Der Gemeinderat stimmte an seiner Sitzung vom Mittwochabend der Schlussabrechnung für den Kauf des sogenannten Bahnwärterhäuschens samt dem dazugehörigen 1194 Quadratmeter grossen Areal für 502'067 Franken zu. Dieses an der Bahnlinie liegende Haus soll ebenso abgerissen werden wie die auf der nördlichen Nachbarparzelle stehende Villa Marti an der Kestenholzstrasse. Die Liegenschaft Marti geriet im Juli 2015 in die Schlagzeigen, weil die Gemeinde darin Asylsuchende unterbrachte, was von Medien als Luxuslösung angeprangert wurde.

Die Gemeinde hatte damals auch verlauten lassen, dass das Marti-Haus wegen dem von der Einwohnergemeinde geplanten Werkhof auf diesem Areal aus Kostengründen nicht abgerissen werde. Mit dem Kauf dieses 4000 Quadratmeter grossen Landstücks sowie dem Erwerb der ehemaligen Saeco-Halle an der Kestenholzstrasse im Jahr 2011 hatte die Gemeinde die Voraussetzungen geschaffen, um auf einer genügend grossen Fläche einen neuen Werkhof zu bauen. Berechnungen zufolge braucht es dafür mindestens eine Fläche von 4000 bis 5000 Quadratmeter. Die Planung für den neuen Werkhof sollte im Jahr 2017 in Angriff genommen werden.

So stellt sich der Kanton die neue Umfahrungsstrasse (orange) vor.

 So stellt sich der Kanton die neue Umfahrungsstrasse (orange) vor.

Umfahrung hat Priorität

Dazu ist allerdings nicht mehr gekommen, wie an der Gemeinderatssitzung zu erfahren war. Grund: Die vom Kanton geplante Umfahrung von Oensingen soll genau über dieses Areal führen. Im Zuge der Planung für den 6-Spurausbau der Autobahn A1 zwischen Härkingen und Luterbach wurden vom Kanton verschiedenste Varianten geprüft und wieder verworfen, wie Andreas Affolter, Leiter Bau, auf Anfrage ausführt.

Die aktuelle Best-Variante sieht vor, dass der von der Nordringstrasse kommende Verkehr auf der Jurastrasse Höhe Breitfeldstrasse in einem 45-Gardwinkel nach Norden bis zur SBB-Bahnlinie und von dort parallel zum Gleis in Richtung Osten weitergeführt wird. An der Siedlungsgrenze des Dorfes soll die Umfahrungsstrasse unter der SBB-Linie hindurch geführt werden und danach in die Kantonstrasse H5 einmünden.

Die Gemeinde habe sich mit der neuen Situation arrangiert, sagt Gemeindepräsident Fabian Gloor mit Blick auf die für Oensingen verkehrstechnisch sehr wichtige Entlastungsstrasse. Diese habe für den Gemeinderat absolute Priorität, auch im Kontext mit der von der Polizei verweigerten Bewilligung für die Durchführung der Zibelimärets auf der Hauptstrasse.

Deshalb hoffe der Gemeinderat, dass die Umfahrungstrasse im Zuge des Ausbaus der A1 realisiert werde. Die im kantonalen Richtplan aufgeführte Strasse sei im Investitionsprogramm des Kantons ab 2020 vorgesehen, so Gloor weiter. Die Planung sei aber nicht abgeschlossen und auch die Mitwirkung und öffentliche Auflage für die Umfahrungstrasse seien noch ausstehend.

Neue Lösung für Werkhof

Die Zielsetzung, den Werkhof und dessen Einrichtungen zentral an einem Standort unterzubringen, soll weiter verfolgt werden, wie Andreas Affolter erklärt. Aktuell ist der Werkhof im Erd- und Untergeschoss an der Hauptstrasse 88 untergebracht und nutzt zusätzlich die ehemalige Saeco-Halle als Lagerhalle sowie diverse kleinere Aussenlager.

Im Fokus stehe für die angestrebte Zusammenlegung des Werkhofs nicht ein Neubau, sondern ein Zweckbau, wie Affolter bemerkt. «Denkbar wäre auch die Nutzung eines bestehenden Gebäudes.» Die Chancen, eine solche Liegenschaft in Oensingen zu finden, stünden gut. Aktuell führe der Gemeinderat in dieser Sache Verhandlungen. Noch sei es aber zu früh, weitere Details nach aussen zu kommunizieren.