Am 31. Januar publizierte der Verein «Wisent Thal» das Baugesuch für die Elektroumzäunung für die Wisente auf dem Gelände Sollmatt Welschenrohr und Chrütliberg Balm b. Günsberg. Die verschiedenen Grundstücke gehören einerseits der Bürgergemeinde Solothurn, andererseits Landwirt Benjamin Brunner aus Welschenrohr, der gleichzeitig als «Ranger» für die Tiere vorgesehen ist.

Bekanntlich hat der Verein «Wisent Thal» die Absicht, auf dem 106 Hektar grossen Gelände Wisente für insgesamt fünf Jahre zu halten. Davon die ersten zwei Jahre innerhalb eines kleineren, nur 51 Hektar grossen Gebietes; einem Schaugehege.

Gemäss Baubeschrieb soll aber das ganze Gebiet elektrisch eingezäunt werden und teilweise mit einem Zaun aus Drahtseilen ergänzt. Dieser könne von den anderen Wildtieren, Reh oder Wildschwein, problemlos passiert werden, heisst es. Für Wisente sei er aber nicht überwindbar. Dieses Zaunregime würde bereits in anderen Wildparks erfolgreich praktiziert.

Im Gebiet zwischen diesen landwirtschaftlichen Liegenschaften und dem Wald im Hintergrund südlich von Welschenrohr sollen die Tiere dereinst angesiedelt werden.

Geplantes Gebiet Wisent-Projekt im Gebiet Sollmatt

Im Gebiet zwischen diesen landwirtschaftlichen Liegenschaften und dem Wald im Hintergrund südlich von Welschenrohr sollen die Tiere dereinst angesiedelt werden.

Ungewöhnlich viele?

Nach Ablauf der Einsprachefrist sind nun zwölf Einsprachen gegen das Gesuch in Welschenrohr eingegangen, sechs Einsprachen gab es in Balm b. Günsberg. Dies ist eine relativ grosse Anzahl für die beiden kleineren Gemeinden. Bei den Einsprechern handle es sich um Privatpersonen und Vereine, wurde erklärt. Stefan Müller-Altermatt, der Präsident des Vereins «Wisent Thal» sagt, er habe mit ungefähr dieser Anzahl Einsprachen gerechnet.

Trotzdem sieht er die Einsprachen vorerst positiv. «Jetzt lernen wir auf jedenfall mal unserer Gegner kennen. Bisher haben sich die Wenigsten offen zu erkennen gegeben.» Das habe ihn immer gestört. Jetzt könne man endlich mit diesen Personen oder Gruppierungen die Diskussionen führen, die man schon seit Beginn des Projekts hätte führen können.

Schäden oder Nutzen?

Vor allem aus Bauern- und Jägerkreisen wurden immer kritische Stimmen zum Projekt laut. Ob es um eine spätere Auswilderung ging oder nicht. Man befürchtet, dass Schäden an Wald und Feldern durch die Wisente entstünde, deren Behebung dann juristisch schwer einzuklagen seien. Zudem wurde auch immer wieder moniert, dass die Wasserversorgung für die Tierherde nicht gelöst sei. Müller-Altermatt sagt dazu: «Die immer wieder zitierten Schäden können auch einen Nutzen für die Natur sein. Deshalb wird das Projekt auch wissenschaftlich begleitet.»

Wie es nun mit den Einsprachen weitergeht, weiss er momentan nicht genau. Er sagt: «Die Federführung liegt beim Amt für Raumplanung. Ich gehe davon aus, dass wir zur Einspracheverhandlungen eingeladen werden und dass die Einsprachen juristisch sauber abgeklärt werden.»

Der Wunsch seines Vereins ist es, mit dem Projekt bis Sommer dieses Jahres starten zu können. Ein ambitioniertes Ziel, denn es geht es nicht bloss um den Elektrozaun, sondern auch um das Gesuch um die Tierhaltebewilligung, die Tierversuchsbewilligung und das Gesuch um eine nachteilige Waldnutzung. Insgesamt soll das Projekt rund 2,1 Mio. Franken kosten.

Projektleiter noch gesucht

Eine weitere «Baustelle» des Vereins «Wisent Thal» ist die derzeit unbesetzte Stelle eines Projektleiters. Projektleiter Darius Weber anfangs Januar nahegelegt, den Verein zu verlassen, nachdem er sich in einem Interview in dieser Zeitung äusserst kritisch gegen die Schweizer Landwirtschaftspolitik geäussert hatte. «Er oder ich», hatte daraufhin Präsident Müller-Altermatt öffentlich gefordert.

Dies, nachdem man sich an die hiesige Bauernschaft nach zähen Diskussionen, angenähert hatte, so der Präsident. «Es gab einige Bewerber nach Webers Weggang», erklärt Müller-Altermatt. «Allerdings sind wir momentan noch nicht soweit, den Nachfolger oder die Nachfolgerin zu präsentieren. Das werde aber in den kommenden Tagen geschehen, versichert er.