Die Post möchte im Volg-Laden in Welschenrohr eine Postagentur als Ersatz für die jetzige Poststelle eröffnen. Dem Gemeinderat passt das gar nicht. Er möchte weiterhin, dass die Poststelle im Dorf bleibt. Dies hat er bereits mehrfach klar gemacht. Man werde die Post auf jeden Fall nicht kampflos aufgeben, zitierte diese Zeitung bereits im September 2015 Gemeindepräsident Stefan Schneider.

Kein rentabler Betrieb

Die Argumente der Post sind bekannt: «Die Poststelle Welschenrohr ist heute nur am Vormittag geöffnet, unter der Woche während vier und am Samstag während zwei Stunden. Die geringe und teilweise stark rückläufige Nachfrage nach Postdienstleistungen reicht nicht aus, um in Welschenrohr weiterhin eine eigenständige Poststelle betreiben zu können», schreibt die Post in einem letzte Woche an die Einwohner von Welschenrohr verteilten Flugblatt.

Ein erstes Mal war die Post bereits 2012 vorstellig geworden, um mit der Gemeinde über die Zukunft der Poststelle im Dorf zu diskutieren. Dies ganz im Einklang mit der gesetzlichen Regelung. «Wenn die Post eine Poststelle oder Postagentur schliessen bzw. verlegen möchte, muss sie die betroffenen Gemeinden anhören und im Dialog mit ihnen nach einer einvernehmlichen Lösung suchen», erklärt Andreas Herren, Kommunikationsbeauftragter bei der PostCom. Die im Anschluss an die Gespräche verordnete Kürzung der Öffnungszeiten war laut der Post nur für kurze Zeit eine praktikable Lösung. Der Rückgang der Nachfrage habe sich seither noch verstärkt, wie die Post weiter schreibt. Bereits im August 2015 hat die Post wiederum das Gespräch mit der Gemeinde gesucht und klargemacht, dass nur eine Postagenturlösung sinnvoll sei. Genützt hat dieses Gespräch indes nichts, die Meinungen über die Zukunft der Post im Dorf gehen weiter auseinander. Heute Abend diskutiert der Gemeinderat wiederum über das Thema. Man darf gespannt sein, wie der Rat auf die jüngste Entwicklung reagiert.

Post entscheidet autonom

Doch die Gemeinde dürfte gegen Windräder ankämpfen. Denn die Entscheidung der Post ist klar: Eine Postagentur soll her. Die Post ist zwar angehalten, in solchen Fällen mit der Gemeinde zu verhandeln und im besten Fall auch eine für alle praktikable Lösung zu finden. Doch am Ende entscheidet nur die Post, welche Poststellen erhalten werden. Dies steht auch in keinem Widerspruch mit der gesetzlichen Grundlage. «Das Postgesetz beziehungsweise der Gesetzgeber unterscheidet nicht zwischen Poststellen und Postagenturen», sagt Andreas Herren, Kommunikationsbeauftragter bei der PostCom. Beide gelten laut dem Postgesetz als bediente Zugangspunkte. Und er stellt auch klar, dass der Entscheid über die Schliessung oder Verlegung bedienter Zugangspunkte grundsätzlich in der Verantwortung und Kompetenz der Post liege, solange die Mindestvorgaben bezüglich Erreichbarkeit eingehalten würden. Diese Mindestvorgaben sind laut der Postverordnung:

Pro Raumplanungsregion muss mindestens eine Poststelle vorhanden sein. Welschenrohr befindet sich in der Raumplanungsregion Thal. Somit wird diese Vorgabe mit momentan noch drei Poststellen erfüllt (zukünftig noch in Balsthal, Mümliswil und Matzendorf)

Das Poststellen- und Postagenturennetz muss gewährleisten, dass 90 Prozent der ständigen Wohnbevölkerung zu Fuss oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln eine Poststelle oder Postagentur innerhalb von 20 Minuten erreichen können. Bietet die Post einen Hausservice an, so gelten für die betroffenen Haushalte 30 Minuten.