Oensingen
Ohne Lotsen: Ist die Situation für Fussgänger wirklich zu gefährlich?

Seit dieser Woche müssen Kinder, die auf ihrem Schulweg ins Oensinger Schulhaus Oberdorf die Haupt- bzw. Kantonsstrasse im Bereich Roggenpark überqueren, ohne Lotsen auskommen. Eltern sind besorgt.

Alois Winiger
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Hauptstrasse Höhe Roggenpark: Drei Mittelinseln bzw. Fussgängerstreifen stehen auf einer Distanz von 120 Metern zur Verfügung. wak

Hauptstrasse Höhe Roggenpark: Drei Mittelinseln bzw. Fussgängerstreifen stehen auf einer Distanz von 120 Metern zur Verfügung. wak

Alois Winiger

Nur gerade zum Schulanfang waren die Übergänge während einiger Tage durch einen Lotsendienst gesichert worden.

Nun reklamieren einzelne Eltern sowie der Elternrat, es sei unverantwortlich vonseiten der Gemeinde, die Schüler eine so stark – insbesondere von Lastwagen – befahrene Strasse ohne Führung überqueren zu lassen. Man ist zudem überzeugt, den Übergang mit einer Lichtsignalanlage zu sichern, wie das bis vor wenigen Jahren der Fall war, wäre nach wie vor das beste. Ferner wird bemängelt, die neu geschaffenen Mittelinseln seien keineswegs so grosszügig ausgefallen wie angekündigt. «Man hat uns versprochen, dass wir vom Elternrat bei den Besprechungen zur Sicherung des Schulwegs mit einbezogen würden. Leider war das nicht der Fall», klagt Renate von Allmen, Vorstandsmitglied des Elternrats (siehe Text neben dem Bild).

Kommunikation verbessern

Die Kommunikation sei bestimmt noch verbesserungswürdig, räumt Peter Saner ein, der neue Leiter Verwaltung und Kommunikationsverantwortliche der Gemeinde Oensingen. «Ich habe mit dem Elternrat einen Termin vereinbart, damit sich die verschiedenen Parteien austauschen können.» Konstruktiven und umsetzbaren Vorschlägen gegenüber sei die Verwaltung offen.

Elternrat: «Es wird immer schwieriger, Leute zu gewinnen»

Der Elternrat Oensingen der Unterstufe besteht aus je zwei Delegierten aus allen Klassen. Elf Personen bilden den Vorstand, dazu gehören (ohne Stimmrecht) eine Lehrperson und ein Mitglied der Schulleitung. «Es ist eine gute Sache», sagt Vorstandsmitglied Renate von Allmen, «aber es ist halt wie überall in den Vereinen: Es braucht Leute, die sich nicht nur mit Worten engagieren. Und diese zu finden, wird immer schwieriger.» Ist dann eine Person für den Elternrat gewonnen, komme es oft vor, dass sie sich bald wieder zurückzieht. «Meist aus Enttäuschung, weil halt nicht alles, was man gut findet, auch sofort umgesetzt werden kann.»

Das Problem der Elterntaxis werde im Rat ebenfalls thematisiert. «Diese Schülertransporte sind absolut nicht in unserem Sinn», sagt Renate von Allmen. «Aber was sollen wir machen? Wir können ja niemandem etwas vorschreiben.» (wak)

Der Lotsendienst, so erklärt Saner, sei eingerichtet worden, weil diverse Baustellen, vorab jene des Roggenparks, die Situation unübersichtlich machten. Nun aber sei dies nicht mehr der Fall. «Wir sind im ständigen Austausch mit der Schulleitung und überwachen die Situation täglich. Die Gemeinde erachtet die Situation derzeit als vertretbar, Probleme waren bis anhin keine erkennbar», erklärt Saner.

Schon wie selbstverständlich

Das Verkehrsaufkommen ist in der Tat beachtlich, die Anzahl Lastwagen ebenso, wie sich bei mehreren Augenscheinen im Raum Roggenpark bestätigte. Brenzlige Situationen konnten jedoch nicht beobachtet werden, die gabs nur, wenn einzelne Buben und Mädchen einfach über die Strasse rannten. Dabei stehen doch innerhalb von rund 120 Metern drei Fussgängerstreifen zur Verfügung. Dort lief alles zügig und ohne Aufregung ab, so selbstverständlich, als wären die Kinder nichts anderes gewohnt. Praktisch keines der Kinder brauchte auf einer Mittelinsel zu warten. Autos und Lastwagen passierten die Stelle in gesittetem Tempo.

Lotsendienst – nicht so einfach

Sollte es doch zu Problemen kommen, so könnte allenfalls ein Lotsendienst in Betracht gezogen werden – das wurde seinerzeit im Gemeinderat erwähnt, als die Lösung mit drei Fussgängerstreifen mit Mittelinseln statt einer Ampelanlage feststand. Allerdings werde man dann den Elternrat und allenfalls die Schule mit in die Pflicht nehmen. Was sich aber so einfach nicht umsetzen lässt, wie sich bei der erwähnten Bauphase herausgestellt hat. Zwar versahen – wie vorgesehen – Männer der Seniorengruppe Roggenfluh den Lotsendienst, zu aller Zufriedenheit übrigens. Die Männer waren aber aus Rechtsschutzgründen bei einer privaten Sicherheitsfirma angestellt.

Das wiederum hat seinen Preis, wie Peter Saner vorrechnet: «Ein ordentlicher Lotsendienst würde die Gemeinde vierzig- bis fünfzigtausend Franken jährlich kosten.» Dass sich die Eltern um das Wohlergehen ihrer Kinder sorgen, verstehe man sehr gut. Um eine objektivere Sicht auf die Problematik zu bekommen, habe die Verwaltung nun einen Auftrag erteilt, die Fussgängersituation systematisch zu erfassen, damit diese dann auf der Linie des Bundesamtes für Unfallverhütung beurteilt werden kann.

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