«Catch Up With the Blues» kann in unserem Land nur einer sagen und überzeugend singen: Der Schweizer Philipp «Mr. Blues» Fankhauser mit seiner bluesigen Reibeisenstimme, die wir kennen und lieben. Seit 30 Jahren ist er unterwegs und Anfang Dezember 2017 ist sein 15. Album erschienen: «I’ll Be Around» hat Fankhauser im letzten Sommer in Jackson, Mississippi, aufgenommen.

Und an seinem völlig ausverkauften Neujahrskonzert im Rössli in Balsthal spielte er mit seiner Band fast ausnahmslos Titel seines neuen Albums. Allerdings keineswegs eins zu eins– Blues und Jazz erlauben ja Improvisationen und vor allem improvisierte Soli. So konnten gleich in einem der ersten Stücke des Konzerts Fankhauser selber an der Lead-Gitarre, sein langjähriger Bandkollege und Gitarrist Marco Jencarelli und der Pianist und Hammondorgelspieler Hendrix Ackle ihr live und im Studio erprobtes musikalisches Können in virtuosen, vom Publikum bejubelten Klangeskapaden beweisen.

Neue Töne, neuer Sound

Es ist kein Zufall, dass der Blues-Musiker Philipp Fankhauser in den Zeiten des Internet-Streamings ein neues Album aufgenommen hat, das als «CD, Platte und sogar als Kassette erhältlich ist», wie er es in Balsthal in einer seiner witzigen Ansagen anpries. 1988 hörte er in einer «Black Music Special»-Radiosendung von Christoph Schwegler erstmals von den legendären Malaco Studios in Jackson, USA. Es war und blieb sein Traum, dort Musik zu produzieren und aufzunehmen, doch konnte er diesen Traum erst im letzten Juli verwirklichen. Ebenfalls ganz wichtig: Er brachte zwei Blueslegenden dazu, erstmals zusammen zu arbeiten, Dennis Walker und Wolf Stephenson.

Das Ergebnis? Noch immer finden sich Titel im «herkömmlichen Blues-Style» wie etwa «It Tears Me Up» oder «My Dog and Me», die von Fankhauser und seiner Bluesband nach der Pause gespielt wurden. Aber daneben sind neue Töne, ja sogar ein neuer Sound zu hören. In den bluesigen, swingenden Klangteppich mischen sich prononcierte Soul-Klänge, die im Balsthaler Konzert dem US-Bassisten Angus Thomas ganz besonders lagen.

Und es gibt daneben soulige Back-Vocals, bei Live-Auftritten gesungen vom Pianisten Ackle, vom englischen Drummer George Lawrence und von der Sängerin Lesley Bogaert: Sie unterstützen den neuen Fankhauser-Sound, der sich gerade zu entwickeln scheint, und den Fankhauser «als Startschuss ins Jahr 1 seiner zweiten musikalischen Lebenshälfte» begreift.

Nicht heimatlos

Philipp Fankhausers Musizieren ist tief im Blues verankert. Mit ein paar raschen Gitarrenriffs zeigte er im «Rössli»-Saal, wie diese schwarze Musik einst getönt hat und wie er seinen eigenen Stil entwickelt hat. Dies ist alles andere denn «Homeless», den er als zweiten Song des Abends vortrug und der auch als Single aus dem neuen Album ausgekoppelt worden ist.

Fankhauser und seine Musiker haben diesen Titel nach dem Sound-Check im letzten Juli in Jackson nur kurz angespielt, doch den beiden Produzenten gefiel die Aufnahme ausgezeichnet – sie wollten erstaunlicherweise gar keine Wiederholung. Einiges von dieser Spontanität, die er in den US-Studios bei den alten Routiniers erleben und erfahren durfte, hat Philipp Fankhauser auf seine jetzige Schweizer Konzerttournee mitgenommen.

Witzig, elegant und keineswegs geschmacklos variierte er in einer der Ansagen etwas zweideutigen Dirty Talk: Gerne liessen es sich die Balsthaler gerne gefallen, beim üblichen «Yeah»-Echogesang in «Giele und Ladies» aufgeteilt zu werden.