Bligg tritt heuer exklusiv bei St. Peter at Sunset in Kestenholz auf. Seinen Fans wird der Mundartmusiker am 8. Juli am Open Air etwas bieten, was er noch nie getan hat: Eine Best-of-Show mit Hits aus seiner gesamten 20-jährigen Karriere, wie er bei einem Besuch auf dem Festivalgelände verraten hat. Ein Interview, in dem der Zürcher Künstler frisch von der Leber weg über sein Leben und seine Musik plaudert. Bei der Begrüssung verdreht Bligg scherzhaft die Augen. «Was, noch ein Interview, das ist nicht dein Ernst.» Der Musiker hat einen Medienmarathon hinter sich. Kein Wunder. Alle sind neugierig, zu erfahren, warum gerade dieser eine Auftritt im Gäu? Dennoch die erste Frage, die sich aufdrängt und kommen muss:

Was hat dich dazu bewogen, in deinem «Pausenjahr» doch ein einziges Konzert zu spielen?

Bligg: Wir haben uns Anfang Jahr entschieden, eine Pause einzulegen. Es ist nicht so, dass ich jetzt in Badehose vor dem Grill stehe. Hinter Bligg steht auch ein Apparat an Bürokratie, meine Agentur DreamStar Entertainment. Wir hatten jetzt endlich mal Zeit, unsere «Küche» aufzuräumen. Es ist vielmehr eine Bligg-Künstlerpause. Wir arbeiten trotzdem und bereiten uns intensiv auf neue Projekte vor. Das tut auch mir als Künstler gut. Ich bin ja Vater geworden, möchte Zeit haben für mein Kind. Jetzt ist der richtige Zeitpunkt. Vielleicht tut es den Leuten auch gut, mal Pause von mir zu haben. Dennoch sind wir im Team zusammengesessen und haben gesagt: «Eine Festivalshow wäre schon cool.»

Warum ein zweites Mal in Kestenholz?

Bligg: St. Peter at Sunset 2015 war genial. Familiär, super organisiert, mit sehr viel Herzblut. Die Leute machen das alle ehrenamtlich und tragen ein grosses Risiko. Für mich hat das einen grossen Stellenwert.

Bligg - Rosalie @ StPeter at Sunset, Kestenholz

Bligg performt seinen Hit "Rosalie" am St. Peter at Sunset 2015

Wie stellt ihr das Programm für den 8. Juli zusammen, in einem Jahr in dem sonst kein Konzert stattfindet? Was gehört auf jeden Fall rein?

Bligg: Sehr gute Frage. Es ist so wichtig, welche Songs man spielt. Eine solche Liste zu erstellen, ist der blanke Horror. Ich habe ein Luxusproblem: Ich muss aus vielen Songs die richtigen auswählen. Im Normalfall wird das vereinfacht, weil man ein aktuelles Album mit Konzept hat. In diesem Fall mache ich nun etwas, was ich noch nie getan habe: Es wird eine Bligg-Best-of-Show mit Songs aus meiner 20-jährigen Karriere. Wir haben die Tracklist beisammen. Es ist von jedem Album etwas dabei.

Deine ausgeprägte Experimentierfreudigkeit ist spannend, deine Sprachgewandtheit bewundernswert. Was fehlt dir noch, gibt es etwas, was du musikalisch gerne noch realisieren würdest?

Bligg: (Überlegt, schmunzelt) Es gibt etwas, das werdet ihr noch früh genug erfahren ...

Du bist mit deinen Texten ernsthafter, nachdenklicher geworden. Sanftere Töne sind dazu gekommen. Inwiefern hat das mit der Familie zu tun, damit, Vater geworden zu sein?

Bligg: Hmm, berechtigter Gedanke, gute Frage, aber auch plakativ und etwas klischeebehaftet. Das ist bei mir nicht der Fall. Ich habe mit 19 mit der Musik angefangen und mache das jetzt seit 20 Jahren. Ich habe mich als Mensch weiterentwickelt, so hoffe ich, und das schlägt sich auch in meinen Texten nieder. Der 19-jährige spricht nicht über dieselben Sachen, wie der 40-jährige Bligg. Wenn du gefragt hättest, ob ich mich verändert habe, seit ich ein Kind habe, muss ich sagen Nein, verändert nicht. Ich bin immer noch derselbe Mensch. Es hat meinen Horizont erweitert. Es gibt einem viel, die Freude an kleinen Dingen ist schön.

Wie entsteht ein neuer Song? Die Geschehnisse um uns herum überfluten uns. Ist es dein Bauchgefühl, das dir sagt, ein bestimmtes Thema zu vertonen?

Bligg: Es kommt nicht nur aus dem Bauch heraus, das geht viel tiefer: Es sind die Dinge, die in der Welt, in der Wirtschaft, in der Politik passieren, die mich bewegen. Ich habe eine mathematische Seite, eine emotionale und eine Seite des Geschichtenerzählers – ich versuche, alle miteinander zu vermischen. Das Schlimmste ist, sich zu lange Gedanken zu machen, wo man anfangen soll. Der Weg ist das Ziel. Ich nehme eine Holzstatue als Sinnbild. Den Holzklotz bearbeite ich von oben nach unten: Je mehr Material noch dran ist, desto mehr Fehler kann ich mir erlauben. Zunächst generiere ich gute Melodien. Wenn ich das Inhaltsverzeichnis dann mal zusammen habe, kann es sehr schnell gehen. Ich gehe an meine Lieder heran wie ein Drehbuchautor.