Wiedererwägung der Werkkommission zur Erstellung eines öffentlichen Parkplatzes auf dem Rauber-Platz: Was auf der Traktandenliste nach einem Geschäft aussah, das im Egerkinger Gemeinderat einfach durchgewinkt wird, entwickelte sich in der Beratung zu einer kontroversen Diskussion bezüglich der Notwendigkeit, neue Parkplätze zu schaffen.

Die Werkkommission hatte ihr Anliegen damit begründet, dass für das umliegende Gewerbe, insbesondere das Coiffeurgeschäft, sowie Berggänger und Besucher der Kirche zu wenige Parkplätze zur Verfügung stünden. Um Abhilfe zu schaffen, schlug die Werkkommission vor, auf dem zwischen dem Gasthof Sternen und der Kirche gelegenen Rauber-Platz zwölf zusätzliche Parkplätze zu schaffen. Die Gelegenheit dazu sei günstig, weil der Rauber-Platz aktuell vom Bauunternehmen als Installationsplatz für die vor dem Abschluss stehende Strassenraumumgestaltung Martinstrasse genutzt werde.

Mehrwert war umstritten

Im Rat wurde moniert, dass damit der Entscheid des Gemeinderats vom Juni 2016, aus Spargründen auf den Bau des Parkplatzes mit zwölf Parkfeldern für 29 000 Franken beim Rauber-Platz zu verzichten, einfach wieder rückgängig gemacht werde. Auch werde dem Leitsatz, in der Gemeinde Grünräume zu erhalten, nicht Rechnung getragen.

Zu befürchten sei ferner, dass die neuen Parkplätze umgehend von Gästen des «Sternen», Kirchenbesuchern oder privaten Nutzern in Beschlag genommen würden. Bestritten war auch deren Mehrwert für die Gemeinde. Im Vergleich mit Hägendorf, wo Berggänger beim Coop parkierten, sei der Weg zum Wanderweg in Egerkingen bei einer Nutzung der Parkplätze bei der Alten Mühle nicht länger und damit zumutbar. Wünschenswert sei ohnehin eine Anreise mit dem öV.

Obwohl sich der Rat in der Sache nicht wirklich einig war, wurde in der Folge dennoch dem Wiedererwägungsantrag der Werkkommission mit 5 gegen 3 Stimmen zugestimmt. Dies, nachdem Gemeindepräsidentin Johanna Bartholdi erklärt hatte, dass der Rauber-Platz nicht zu den vom Gemeinderat definierten Grünzonen gehöre und der Kredit für die Strassenraumumgestaltung Martinstrasse unterschritten werde.

Finanziell sei es somit möglich, den Parkplatz innerhalb des erwähnten Kredits zu realisieren. Die Gemeindeversammlung hatte im Juni 2016 einen Kredit von 775 000 Franken gesprochen, die Kirchgemeinde beteiligt sich an den Kosten mit rund 80 000 Franken.

Rat legt Kostendach fest

Der Gemeinderat legte allerdings ein Kostendach von 15 000 Franken fest für eine einfache Ausführung des Parkplatzes mit einem Kiesbelag. Wenn die in Auftrag gegebene Offerte diesen Rahmen nicht sprengt, soll der Parkplatz gebaut werden. Nach der Fertigstellung soll die Kirchgemeinde um einen Beitrag an die Baukosten angefragt werden.

Für die 12 Parkplätze wird etwa ein Drittel der Fläche des Rauber-Platzes benötigt. Für die Zufahrt muss ein Baum gefällt werden, wie erwähnt wurde. Der Rest des Platzes mit Brunnen bleibt in der bisherigen Form erhalten. Die Werkkommission wurde zudem damit beauftragt, sich Gedanken über eine mögliche Bewirtschaftung des neuen Parkplatzes zu machen. Über eine allfällige Umsetzung soll erst entschieden werden, wenn erste Erfahrung mit der Nutzung des Parkplatzes vorliegen. Eine Asphaltierung des Parkplatzes soll im Zuge der Sanierung der in Richtung Fridau führenden Vorstadt durch den Kanton ins Auge gefasst werden.

Bauboom hält weiter an

Einig war sich der Gemeinderat hingegen bezüglich der Erschliessung des Gebiets Holenbaumacker, wo sich mehrere unbebaute Grundstücke befinden. Dort sollen im kommenden Jahr zwei Mehrfamilienhäuser mit insgesamt 32 Wohnungen gebaut werden, was im Gemeinderat mit Blick auf die derzeit sehr rege Bautätigkeit und die insgesamt rund 80 leer stehenden Wohnungen im Dorf Sorgenfalten auf die Stirn treibt. Der Erschliessung des Gebietes soll über zwei rund 36 Meter langen Stichstrassen erfolgen. Bei der Schmittenstrasse handelt es sich um eine Verlängerung, bei der Müslimattstrasse um eine neue Strasse.

Für die Erschliessung des Gebiets inklusive Landkauf für die erwähnten Stichstrassen fallen Kosten in der Höhe von 425 000 Franken an, welche von Gemeinderat und Gemeindeversammlung verabschiedet werden müssen. Im Rat wurden Zweifel laut, ob der Souverän diesen Kredit spreche. Die Leute hätten genug vom ungebremsten Bau von weiteren Mehrfamilienhäusern, so eine Stimme im Gemeinderat.

Johanna Bartholdi gab zu bedenken, dass die Gemeinde verpflichtet sei, Erschliessungen für regelkonforme Bauprojekte in anerkannten Bauzonen zu realisieren. Ausserdem würden rund 80 Prozent der Kosten via Perimeterbeiträge wieder zurück in die Gemeindekasse fliessen.