Wolfwil
Originelle Rezepte für die Liebe und das Leben

Das Komikerinnenduo Fonzzis trat mit seinem Programm «Mozzarelle svizzere» am Kulturapéro in der Pfarrschüür auf.

Urs Amacher
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Viola Barreca (l.) und Lorena Jovanna am Kulturapéro in Wolfwil.

Viola Barreca (l.) und Lorena Jovanna am Kulturapéro in Wolfwil.

Urs Amacher

Viola Barreca und Lorena Jovanna, die beiden Akteurinnen von Fonzzis, haben Wurzeln in Italien. Ihre Eltern emigrierten aus existenziellen Gründen in die Schweiz, nach Chur und Uster. Und wenn man die Secondas als italienische Weichkäsekugeln «Mozzarelle» verspottet, nehmen sies mit Humor und drehen es um zum Titel ihres aktuellen Programms «Mozzarelle svizzere». Gleichzeitig schufen sie für die Bühne zwei Figuren, Concettina und ihre Schwester Maria Pia, die eine im roten Kleid, die andere in Kochmütze und grünem Kleid mit weissen Tupfen, ganz wie bei der italienischen Tricoloreflagge Kunstfiguren (Buch und Regie: Ferruccio Cainero).

Italien und die Italianità sind deshalb immer ein Thema. Und natürlich die italienische Küche. So ist denn das alte Rezeptbuch der Urgrossmutter, «Le ricette della nonnetta», das wichtigste Requisit beim Auftritt in der Pfarrschüür vom vergangenen Sonntag.Concettina (Lorena Jovanna) hat vor allem den Part der Sängerin. Sie eröffnete das «Liedermenü zwischen Dolce Vita und Zusatzversicherung», wie es auf dem Ankündigungsplakat hiess, mit dem Song «Angelina» von Louis Prima. Louis Prima – ein Italo in Amerika wie Concettina eine Itala in Svizzera – besingt in diesem jazzigen Lied der Vierzigerjahre die Serviertochter in der Pizzeria: «I eat antipasta twice, just because she is so nice. Angelina».

Um die zwei wichtigsten Dinge im Leben, um die Liebe und das Essen, ging es denn auch im ganzen Programm. Maria Pia (Viola Barecca), die mehr humoristische Hälfte des Duos Fonzzis, las aus Urgrossmutters Kochanleitungen vor und leitete die neapolitanischen Originalrezepte mit Geschichten aus dem Leben ein.

Nicht zur Nachahmung empfohlen

So stellte sie fest, dass die Anspannung nachlässt, wenn man sich einen Mann geangelt hat. Das heisst, es entspannt sich alles, beklagte sie: die Haut, der Busen, der Po. Damit aber der Angetraute nicht andern Frauen nachgucke, empfiehlt die Nonnetta ein wirksames mediterranes Rezept. Man erhitze fein gehackte Zwiebeln und Knoblauch in reichlich Öl. Steckt nun der Gatte die Nase in den Topf, um sich an den Wohlgerüchen zu ergötzen, kippe frau flink ein Glas Wasser ins kochende Öl. Das Opfer wird keinem Rock mehr nachschauen und auch die schleichend nachlassende Spannung an der eigenen Frau nicht mehr wahrnehmen, sondern sie in alter Schönheit in Erinnerung behalten. So lautete jedenfalls Maria Pias Schlussfolgerung. Derart schwarz kam der Humor sonst nicht daher. Durchaus aber nachdenklich, ist Essen doch auch ambivalent.

Die Jugenderinnerungen der Schwestern an die Urgrossmutter verkörpern sich in deren Händen. «Die Hände der Nonnetta rochen nach frischen Kräutern, nach Majoran und Oregano», schwärmte Concettina. «Ja, ja» befand Maria Pia, aber es sind die selben Hände, die den Hühnern den Hals umdrehten und die Schweine stachen. Die Würste wachsen bekanntlich nicht auf den Bäumen . . .

In Erinnerungen geschwelgt

Genauso wie im Lied des Cantautore Fabrizio De André, das Concettina anstimmte: «Dai diamanti non nasce niente, dal letame nascono i fior» – auf Diamanten wächst nichts, auf dem Mist hingegen wachsen die Blumen. Apropos Kindheitserinnerungen. Als Violetta und Lorena Jugendliche waren, gab es jene modernen Maissnacks mit Käsegeschmack, die «Fonzies». Von ihnen liessen sich die Künstlerinnen für ihren Namen inspirieren.

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