Gäu
Orgel-Velotour durchs obere Gäu gewährte interessante Einblicke

Wie klingt das Instrument in Kestenholz, Niederbuchsiten, Neuendorf, Härkingen, Egerkingen und Oberbuchsiten? Am Bettag konnte dies auf Einladung der Katholischen Arbeitnehmer-Bewegung Kestenholz in den Gotteshäusern der Gemeinden erfahren werden.

Urs Amacher
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Beat Henzirohs an der Orgel in Niederbuchsiten
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Der Velotross in Egerkingen
Dieter Bürgi an der Orgel in Kestenholz
Dieter Bürgi an der Orgel in Neuendorf
Velowandern mit Orgelbesichtigung im Gäu
Monika Villanpara an der Orgel in Härkingen

Beat Henzirohs an der Orgel in Niederbuchsiten

Urs Amacher

«Das Gäu verfügt über gute Orgeln, gute Organisten und gute Velofahrer», lautete das Fazit, das Beat Schürmann, Präsident der Katholischen Arbeitnehmer-Bewegung (KAB) Kestenholz, am Bettagabend ziehen konnte. Zusammen mit dem Organisten Dieter Bürgi hatte die KAB eine Orgel-Velotour durchs obere Gäu organisiert. Rund vierzig Radlerinnen und Radler nahmen daran teil und erfuhren in sechs Kirchen etwas über deren Geschichte sowie die Pfarrei und konnten einem kurzen Orgelkonzert lauschen.

In Kestenholz, wo die Tour startete, lehnt sich das neubarocke Kirchenschiff von 1904/05 an den Kirchturm aus dem Jahre 1643. Der Kirchenraum hat einen sehr langen Nachhall von fünf Sekunden. Als Kestenholz 1980 eine neue Kirchenorgel erhielt, passten die Orgelbauer der Firma Mathis Näfels das Instrument entsprechend dem Gotteshaus an. Eigentlich setzt sich die Kirchenorgel aus drei Orgeln zusammen, erklärte Dieter Bürgi. Sie besteht aus dem Prospekt, das heisst dem sichtbaren Hauptwerk, zudem aus dem dahinter versteckten Schwellwerk und einem tieftönigen Pfeifensatz, der mit den Füssen gespielt wird.

Das Kestenholzer Exemplar hat also zwei Manuale (mit «Klaviertasten»), je eines für das Haupt- und das Schwellwerk sowie das mit den Füssen traktierte Pedal. Beim Spielen kann der Organist zudem den Tremulant einschalten, der für ein Vibrato (Schwingen) in den Tönen sorgt, oder mit einem Fusshebel (Schweller) die Lautstärke variieren. Seine Erklärungen illustrierte Bürgi mit Musikbeispielen. So intonierte er das «Air» von Johann Sebastian Bach.

Bürgi führte dann auch die Orgel in Neuendorf vor, wo er während zwanzig Jahren als Organist gewirkt hatte. In Neuendorf sind die Orgelpfeifen in einen grossen Kasten, der als Schallkörper dient, eingeschlossen. Und als Spezialität verfügt diese Orgel über einen Satz Sifflöten (Orgelpfeifen in der Klangfarbe von Signalpfeifen). Insgesamt hat das Instrument 24 Register. Jedes bezeichnet eine Klangfarbe der Orgelpfeifen, von Trompete über Fagott zu Gemshorn. Für jede Klangfarbe gibt es – entsprechend der Anzahl Tasten auf dem Manual - 56 Orgelpfeifen. Die Tonhöhe wird durch die Länge der Pfeife bestimmt, in Neuendorf erreicht die längste 16 Fuss, was rund 4,8 Meter entspricht. Bei der Sifflöte misst die längste Flöte dieses Register nur einen Fuss und bildet den Ton C.

In Niederbuchsiten ist Organist Beat Henzirohs Herr über drei Tasteninstrumente: ein Klavier, eine alte pneumatische Orgel und eine neue elektronische Orgel aus dem Jahre 2010.

Härkingen erhielt 1955 eine neue Kirche, vier Jahre später baute die Firma Kuhn Männedorf eine Orgel mit rund 1200 Pfeifen ein. Organistin Monika Villanpara öffnete das Instrument, sodass man das Innenleben der Orgel sehen konnte, so den Blasebalg oder die ausgeklügelte Mechanik, um die Register und Orgelpfeifen anzusteuern. Villanpara hatte auch Bestandteile mitgebracht und führte beispielsweise die Metall- oder Fichtenholzpfeife sowie die halbierte, dafür mit einem Deckel oben abgeschlossene, «gedackte», Pfeife vor. In Egerkingen wirkt ebenfalls Monika Villanpara. Wie auch Beat Henzirohs in Niederbuchsiten, erfreute Villanpara die Zuhörerinnen und Zuhören sowohl in Härkingen wie in Egerkingen mit einem Orgelwerk.

Am Ziel der Orgel-Velotour in Oberbuchsiten konnte Paul von Arb den Interessierten die grösste Kirchenorgel des Gäu präsentieren. Sie umfasst neben dem Hauptwerk zwei weitere Werke, also über drei Manuale und ein Pedal. Die Klangfarben können mit 33 Registern variiert werden, über die Sifflöten im Ein-Fuss-Register verfügt die Orgel allerdings nicht. Die insgesamt 2624 Orgelpfeifen werden elektrisch angesteuert. «Die Kunst besteht darin, die Register so zusammenzustellen, dass man die Möglichkeiten dieser Orgel gut ausnützen kann», erklärte Paul von Arb. Auch er gab ein Barockstück zum Besten und bezog am Schluss die Gäste mit ein, indem sie den Schweizerpsalm sangen und er auf der Orgel dazu improvisierte.