Starrkirch-Wil
Postfiliale schliesst per Februar 2015 – die Dorfbäckerei wird eine Agentur

Am Donnerstag flatterte ein Flyer der Post in alle Starrkirch-Wiler Haushaltungen: Per Februar 2015 wird die Poststelle aufgehoben und als Ersatz eine Agentur in der Dorfbäckerei «Zum Brothüsli» an der Dorfstrasse 10 eingerichtet.

Beat Wyttenbach (Text) undBruno Kissling (Bild)
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Die Post schliesst per Februar 2015 ihre Pforten; das Gebäude wird umgenutzt.

Die Post schliesst per Februar 2015 ihre Pforten; das Gebäude wird umgenutzt.

Bruno Kissling

Weshalb wird die Post in Starrkirch geschlossen? «Die Lebens- und Kundengewohnheiten ändern sich. SMS, E-Mail und Internetbanking verdrängen herkömmliche Postdienstleistungen. Mit Folgen: Immer weniger Briefe, Pakete und Einzahlungen gehen über den klassischen Postschalter – auch in Starrkirch-Wil», ist dem Flyer zu entnehmen. Die Dorfpoststelle sei wochentags von Montag bis Freitag sieben und samstags zweieinhalb Stunden geöffnet. Sie weise eine rückläufige und tiefe Anzahl Postgeschäfte auf. «Durch diese Entwicklung verschlechtert sich die angespannte Wirtschaftlichkeit der Poststelle immer weiter, sodass die Öffnungszeiten deutlich reduziert werden müssten», so die Post.

Aus Sicht des Unternehmens sei dies keine nachhaltige Option. Deshalb sei für die Post mit erster Priorität eine Agentur, mit zweiter ein Hausservice («Post an der Haustüre») oder – aufgrund der kurzen Distanz und des gut ausgebauten Busnetezes nach Olten – eine ersatzlose Schliessung in den Vordergrund gerückt. «Mit der gefundenen Agenturlösung bleiben wir physisch vor Ort und können Ihnen attraktive Öffnungszeiten bieten», findet das Unternehmen. Was bleibt? In der «Bäckerei zum Brothüsli» können die Kundinnen und Kunden künftig Briefe und Pakete aufgeben und abholen, Briefmarken kaufen, bargeldlose Zahlungen mit der PostFinance Card oder einer Maestro-Karte erledigen sowie mit der PostFinance Card Bargeld beziehen.

Gemeinderat bedauert

Der Gemeinderat bedauert diese Entwicklung, wie Gemeindepräsident Daniel Thommen auf Anfrage erklärt. «Im Frühjahr dieses Jahres hatten wir Kontakt mit Vertretern der Post, die uns die finanzielle Entwicklung aufgezeigt haben. Wir haben dabei einsehen müssen, dass eine Poststelle in einer Gemeinde mit 1700 Einwohnern nicht mehr wirtschaftlich funktionieren kann», erklärt er. Die Alternative wäre gewesen, entweder die Öffnungszeiten zu reduzieren, was die Poststelle noch unattraktiver gemacht hätte, oder die Poststelle ganz zu schliessen.

«Mit der Agenturlösung hingegen können wir nicht nur die Bäckerei längerfristig stärken, die Bevölkerung erhält darüber hinaus auch noch attraktivere Öffnungszeiten angeboten», ist der Gemeindepräsident überzeugt. In der Zwischenzeit bis Februar 2015 müssen in der Bäckerei noch bauliche Massnahmen vollzogen werden. Hätte sich die Bäckerei übrigens nicht zur Verfügung gestellt, so hätte sich der Gemeinderat für eine Agenturlösung auf der Gemeindeverwaltung eingesetzt, führt Thommen aus.

Gebäude umnutzen

Und was passiert mit dem Gebäude, in der sich die Poststelle heute befindet? «Das Gebäude gehört der Post Immobilien AG», erläutert Thommen. Die Vertreter der Post hätten dem Gemeinderat mitgeteilt, dass das Unternehmen für eine neue Nutzung sorgen wolle; der Sortierraum stehe im Übrigen schon längere Zeit leer. Aber die Umgestaltung werde erst im Verlaufe des kommenden Jahres angepackt. Die beiden sich im Gebäude befindlichen Wohnungen würden vorläufig bestehen bleiben.

«Unter den gegebenen Umständen ist dies für uns die beste Lösung», fasst Thommen die Situation zusammen. Und er schiebt noch hinterher: «Eigentlich ist dies eine Ironie des Schicksals». Denn die Dorfstrasse, an der sich die Bäckerei befindet und wo jetzt die Post-Agentur reinkommt, habe früher Poststrasse geheissen – weil sich die erste Poststelle in der Gemeinde im Bauernhaus Kiefer neben der Bäckerei befunden habe ...