Auf Windkraftwerk-Standorte auf der ersten unverdeckten Jurakette sei zu verzichten. Dies sagte aus Sicht der Stiftung Landschaftsschutz Schweiz (SL) deren Präsident Kurt Fluri am Dienstagabend in Balsthal anlässlich der Gründung des Vereins Thaler Landschaft ohne Windräder.

Der FDP-Nationalrat und Stadtpräsident von Solothurn machte klar, dass, so gesehen, die Standorte Hellchöpfli, Schwängimatt und Grenchenberg nicht infrage kommen. Was den Windpark Grenchenberg angeht, hat die Stiftung im Rahmen des Mitwirkungsverfahrens im letzten Herbst zumindest eine Reduktion von zwei auf eine Gruppe verlangt. Zudem sei die Anlage so zu platzieren, dass sie vom Mittelland aus nicht einsehbar sei.

Beim geplanten Standort Schwängimatt, erklärte Fluri in Balsthal, stelle sich die Frage, ob nur die Einsehbarkeit vom Mittelland her ein massgebliches Argument für einen Verzicht bilde.

Aus seiner Sicht sei auch die Tatsache, dass die Turbinen vom Thal her sichtbar seien, relevant, sagte der SL-Präsident. Und: Er habe schon ein wenig gestaunt darüber, dass die Solothurner Regierung in ihrer Stellungnahme zu einem Auftrag des Laupersdörfer Kantonsrats Edgar Kupper den Standort Hellchöpfli abgelehnt, einen solchen auf der Schwängimatt aber unterstützt habe.

«Beide befinden sich auf derselben Krete, wobei der Standort Schwängimatt den ‹Vorteil› hat, dass die Windräder etwas unterhalb der Krete stationiert werden können – allerdings um den Preis einer geringeren Ausnützung des Windpotenzials, womit sich der Nutzen noch mehr relativiert.»

Juraschutz nicht abschaffen

Für die Stiftung Landschaftsschutz fällt dies ins Gewicht. Ihr geht es, wie Fluri deutlich machte, darum, eine korrekte Interessenabwägung zwischen Energiegewinnung und Landschaftsschutz vorzunehmen.

Dies nicht zuletzt vor dem Hintergrund des im Kanton Solothurn seit 1942 geltenden Juraschutzes. Fluri warnte: «Wenn ein Windpark im Kanton Solothurn entsteht, ist der Juraschutz meiner Meinung nach beerdigt. Wie soll man künftig weitere Bauten und Anlagen verhindern, die ebenfalls für die betroffenen Gemeinden von grossem Interesse wären, wenn so grosse Anlagen bewilligt würden?»

Die Stiftung, so ihr Präsident, sei der Meinung, dass der Ausbau der erneuerbaren Energie zwar ein Muss sei, dass der Ausstieg aus der Atomenergie aber nicht zu einem Ausstieg aus dem Natur- und Landschaftsschutz führen dürfe. Hierin war sich Fluri mit CVP-Nationalrat Stefan Müller aus Herbetswil und Tagespräsident Kurt Bader einig. «Ich kämpfe für die Energiewende – aber trotzdem auch für die Thaler Landschaft», umschrieb Müller seine Position.

Und Bader betonte, der Verein Thaler Landschaft ohne Windräder sei «nicht in erster Linie gegen, sondern für etwas: Wir wollen uns einzig und allein für den Schutz unserer einmaligen Thaler Landschaft und Natur einsetzen.» Selbstverständlich bekenne sich der Verein ganz klar zu einer landschaftsverträglichen Energieproduktion wie Photovoltaik im Siedlungsgebiet oder in den Gewerbezonen. Damit bleibe die Juraschutzzone intakt.

Roland Stampfli als TLoW-Präsident gewählt

Der am Dienstag gegründete Verein ist ein «Kind» der Interessengemeinschaft Naturschutz Thal (INT), deren Arbeitsgruppe Wind seit fünf Jahren aktiv ist. Mit dem Verein TLoW soll nun aber, wie Kurt Bader ausführte, Gegnern der geplanten Windparks Schwängimatt und Scheltenpass eine Stimme gegeben werden, die nicht in der INT aktiv sind.

Zudem sollen die Anstrengungen zur Verhinderung von Windparks im Thal intensiviert werden. An der Gründungsversammlung erklärten 41 der anwesenden Personen den Beitritt zum Verein. Rund 20 weitere Personen sollen zugesagt haben, dem Verein TLoW beizutreten. Als Präsident wurde der neue Balsthaler Gemeindepräsident Roland Stampfli gewählt. Die bisherigen Mitglieder der Arbeitsgruppe Wind bilden den Vorstand, sei es als Mitglieder, sei es als Beisitzer.

Stampfli erinnerte daran, dass sich der Nutzungsplan Schwängimatt derzeit in der Vorprüfung befindet. Beim Mitwirkungsverfahren müsse der Verein dann wohl aktiv werden. Beschwerdeberechtigt wird er, weil zu jung, aber nicht sein.

Anders läge der Fall bei der Stiftung Landschaftsschutz: SL-Einwendungen in Mitwirkungsverfahren verfasst nach Kurt Fluris Angaben in der Regel Geschäftsführer Raimund Rodewald. «Allfällige Beschwerden», so SL-Präsident Fluri, «reicht er in Absprache mit mir ein.»