Oensinger
Önsopoly: Wenn die eigene Gemeinde im Rahmen einer Projektarbeit zum Brettspiel wird

Der Oensinger Kreisschüler Loris Wechsler stellt eine aussergewöhnliche Projektarbeit vor: Önsopoly.

Patrik Lützelschwab
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Der 15-jährige Loris Wechsler hat als Projektarbeit das «Önsopoly» erfunden und realisiert.

Der 15-jährige Loris Wechsler hat als Projektarbeit das «Önsopoly» erfunden und realisiert.

Patrick Lüthy

Wer kennt es nicht, das weltberühmte Brettspiel, in welchem Immobilien gekauft werden können und bei dem derjenige leer ausgeht, der am Schluss am wenigsten Geld hat. Die Rede ist natürlich von Monopoly. Mittlerweile gibt es das weltberühmte Brettspiel in so vielen Varianten und auch mit vielen Schweizer Städten wie Bern, Basel, Luzern, St.Gallen und sogar Olten. Ein Monopoly über Oensingen – das gab es bisher aber noch nicht. Jedenfalls nicht offiziell und unter dem Namen Monopoly.

Aber jetzt existiert das «Önsopoly». Dessen Urheber und Erfinder ist der 15-jährige Loris Wechsler, ein Schüler der Kreisschule Bechburg Oensingen. Der Neuntklässler hat das Gesellschaftsspiel im Rahmen einer selbstständigen Projektarbeit entwickelt und auch produziert – samt Spielanleitung.

Jeder Schüler im Kanton Solothurn, der das neunte Schuljahr besucht, muss innerhalb von zehn Wochen eine Projekt arbeit zu einem Thema verfassen, das er frei wählen kann. Die Arbeit von Loris Wechsler beschreibt Rita Haefeli, Schulleiterin und Fachlehrerin als besonders gut gelungen.

Begeistert von Oensingen und vom Monopoly

Doch wie funktioniert und was ist eigentlich ein «Önsopoly»? Auf die Frage, wie alles begann, antwortet der 15-jährige Schüler: «Ich wollte unbedingt etwas über meine Heimatgemeinde Oensingen machen.» Hinzu kommt, dass Loris ein begeisterter Monopoly-Fan ist, was ihn dazu inspirierte das «Önsopoly» zu realisieren. «Önsopoly» weist grosse Parallelen zum ­Original auf, jedoch ist es mit zusätzlichen und eigenen Spielmechanismen versehen. Wichtig war es Wechsler vor allem, dass der Spieler mit Hilfe von «Ön­sopoly» die Gäuer Gemeinde durch das Spiel kennen lernt. «Man lernt etwas über Oensingen, die Vereine, die Bürgergemeinde, die Traditionen, die Sehenswürdigkeiten und die Geschichte», schildert der Kreisschüler. Das sind, laut Wechsler auch die grössten Unterschiede zum Original. Wie alle anderen Schülerinnen und Schüler hatte auch Wechsler eine Zeitspanne von zehn ­Wochen für die Projektarbeit zur Verfügung. Jeden Freitag­nachmittag arbeiteten die Neuntklässler an ihren Projekten, doch dann kam im März der nationale Lockdown und die Schulen mussten ihre Pforten schliessen.

Für Oensingen spezielle Spielregeln erfunden

Acht Wochen lang arbeitete der 15-Jährige von zu Hause aus an seinem Projekt weiter. «Das Spielbrett und die Figürchen habe ich zuvor noch in der Schule gemacht. Das Geld und die Kärtchen habe ich dann zu Hause hergestellt», sagt der junge Oensinger. Das Spielbrett sieht sehr hochwertige aus. Alles ist sauber gedruckt, von den Fotos bis hin zu den Spielfeldern. Auf den Fotos sind die Liegenschaften zu sehen, die ersteigert werden können: der Bahnhof, die Post und natürlich auch das Oensinger Wahrzeichen, das Schloss Neu-Bechburg. «Die Fotos habe ich auf dem Programm Adobe Illustrator bearbeitet und einer Druckereifirma zugeschickt», erklärt der Schüler sein Vorgehen. Ebenfalls gedruckt wurden die Frage- und Chancenkarten wie auch das «Oensingerli», die Währung im Spiel. Anders als im Original weist ein «Frogechärtli» verschiedene Antwortmöglichkeiten auf. Beim «Chancen-Chärtli» hingegen handelt es sich um eine Karte, bei welcher der Spieler entweder «Oensingerli» verdient oder verliert.

Ende März musste Loris Wechsler seine Arbeit abgeben. Zusätzlich zum Brettspiel ­verfasste er eine umfangreiche Dokumentation von 28 Seiten. Darin beleuchtet er, wie alles seinen Lauf nahm, wie er das Spielbrett und Karten entworfen und letztlich umgesetzt hat. ­Dabei protokollierte er jeden Tag, wie weit er gekommen war und wie sein aktueller Stand aussah.

Eine Arbeit ohne Schwierigkeiten gibt es praktisch nicht. «Das Programm Illustrator habe ich vorher noch nie verwendet und dabei viel Neues gelernt», sagt der 15-Jährige, der sich vorher lediglich im Word-Programm auskannte. Spass gemacht habe ihm auch, dass er durch das Spiel und die intensive Arbeit viel Wissen über Oensingen, dessen Geschichte und Traditionen sich hat aneignen können.

Über den Sinn und Zweck von Projektarbeiten

Die Präsentation hielt der Schüler auf Grund der Hygienerichtlinien nur vor zwei Lehrpersonen ab. Wichtig ist bei der selbstständigen Arbeit, dass die Schüler, wie es der Titel der Arbeit schon suggeriert, lernen sich eigenständig Informa­tionen zu beschaffen. Dass sie Arbeitsschritte planen, das ­Projekt in der zur Verfügung stehenden Zeit zum Abschluss zu bringen und falls nötig Hilfe zu holen, betont Schulleiterin Haefeli. «Es dient aber auch als eine Art Vorbereitung auf das, was nachher kommt. Zum Beispiel eine Vertiefungsarbeit während einer Lehre.» Auch für weiterführende Schulen sei es von Vorteil, wenn die Schüler den Umgang mit Projektarbeiten kennen lernen.