Oensingen

Pilotprojekt mit behinderten Kindern in der Kita läuft erfolgreich

Für den Betrachter ist es ein ungewohntes Bild, wenn am Tisch ausser normalen Stühlen auch ein Rollstuhl steht. Für die Kinder ist es normal.

Für den Betrachter ist es ein ungewohntes Bild, wenn am Tisch ausser normalen Stühlen auch ein Rollstuhl steht. Für die Kinder ist es normal.

Seit einem Jahr spielen in der Oensinger Kindertagesstätte Drachenburg Kinder mit und ohne Behinderung gemeinsam. Die Hoffnung ist gross, dass das Pilotprojekt inKita auch nach Abschluss der Pilotphase weitergeführt wird.

«Kinder mit einer Behinderung haben dieselben Rechte auf einen Zugang zu einer Kindertagesstätte.» Die Basis für diese Aussage ist in der Bundesverfassung enthalten, wonach niemand diskriminiert werden darf wegen einer körperlichen, geistigen oder psychischen Behinderung. So weit die Theorie.

Die Institution «Das Kind im Zentrum» und die Kindertagesstätte Drachenburg (beide Oensingen) haben der Theorie die Praxis folgen lassen mit dem Pilotprojekt inKita (siehe separate Textbox). Seit gut einem Jahr nimmt die «Drachenburg» an zwei Tagen in der Woche je vier Kinder aus der Region Thal und Gäu mit einer Behinderung auf, diese kann körperlich oder geistig oder beides sein (wir berichteten). 

Im Juli nächsten Jahres, per Ende Schuljahr 2015/2016, läuft das Pilotprojekt aus. Die Hoffnung ist gross, dass es weitergeführt werden kann, ist es doch bisher einzig in seiner Art in der Region Nordwestschweiz. Zeit für eine Bilanz.

Man muss genau hinschauen

Befürchtet wurde vonseiten der Eltern, dass ihre nicht behinderten Kinder in der Betreuung nun zu kurz kämen, da die ganze Aufmerksamkeit den behinderten Kindern gelte. «Die Befürchtung ist hinfällig», erklärt die Heilpädagogin Esther Kamber. Sie ist als Fachperson jeweils in der Tagesstätte präsent und verantwortlich, arbeitet im Team mit und weiss zu handeln, wenn es spezifische Probleme geben sollte.

Und solche scheint es kaum zu geben, wie sich beim Besuch in der Kita zeigt. Man muss schon genau hinsehen, will man bei einem Kind eine Behinderung entdecken. Klar wird es erst, wenn zum Beispiel eines in einen Rollstuhl gesetzt wird.

Der Umgang miteinander ist total unkompliziert: Da sitzen Kinder mit der Betreuerin auf einer Matte, fischen aus einem Sack ein Symbol und erzählen ein dazu passendes Geschichtlein. Das eine Kind kann nicht sprechen. Trotzdem zieht es ein Symbol, die Geschichte dazu erzählt sein Gspänli. So einfach ist das. «Für Kinder ist es normal, verschieden zu sein», erklärt Esther Kamber. «Mittlerweile sehen das auch die Eltern so.»

Wer von wem lernen kann

Versprochen wurde, dass Kinder ohne Behinderung vom gemeinsamen Spiel mit behinderten Kindern profitieren würden. Wie geht das? Beim Zvieri lässt sich beobachten, dass einige Kinder Mühe haben, den etwas flüssigen Joghurt mit dem Löffel zu essen. Das behinderte Kind liefert ihnen die Lösung des Problems: Es setzt den Becher an die Lippen und trinkt den Joghurt.

Ebenfalls versprochen wurde, Hilfsbereitschaft und Vorbildfunktion würden «im besonderen Mass» ausgebildet. Auch dazu eine Beobachtung: Es geht ans Aufräumen der Legosteine, die im Zimmer verstreut sind. Die Betreuerin muss zwar die Kinder immer wieder dazu auffordern, dass alle mithelfen sollen, aber letztlich klappt es. Die Kinder helfen einander, als wären sie nichts anderes gewohnt.

Was sagt der Kanton?

Aus der Sicht der Verantwortlichen der Kita bzw. inKita läuft nach einigen Anpassungen alles so, wie sie es sich gewünscht haben. Das wird durch eine externe Zwischenevaluation so bestätigt. Aber reicht das für die Weiterführung des Projekts? Wie wird es vonseiten des Kantons beurteilt?

«Das Projekt liegt auf unserer Linie. Von daher würden wir es grundsätzlich gerne ins Angebot des Kantons aufnehmen», sagt Kurt Rufer, Leiter Individuelle Leistungen im kantonalen Volksschulamt. «Aber das ist nun mal nicht – oder sagen wir – noch nicht vorgesehen. Die finanziellen Ressourcen sind in der Sonderpädagogik bis ins Jahr 2018 bereits zugeteilt. Spielraum für Neues und Wünschbares ist heute nicht vorhanden.

Das Angebot inKita dürfte ja nicht nur auf die Region Thal und Gäu beschränkt bleiben, sondern müsste im ganzen Kanton zur Verfügung gestellt werden können.» Immerhin kann Rufer ankündigen, dass man das Projekt inKita bis Ende 2015 genauer analysiere und nach Möglichkeiten suche, damit es nach der Pilotphase weitergeführt werden könnte, bis man vonseiten des Kantons einen Entscheid fällen kann.

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