Gin von der Abendweid ist kein Schosshund. So viel steht schnell fest. Er ist kein verschmuster Kuschelbär, obwohl er sich gerne den Bauch kraulen lässt. Er ist kein Faulenzer, kein gemütlicher Spaziergänger und schon gar nicht ist er ein kleines Hündchen, das man wie ein Accessoire in die Handtasche stecken könnte. Gin von der Abendweid ist ein stolzer Malinois, eine Unterrasse des belgischen Schäferhundes. Durchtrainiert, intelligent, schlau, gewitzt und erneuter Sieger der Verbandsprüfung für Polizeihunde (siehe Box weiter unten). Doch Gin ist noch mehr. Vor allem für Frauchen Janine Zihlmann aus Mümliswil.

Seit knapp fünf Jahren ist der bald achtjährige belgische Schäferhund der ständige Begleiter der Polizistin. «Ursprünglich gehörte er meinem Ex-Mann», erzählt Zihlmann. Aufgrund eines beruflichen Wechsels konnte sie den Hund in den Dienst übernehmen, als Gin drei Jahre alt war. Als Malinois bringt Gin für die Arbeit als Diensthund bereits die richtigen Grundvoraussetzungen mit: Malinois sind etwa so gross wie Deutsche Schäferhunde. Weil sie aber weniger massig sind, reagieren sie schneller und wendiger. Zudem ist diese Rasse grundsätzlich sehr lern- und arbeitsfreudig. Das lässt sich auch bei Gin auf den ersten Blick erkennen: Der Rüde ist regelrecht begierig darauf, endlich loslegen und sein Talent zeigen zu können.

Polizeihundeprüfung

Polizeihundeprüfung

Verbandsprüfung Polizeihunde 2018 in Lüterkofen

«Manchmal eine richtige Klette»

«Gin ist wirklich sehr arbeitsfreudig», erzählt Zihlmann. «Egal welche Uhrzeit oder welches Wetter, er will immer arbeiten.» Jeden Tag fährt der Hund mit seinem Frauchen und Freundin Xiia, einer bayrischen Gebirgsschweisshündin, auf den Polizeiposten in Balsthal. Dort warten die Hunde in Zwingern im Keller oder im Auto, bis ihr Einsatz ansteht. «Es gibt Tage, an denen habe ich Gin einfach dabei», erklärt die Polizistin. «An anderen Tagen dreht sich dann aber alles nur um ihn.»

Solche sind etwa die Trainingstage. Wegen diesen ist Zihlmann während rund 40 Prozent ihres Pensums mit «Hündele» beschäftigt. Einen neuen Diensthund würde sie sich nach Gin und Xiia nicht mehr anschaffen. «Man bindet sich für weitere zehn Jahre an den Beruf», erklärt die 36-Jährige. «Und ich möchte offenbleiben für die Zukunft.»

Aber auch privat ist Zihlmann ständig von ihren Hunden umgeben. «Gin ist manchmal eine richtige Klette», sagt sie lachend. «Wenn ich morgens aufstehe, steht er schon schwanzwedelnd oben an der Treppe und fordert seine Streicheleinheiten.» Ist Gin nicht bei der Arbeit, lässt seine Folgsamkeit etwas nach. «Privat läuft er nicht wirklich schön an der Leine», beklagt sich Zihlmann. «Aber sobald er bei der Arbeit freifolgen, also ohne Leine direkt neben mir hergehen muss, ist das kein Problem.» Lachend schüttelt sie den Kopf und krault dem Hund die Ohren. Dieser schaut seine Hundeführerin mit einem fixierten Blick an, bereit für die nächste Aufgabe.

Bislang speziellste Prüfung

Privat ganz verspielt und verschmust, kann Gin blitzschnell wechseln. Bereits nach zehn Wochen, also noch im Welpenalter, beginnt die Ausbildung zum Diensthund. Ein solcher Hund will gut trainiert sein: «Sitz, Platz, Fass, Aus, Bleib...» Das sind Kommandos, die Gin als Dienst- und Betäubungsmittelspürhund einwandfrei zu beherrschen, und vor allem zu befolgen hat. «Ein Diensthund braucht eine gute Mischung aus Selbstständigkeit und Gehorsamkeit», so Zihlmann. Vom Hund werde erwartet, dass er eigenständig arbeiten kann und sich nicht nur auf seinen Hundeführer verlässt. Andererseits hat er den Befehlen seines Halters aufs Wort Folge zu leisten.

Dass der Malinois das drauf hat, konnte er an der diesjährigen Verbandsprüfung beweisen. «Das war die bisher aussergewöhnlichste Prüfung», erzählt seine Hundeführerin. Denn im Frühling dieses Jahres wurde bei Gin ein bösartiger Mastzelltumor dritten Grades entdeckt. Der Rüde wurde zwar operiert, das Metastasenrisiko liegt jedoch bei bis zu 96 Prozent. «Wenn er Ableger haben sollte, geben ihm die Ärzte noch etwa drei Monate», so Zihlmann. Kämpferherz Gin lässt sich davon jedoch bislang nichts anmerken, er springt herum wie ein Welpe. «Gerade deshalb war die diesjährige Prüfung so speziell», sagt die Polizistin stolz. «Mein todgeweihter Hund konnte es allen zeigen.»