Pandemie gibt Märet etwas Aufwind

Der Wochenmarkt in Balsthal gibt es seit mehreren Jahrzehnten. Wie ist er nach der Winterpause wieder angelaufen? Ein Besuch.

Rahel Bühler
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Den Balsthaler Wochenmarkt gibt es seit mehreren Jahrzehnten. Dafür wird die Goldgasse am Freitagvormittag gesperrt. Annemarie Zumbach aus Huttwil verkauft Blumen und Setzlinge. Die Langenthalerin Silvia Kuert kommt seit 38 Jahren nach Balsthal.
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Den Balsthaler Wochenmarkt gibt es seit mehreren Jahrzehnten. Dafür wird die Goldgasse am Freitagvormittag gesperrt. Annemarie Zumbach aus Huttwil verkauft Blumen und Setzlinge. Die Langenthalerin Silvia Kuert kommt seit 38 Jahren nach Balsthal.
Den Balsthaler Wochenmarkt gibt es seit mehreren Jahrzehnten. Dafür wird die Goldgasse am Freitagvormittag gesperrt. Annemarie Zumbach aus Huttwil verkauft Blumen und Setzlinge. Die Langenthalerin Silvia Kuert kommt seit 38 Jahren nach Balsthal.

Den Balsthaler Wochenmarkt gibt es seit mehreren Jahrzehnten. Dafür wird die Goldgasse am Freitagvormittag gesperrt. Annemarie Zumbach aus Huttwil verkauft Blumen und Setzlinge. Die Langenthalerin Silvia Kuert kommt seit 38 Jahren nach Balsthal.

Bilder: Patrick Lüthy

«Guten Morgen, Frau Hofer.» Silvia Kuert begrüsst viele ihrer Kundinnen und Kunden mit Namen. Seit 38 Jahren kommt die 60-jährige Langenthalerin nach Balsthal an den Wochenmarkt. Sie verkauft Gemüse und Früchte von ihrem Hof.

Am vergangenen Freitagmorgen ist es ruhig an der Goldgasse. Vereinzelt sind Menschen unterwegs. Viele laufen vorbei. «Die Leute müssen zuerst wieder wissen, dass der Markt stattfindet», sagt Kuert und packt Nüsslisalat in einen Plastiksack. Der Märet findet immer am Freitagvormittag statt. Bis 7 Uhr stellen Werkhofmitarbeiter die Stände auf. Ab 8 Uhr sind sie bereit für den Verkauf. Von Dezember bis Ende Februar ist der Markt in der Winterpause. «Wir können unsere Ware nicht bei Minustemperaturen ausstellen», sagt Annemarie Zumbach aus Huttwil. Dazu kam heuer noch die Coronapandemie. Zumbach verkauft Blumen, Dekorationen und Setzlinge. Sie kommt seit über zehn Jahren an den Märet. Früher hatte sie ein Blumengeschäft, heute fährt die 70-Jährige nur noch zum Markt: «Ich möchte so meine Ware unter die Leute bringen.» Das funktioniere ganz gut. Wie viel sich verkaufen lässt, hänge stark vom Wetter ab.

Neben den Ständen von Kuert und Zumbach steht seit vergangenem Mai jeweils jener der Klostermetzgerei Haas aus St. Urban. Hinter der Theke steht zum zweiten Mal Fleischfachfrau Priska Amberg. «Bisher laufen die Geschäfte gut.»

Gemeindepräsident: «Markt ist Tradition»

Die Coronapandemie habe dem Markt gutgetan, sind sich Kuert und Zumberg einig. Trotz Maskenpflicht und Beschränkungen, wie viele Personen an einem Stand stehen dürfen. Kuert: «Viele junge Leute kaufen seither wieder mehr frisches Gemüse und Obst ein. Das war vorher nicht der Fall.»

Den Markt gibt es seit mehreren Jahrzehnten. Früher war er grösser. «Mittlerweile sind viele Marktfahrer pensioniert», sagt Kuert. Zumbach ergänzt: «Und die Jungen kommen nicht regelmässig hierher.» Pierino Menna, Gemeindepräsident von Balsthal, sieht noch einen weiteren Grund, warum der «Märet» nicht mehr Marktfahrer anzieht: «Bei uns brauchen sie Geduld, bis sie ihre Umsätze erzielen. Sie gehen wahrscheinlich lieber an die grossen Märkte mit viel Laufkundschaft.» Als Beispiel dafür nennt er den Solothurner Wochenmarkt, der jeweils samstags stattfindet. Das sei eine riesige Konkurrenz.

Auffallend: Am vergangenen Freitag war keiner der Marktfahrer aus der Region. Auch das habe mit der niedrigeren Laufkundschaft zu tun, sagt Menna.

Der Markt ist laut ihm zwar nicht besonders bekannt, geniesst aber eine hohe Beliebtheit bei der Bevölkerung, die von ihm weiss. «Er hat eine treue Stammkundschaft.» Eine regelmässige Einkäuferin ist Verena Büttler aus Mümliswil: «Ich möchte die Marktfahrenden unterstützen. Ich finde es schön, kommen sie hierher.»

Den Markt vergrössern sei derzeit kein Thema. Denn auf der Goldgasse ist der Platz beschränkt. «Bereits jetzt fragen sich manche Anwohner, wieso denn die ganze Gasse am Freitagmorgen gesperrt werden muss», sagt er. Das sei wegen der Sicherheit so: Es sei zu gefährlich, wenn neben den einkaufenden Marktbesucher Autos vorbeifahren würden. Zudem gäbe es diesbezüglich einen Regierungsratsbeschluss. Menna plant, mit den Anwohnern bald wieder einmal das Gespräch zu suchen und ihre Anliegen aufzunehmen.

Die Gemeinde möchte den Markt also nicht vergrössern, aber unbedingt erhalten: «Ich bin froh, gibt es diese Tradition im Dorf noch. Denn alles, was abgeschafft wird, hinterlässt eine Lücke, die nur schwierig zum Füllen ist.» Dabei denkt der Gemeindepräsident zum Beispiel an die 1.-August-Feier, die heute kleiner ist als früher. Und auch Marktfahrerin Zumberg sagt: «Den Kontakt mit den Kunden und das Handeln würde ich vermissen, wenn es den Markt nicht mehr gäbe.»