Oftmals wird der Biber als Plage angesehen. Er würde Bäume fällen, damit die Flüsse stauen und landwirtschaftlichen Boden überfluten. Doch das Nagetier bringt auch gewisse Vorteile mit sich. So liegt es in der Natur des Bibers, Gewässer lebendiger zu gestalten und weitere Lebensräume für andere Tierarten zu schaffen. Pro Natura macht deshalb den Weg für den Nager in der Dünnern frei. Denn bisher kommt die Art dort nicht vor, weil Wanderhindernisse seine Einwanderung verhinderten.

Im Rahmen der Pro Natura-Aktion «Biber & Co.» wurden bei Olten und Oensingen Bibertreppen gebaut. Die zwei Treppen in Olten wurden bereits im Jahr 2016 aus diversen Metall- und Holzelementen gebaut. Die Bibertreppe in Oensingen wurde erst letzten Monat fertiggestellt und besteht hauptsächlich aus einem Metallgerüst, fabriziert von einem Metallbauer.

Beide Treppen sind rund 30 Zentimeter breit und haben eine Länge von gut 5 Metern. Die Nager in Olten nutzen die Hilfe zur Überwindung von Hindernissen bereits rege, wie Fotofallen zeigten.

Biber schafft Lebensräume

«Schätzungen zufolge bewegt sich der Biberbestand im Kanton Solothurn zwischen 200 und 300 Exemplaren», erzählt David Gerke, Projektleiter bei der «Aktion Biber & Co.». Der Biber besiedle hauptsächlich die Aare und diverse Seitengewässer. Zwar wurden auch schon Tiere im Einzugsgebiet der Dünnern festgestellt.

Sie konnten sich jedoch bisher nicht dauerhaft etablieren. «Eigentlich eignen sich die Dünnern und einige Seitengewässer gut als Lebensraum für den grossen Nager», erklärt Gerke. Denn die Dünnern habe dauerhaft Wasser, einen tiefen Wasserstand und hohe Vegetation.

Ausserdem bestehe kaum Konfliktpotenzial, denn der Nager habe genügend Spielraum, um das Gewässer zu stauen, ohne naheliegendes Land zu überfluten. «Hohe Schwellen in der Dünnern bei Olten und oberhalb von Oensingen verhinderten aber bislang die Einwanderung», sagt Gerke.

Die Nager nutzen die Treppe in Olten bereits rege.

Die Nager nutzen die Treppe in Olten bereits rege.

In Oensingen wäre eine Überwindung zwar möglich gewesen, die Tiere hätten dafür aber eine Schnellstrasse überqueren müssen. Mittels Treppen sei die Überwindung nun sicherer und die einheimische Art könne seinen natürlichen Lebensraum besiedeln.

Der Biber ist in der Natur eine sogenannte Schirmart. Wo er vorkommt, können sich weitere Tier- und Pflanzenarten ansiedeln und ausbreiten. Der Nager trägt aktiv zur Revitalisierung der Gewässer bei, indem er durch seine vielfältigen Bautätigkeiten neue Lebensräume schafft.

Fällt er Bäume, entsteht eine strukturierte und lichtdurchflutete Ufervegetation. Das Holz im Wasser bietet als Strukturelement neue Verstecke für Fische und sorgt für mehr Strömungsdynamik. Gerke ist sich sicher: «Der Biber kann damit ein wichtiger Partner sein, um die grossen ökologischen Defizite in der Dünnern zu mindern.»