Egerkingen

«O’zapft is» – wo Mütter mit ihren Töchtern tanzen

Bereits zum 14. Mal lädt der Gäupark in Egerkingen Jung und Alt zum Schunkeln und Krüge-Heben am Oktoberfest ein.

«Die Krüge hoch!», befiehlt die deutsche Oktoberfest-Band Freibier. Das Publikum ist folgsam: Die Krüge werden hochgestemmt und zusammen wird gesungen: «Ein Prosit der Gemütlichkeit». Es wird angestossen, ein gemeinsames «Prost» erfüllt das Partyzelt. Kurz herrscht Stille, während jeder der rund 1000 Gäste einen grossen Schluck nimmt. Dann werden die Gläser wieder abgestellt, das nächste Stück wird gespielt und ein jeder tanzt weiter. Ob auf dem Boden oder auf den Bänken: Kein Bein bleibt ruhig.

Die Szene könnte glatt aus München stammen, der Geburtsstadt des Oktoberfests. Dort gehört die «Wiesn» seit 200 Jahren fest zur Tradition. Doch auch hier hält der Anlass Einzug: Seit 14 Jahren feiert man nämlich auch beim Gäupark in Dirndl und Lederhosen. Vor drei Jahren wechselte das Festzelt vom Parkplatz vor dem Einkaufscenter auf die Wiese neben dem Kreisel, also wortwörtlich auf die «Wiesn». Am Freitag und Samstag ging es los. Diese Woche gibt es die Wiederholung, am 5. und 6. Oktober heisst es erneut: «O’zapft is».

Zurück zur Tradition

«Früher waren wir musikalisch party-mässiger unterwegs», so André Brönnimann von der Trend-Fabrik, der das Fest alljährlich zusammen mit Gäupark-Leiter Benny Brückner auf die Beine stellt. «Seit drei Jahren greifen wir wieder vermehrt auf die Tradition zurück.» Dazu gehört unter anderem auch, dass die Frauen ein Dirndl und die Männer Lederhosen tragen. «Egal wie alt oder gross, ob dick oder dünn, in einem Dirndl sieht einfach jede Frau gut aus», schwärmt eine Besucherin.

Um es den Männern beim Flirten etwas einfacher zu machen, gibt es übrigens einen Trick: Trägt die Frau die Schleife der Schürze auf der rechten Seite, ist sie vergeben. Trägt sie die Schleife links, ist sie single. Auch in weiteren Traditionen steht Egerkingen der bayerischen Hauptstadt in Nichts nach: Das Zelt ist mit Lebkuchenherzen dekoriert, zur Stärkung gibts Haxn, Brezn oder Hendl, die Band schmettert den typischen Wiesn-Song «Que Sera Sera» von Doris Day. Natürlich kennt das Publikum den Text und singt lautstark mit.

Ebenfalls nicht fehlen darf das Bier im Masskrug. «In den vier Tagen schenken wir rund 10'000 Liter Bier aus», sagt Brönnimann. Eine vollautomatisierte Tankanlage sorgt dafür, dass sich dieser logistische Aufwand bewältigen lässt. Für das leibliche Wohl ist das Migros-Catering zuständig. «Ohne die rund 60 Helferinnen und Helfer wäre der Anlass nicht möglich», so Brönnimann. «Mittlerweile sind wir alle ein eingespieltes Team. Es sind jedes Jahr die gleichen Helfer.»

Statt getwerkt wird geschunkelt

Die Altersspanne des Publikums ist gross. «Egal, ob meine Eltern oder meine Kollegen kommen, alle finden es toll hier», sagt Brönnimann. Die Oktoberfest-Stimmung ist eben generationenübergreifend. Und das sieht man auch im Festzelt: Hier tanzt eine Mutter mit ihrer Tochter, dort schunkelt ein älterer Herr Seite an Seite mit einem Teenager.

Daher kommt auch der Erfolg des Anlasses, vermutet der Organisator. Es sei eben nicht der typische Ausgang, es werden keine Hop-Hop-Hits von Justin Bieber oder Kanye West gespielt, statt getwerkt wird geschunkelt. Das Ende des Fests bestätigt, dass der Anlass im Gäu beliebt ist: «Kann man schon Tickets fürs nächste Jahr kaufen?», fragt ein Besucher beim Verlassen des Zelts.

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