Ostern im Thal-Gäu
Von Hasen und Eiern auf Landkarten - eine Suche nach österlichen Flurnamen

Ostern und damit verbundene Traditionen begleiten uns das ganze Jahr: als Namen von Strassen, Gebieten und Sehenswürdigkeiten im Gäu und im Thal.

Rahel Bühler
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Das Osterloch in Balsthal hat den Namen wahrscheinlich nicht vom Feiertag, sondern von der Himmelsrichtung Osten. Auch wenn die Öffnung Richtung Südosten zeigt.

Das Osterloch in Balsthal hat den Namen wahrscheinlich nicht vom Feiertag, sondern von der Himmelsrichtung Osten. Auch wenn die Öffnung Richtung Südosten zeigt.

Bruno Kissling

Hasen aus Schokolade, Eier aus buntem Zuckerguss, hartgekochte, in weitere Farbe getunkte Eier zum «Tütschen». In den vergangenen Tagen und Wochen waren sie überall anzutreffen. In allen Grössen, Formen und Geschmäckern.

Eier und Hasen sind zwei Dinge, die man mit Ostern verbindet. Eigentlich sind sie aber ständige Begleiter im Gäu und im Thal. Das verrät ein Blick auf die Flurnamen in den beiden Bezirken. Ein Flurname ist eine feste Bezeichnung für einen Teil der Flur, also für ein Gebiet oder eine Strasse.

Beginnen wir mit Namen in Kombination mit Ostern: «Flurnamen mit österlichen Verbindungen finden wir im Kanton Solothurn selten», schreibt Jacqueline Reber, Leiterin der Forschungsstelle «Solothurnisches Orts- und Flurnamenbuch», in einem Artikel, den diese Zeitung vor neun Jahren publiziert hat. Das dürfte sich seither kaum verändert haben, bleiben doch Strassen- und Ortsnamen oft gleich.

In Balsthal gibt es das Osterloch: Eine Höhle am Fusse der Holzfluh, einem Aussichtspunkt nördlich der Thaler Bezirkshauptstadt.

Wandermagazine beschreiben den Aufstieg zum Loch als sehr steil und heikel bei Nässe. Bis Ende Juni gilt ein Kletterverbot. Wie die kleine Sehenswürdigkeit ihren Namen erhielt, ist nicht belegt. Sie werde zwar einer antiquarischen Korrespondenz von 1864 erwähnt, genaueres ist aber nicht bekannt, schreibt Reber.

Schon Elisabeth Pfluger hat sich mit dem Osterloch beschäftigt

Die Egerkinger Sagensammlerin Elisabeth Pluger nahm sich 1972 dem Osterloch an. Sie schreibt: Sogenannte Härdlütli verschwanden einst ins Osterloch, nachdem sie auf einem Hof unterhalb der Holzfluh ausgeholfen hatten. Seither wurden die geheimnisvollen Helfer in Balsthal nie mehr gesehen. 2011 unternahmen Balsthaler Dritt- und Viertklässler einen weiteren Erklärungsversuch:

«Weil der Osterhase da drinnen gewohnt hat und seine Schokohasen und Eier dort versteckt»,

lautet eine der Vermutungen. Eine andere: «Weil die Höhle die Form eines liegenden Ostereis hat.» So steht es geschrieben in der «Bauschtler Gschichte» von 2011.

Ortsnamen.ch, das Portal der schweizerischen Ortsnamenforschung, schreibt dazu: «Oster-Namen werden aufgrund ihrer Klangähnlichkeit oft mit Ostern in Verbindung gebracht, in der Regel aber verweisen Namen mit dem Element ‹oster› auf eine östliche Exposition.» Folgt man dieser Erklärung, haben Namen mit Ostern also nichts mit dem Christlichen Fest, sondern mit der Himmelsrichtung Osten zu tun. Bei einem Besuch des Balsthaler Osterlochs stellt man aber fest, die Öffnung des kleinen Wahrzeichens zeigt eher in südöstliche, denn in östliche Richtung.

Weiter geht es mit Hasen in Namen: In Balsthal gibt es den Hasenweg und den Hashofweg. In Herbetswil den Hasenlauf. In Gänsbrunnen schliesslich den Hasenmatthof. Das sind alles Strassennamen, die heute noch bestehen. Früher gab es auch noch Landstücke mit Hasennamen. So zum Beispiel die Hasenei in Aedermannsdorf oder Matzendorf. Das Forschungsportal für Ortsnamen deutet Hasen-Namen wie folgt: «Land im Besitz einer Person namens Haas.» Hasennamen könnten demnach vor allem in Verbindung mit dem Familiennamen stehen. Oder auch mit dem Tier.

Ei bedeutet «Land am Wasser» oder «Eiche»

Im Wort Hasenei versteckt sich ein weiterer österlicher Name: Ei. Laut ortsnamen.ch bedeutet das «Land am Wasser». Oder der Name ist eine Kurzform für Eiche, den Baum. Und hat damit nichts mit Hühnereiern oder Schokolade zu tun. Eier-Namen finden sich im Thal-Gäu: In Egerkingen gibt’s die Eigasse. Früher gab es eine Ei – oder Ey – zum Beispiel in Oensingen. In Wolfwil gab es eine vordere und eine hintere.

Zum Herausfinden, in welchen Zusammenhang eine Eigasse stehen könnte, schreibt Reber: «Meist ist die Realprobe hilfreich, bei der man erkennen kann, ob es sich um eine Matte in Wassernähe handelt oder um eine Flur, die von Eichen umgeben ist oder war.»

Abschliessend lässt sich festhalten: Auch wenn die Eigasse, der Hasenweg und das Osterloch auf den ersten Blick an Eiersuchen, Schokoladenhasen und Ostern erinnern, sieht die Realität anders aus.

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