untersuchungshaft. Was der Mann mit der Anlage zu tun hatte, will die Polizei nicht mitteilen. Unklar ist auch, ob weitere Personen beteiligt waren. Gribi: «Die Ermittlungen sind noch nicht abgeschlossen.» Ihren Fahndungserfolg hat die Polizei unter anderem auch Hinweisen zu verdanken. Diese werden jedoch nicht näher ausgeführt.

Outdooranbau ist out

Es wäre mehr als untertrieben, im aktuellen Fall von einem alltäglichen Fund zu sprechen. Denn die Hanfanlagen, die von der Kantonspolizei in den vergangenen Jahren entdeckt wurden, waren meist bedeutend kleiner. Zuletzt sorgte ein Fall aus Laupersdorf für Schlagzeilen: Im April 2014 entdeckte die Polizei auf einem Bauernhof eine Anlage mit 1000 Hanfpflanzen. Von Fachleuten wird der Handel in Kategorien unterteilt: Kleinanlagen mit bis zu 100 Pflanzen, Grossanlagen mit bis zu 1000 Pflanzen und Profianlagen mit mehr als 1000 Pflanzen. Ausgehoben werden in der Schweiz vor allem kleine Anlagen. Immer öfter finden die Ermittler aber auch grosse Hallen mit Tausenden Pflanzen. An Bedeutung verloren hat draussen angepflanztes Hanf, wie Bruno Gribi von der Kantonspolizei bestätigt.

In Feldern oder auch an Waldrändern versteckt, werden Anlagen oft leicht entdeckt. Der Gehalt des Rausch-Wirkstoffes THC ist viel tiefer als beim Indooranbau, und oft macht das Wetter einen Strich durch die Rechnung. Eine Rolle spielt auch die Wirtschaftlichkeit: Obwohl die Produktion aufwendiger ist, seien Indooranlagen heute deutlich profitabler als Outdooranlagen, heisst es bei der Schweizer Hanfkoordination. Der Erlös aus dem Hanfanbau hängt mit der Art des Verkaufs zusammen.

Im Grosshandel werden fünf bis acht Franken pro Gramm bezahlt. Derweil zahlen Konsumenten «auf der Gasse» zwischen acht und zehn Franken pro Gramm.