Den Glauben neu ins Spiel bringen. So lautet der Leitsatz des Pastoralen Entwicklungsplanes des Bistums Basel. Aktuell werden im ganzen Bistum jeweils mehrere Pfarreien zu sogenannten Pastoralräumen zusammengefasst. Dabei handelt es sich bei einem Pastoralraum nicht wortwörtlich um einen echten Raum im infrastrukturellen Sinne, sondern um den Zusammenschluss von mehreren Pfarreien zu einem gemeinsamen Glaubensraum.

Zum Pastoralraum Gäu, der 2013 von Bischof Felix Gmür errichtet wurde, gehören Egerkingen, Neuendorf, Fulenbach, Härkingen und Oberbuchsiten. Das aktuell fünfköpfige Seelsorgeteam trifft sich alle zwei Wochen zu einer Sitzung, um sowohl Glaubensleben wie auch Seelsorge in allen fünf Pfarreien zu planen und gestalten. Fest steht, dass in jeder Pfarrei pro Woche ein Gottesdienst stattfindet. Ob dieser am Samstagabend oder Sonntagmorgen, von Priester Ekeugo oder von einem anderen Seelsorger gefeiert wird, entscheidet das leitende Team an den Sitzungen.

Zu wenig Personal

Die klassische Erwartung der Gläubigen, einen «eigenen» Pfarrer vor Ort zu haben, muss ebenso enttäuscht werden wie die Erwartung alles vor der Haustüre vorzufinden. Es herrscht Mangel an Personal. «Viele Pfarreien suchen seit Jahren Theologen, finden aber keine», gesteht Ekeugo und fährt fort: «Die Pfarreien müssen stärker und enger zusammenarbeiten, um die Lebendigkeit zu erhalten.

Ressourcen müssen besser genutzt werden.» Wicki macht auf die hohe Anzahl ehrenamtlicher Mitarbeiter aufmerksam: «Ihr Engagement ist enorm.» Wicki ist überzeugt, ohne sie würde es kein kirchliches Leben geben. Nebst Personalmangel existiert auch ein infrastrukturelles Überangebot für die zirka 5000 Pfarreiangehörigen in den fünf Pfarreien. Fünf relativ grosse Kirchen, fünf Pfarreihäuser, von denen zwei in Oberbuchsiten und Fulenbach an eine Kita vermietet sind und drei Pfarreisäle bieten jede Menge Platz den Glauben auszuleben.

Deren Unterhalt und Erhalt kostet aber dementsprechend auch viel Geld. Zu viel Geld. Längerfristig betrachtet wird man wohl nicht darum herum kommen, Infrastruktur abzubauen, was naturgemäss ein heikles Thema sei.

Jugendseelsorge als Gewinn

Ein deutlicher Gewinn des Projektes war die Schaffung einer Jugendseelsorge-Stelle. Die Jugendseelsorge kümmert sich gezielt um Anliegen und Probleme von jungen Leuten. Ihre Einführung war eine wichtige Veränderung in der Kirche, die dazu beiträgt den Jugendlichen ihren eigenen Weg des Glaubens zu öffnen. Hauptverantwortlicher der Jugendseelsorge, Kuba Beroud, hat eine 80-Prozent-Stelle inne. Seine wichtigste Aufgabe ist die Beziehungspflege zu den jungen Leuten.

Er stellt sich jeweils allen Oberstufenklassen der fünf Gemeinden vor, wie auch den Jubla-Gruppen. Weiter bereitet Beroud die jungen Erwachsenen auf ihre Firmung vor. Im letzten Herbst entschied sich das Seelsorgeteam dafür, das Firmalter neu in allen fünf Pfarreien auf 17 Plus anzusetzen. Vorher hätte es im Pastoralraum vier verschiedene Firmalter gegeben. «Wir analysierten und diskutierten das Thema Firmalter intensiv und kamen nach reiflichen Überlegungen zu diesem Entschluss», erinnert sich Leiter Wicki.

Mit dem Firmalter 17 Plus haben die Gemeinden Härkingen (seit 25 Jahren eingeführt) und Fulenbach (seit sechs Jahren) bereits langjährige, positive Erfahrung gesammelt, was dazu bewegte diese Änderung auch in den andere drei Pfarreien einzuführen. Die Firmung im höheren Alter zu vollziehen, fördere auch die Idee einer «Entscheidungskirche», in der jeder Jugendliche selber entscheidet, ob er diesen Schritt unternehmen will.

Parallel zur Erhöhung des Firmalters wird die Jugendarbeit gestärkt: «Bereits ab der ersten Oberstufe begleiten wir die jungen Leute auf ihrem Weg zur Firmung.» Pastoralraumleiter Wicki weiss, dass das erhöhte Alter ein kontroverses Thema ist, mit welchem nicht alle einverstanden sind.

Forum für unzufriedene Gläubige

Die Leitung des Pastoralraums möchte dieses Jahr Glaubenskurse «Komm und sieh» anbieten. Solche Kurse in einzelnen Pfarreien anzubieten, würde laut Wicki keinen Sinn machen. Er und Ekeugo wissen: Umstrukturierung bedeutet auch Loslassen und offen sein für Neues. Ob solches nicht noch die letzten Katholiken vertreibt? Der Mensch tut sich manchmal schwer mit Veränderungen.

Dies zeigten jüngste Ereignisse in Egerkingen, wo an der Kirchgemeindeversammlung unzufriedene Katholiken das Budget 2016 zu Fall brachten. «Das Pastoralraum-Gefühl zu stärken, ist keine einfache Aufgabe. Die Leute sind sehr verankert in ihren Pfarreien», sagt Wicki. Dennoch hoffen die beiden Seelsorger, dass die Gläubigen die positiven Aspekte des Projekts erkennen und unterstützen.

Am 17. März findet im Pfarrheim Egerkingen eine Standortbestimmung für alle Angehörigen des Pastoralraumes statt. Den Termin setzten Wicki und sein Team bereits lange vor den Schwierigkeiten in Egerkingen an. Nach zwei Jahren sei es notwendig, über die verschiedenen Standpunkte zu sprechen:

«Wo stehen wir als Pastoralraum. Und wo stehen die Gläubigen? Die letzten Ereignisse zeigen, dass wir nicht am selben Ort stehen.» Künftig möchte das Seelsorgeteam jährlich ein Forum des offenen Austausches organisieren. Mit der kommenden Standortbestimmung und den folgenden Foren, soll ein «Gefäss» geschaffen werden, in welchem Unzufriedenheiten zum Ausruck kommen dürfen.