Niemand habe ihn dazu aufgefordert, für das Balsthaler Gemeindpräsidium zu kandidieren. «Ich sah, dass man Mühe hat, jemanden zu finden, darum habe ich mich dazu entschlossen», erklärt Roland Stampfli, der gestern gerade 63 Jahre alt geworden ist. Er spüre genügend Feuer und Energie in sich, um diese Aufgabe anzupacken. «Eine führende Position zu übernehmen, liegt mir.»

Warum nicht mehr mit der CVP?

Roland Stampflis konkrete Ankündigung kommt überraschend. Nachdem der amtierende Gemeindepräsident Willy Hafner (CVP) angekündigt hatte, nach 12 Jahren zurückzutreten, gaben zwar Gemeindevizepräsident Enzo Cessotto von der FDP und Fabian Müller von der SP an, sie könnten sich eine Kandidatur vorstellen. Doch beide wollen zuerst wissen, wie sie bei den Gemeinderatswahlen vom nächsten Wochenende abschneiden. Die Leitung der SVP gab sich bedeckt.

Roland Stampfli sieht allfälligen Gegenkandidaturen gelassen entgegen. Und er verzichtet auch darauf, im Namen einer Partei anzutreten, was insofern erstaunt, dass er von 1977 bis 1985 für die CVP im Gemeinderat mitwirkte. Mittlerweile ist er nicht mehr CVP-Mitglied, stehe ihr aber nahe, wie er sagt. Ist sein parteiloser Auftritt eine Taktik, um bei den anderen Parteien Punkte zu holen? «Das könnte man so auslegen, es ist aber nicht so, sondern es ist meine Überzeugung», entgegnet Stampfli. «Ich lasse mich nicht von einer Partei einbinden» Es dürfe nicht das Parteibuch ausschlaggebend sein, sondern die Leistung, oder die Bereitschaft, Leistung zu erbringen und Verantwortung zu übernehmen.

Führen, delegieren, motivieren

Damit spricht Stampfli einen Schwerpunkt an, dem er sich als Gemeindepräsident widmen würde. «Es besteht die Gefahr, dass der Gemeindepräsident für alles und jedes zuständig sein muss.» Das wäre gar nicht sein Stil, sagt er und verweist auf seine Erfahrungen in verschiedensten Führungspositionen. Er war im Führungsteam des FC Klus-Balsthal, als dieser als 1.-Liga-Verein Furore machte. Aktuell ist er Präsident des Solothurner Fussballverbandes.

Als Fussballtrainer und in seinem Beruf als Lehrer sei er ebenfalls in einer Führungsposition; 28 Jahre lang unterrichtete er die 5. und 6. Klasse in Balsthal, seit 2002 Sekundarschulklassen. Schulleiter war er ebenfalls und hat volle 30 Jahre lang die Skilager für die Balsthaler Schulen organisiert. «Ich bin immer gut damit gefahren, wenn die jungen Leute wissen, woran sie sind.» Als Gemeindepräsident würde er ebenso handeln, will heissen, konsequent delegieren, die Leute motivieren, die Aufgaben zu lösen. «Und dann schliesslich darüber wachen, ob die Verantwortung auch wahrgenommen wird.»

Die Tannmatt als Türöffner

Für Balsthal würde er sich gerne einsetzen, weil es sich lohne, sagt Roland Stampfli. «Als ich mich 1974 für eine Lehrerstelle hier meldete, tat ich das mit Überzeugung.» Der 1950 Geborene ist in Subingen aufgewachsen und kam auf dem zweiten Bildungsweg zum Lehrerberuf. Stampfli machte zuerst eine Lehre als Maschinenzeichner, schloss ein Technikerstudium an, von dem er dann ins Lehrerseminar wechselte. Während eines Praktikums weilte er auf der Tannmatt und befasste sich mit Thaler Sagen und Geschichten. «Das hat mir die Türe zum Thal geöffnet und brachte mich mit den Leuten zusammen. Und wie es mir schien, haben diese mich auch akzeptiert.»

Stau, OeBB und Gemeinde Thal

Worin sieht Roland Stampfli die Lösung für das Problem mit dem Verkehrsstau in der Klus? «Fährt man nach Olten oder Zürich, so muss man auch Hindernisse und Stau in Kauf nehmen», schickt er voraus. «Aber grundsätzlich sehe ich die Lösung in einer Entlastungsstrasse. Wer will schon so nahe an einer dermassen stark befahrenen Strasse wohnen.» Offen ist für ihn, ob die zuletzt vorgelegte Variante die richtige ist. Was mit dem Städtchen Klus geschehen müsste, falls es denn verkehrsfrei wäre, könne er allerdings auch nicht sagen. «Damit müsste ich mich noch ausgiebig befassen.»

Überrascht worden sei er mit den Ausbauplänen des OeBB-Bahnhofs. Denn die Bahn an sich sei für ihn nicht mehr über jeden Zweifel erhaben. Klar ist für Roland Stampfli, dass sich die Gemeinden im Thal nicht zu einer einzigen Gemeinde zusammenschliessen sollten. «Jedes einzelne Dorf ist eine eigenständige Zelle, die wiederum aus einzelnen Zellen zusammengesetzt ist. Diese müssen erhalten bleiben, denn daraus kommt jene Kraft, um die uns viele Gemeinden in anderen Regionen beneiden.» Das sehe man daran, wenn ein grosses überregionales Fest auf die Beine gestellt werden muss.

Für Balsthal wünscht sich Roland Stampfli, dass das Dorf wieder mehr Ausstrahlungskraft bekommt. Nicht zuletzt in Zusammenarbeit mit dem Naturpark Thal. «Aber dies geht nicht ohne die Einwohnerinnen und Einwohner von Balsthal, die sich für die Gemeinde und für öffentliche Anliegen interessieren und sich mit Freude engagieren.»