«Es ist schwierig, sich nicht in die Finger zu stechen», sagt die neunjährige Shayenne Peter aus Mümliswil und zeigt auf die dornigen Stechpalmenblätter, die sie auf einen Kreisbogen aus Draht aufsteckt. Um sich nicht zu verletzten, tragen die Kinder bei dieser Arbeit Handschuhe.

Shayenne nimmt am freiwilligen Bastelnachmittag teil, den die Katechetinnen Marlis Büttler und Claudia Cerri mit Helferin Doris Saner leiten. Die 9-Jährige wird den fertigen Stechpalmenkranz an einen mit zwei Löchern versehenen Stecken befestigen. Dieser bildet das Grundgerüst der menschenhohen Palmen.

Vielfältige Verzierungen

Nebst Stechpalmenblätter werden auch Orangen, Zitronen, Äpfel und Eier auf den Draht aufgestochen. Oberhalb des Kranzes ziert ein Buchssträusschen die Palme. Bunte Bänder werden in den Kranz eingeflochten und um den Stecken gewickelt und vervollständigen das schöne Bild. «Das Palmenbinden ist ein sehr wichtiger Brauch im Dorf», erzählt die Katechetin Marlis Büttler. «Viele Familien sind involviert und kommen mit ihren Kindern an den freiwilligen Nachmittag.»

An zwei Tischen im Pfarrsaal des Martinsheims basteln und gestalten die gut 25 Kinder und Mütter mit viel Elan. Dabei wird auch oft gelacht und stolz die Zwischenresultate präsentiert. Jede einzelne Palme ist individuell gestaltet, manche wagen sich an eine Palme mit zwei Ringen.

540 Bestellungen für Ministranten

Daneben sind aber auch die Ministranten sehr fleissig: Im Vorfeld zogen sie von Haus zu Haus und nahmen Bestellungen für Palmen entgegen. Dieses Jahr, so Marlis Büttler, seien über 540 Bestellungen eingegangen. Während zweier Wochen sind sie jeden Abend mit Palmenbinden beschäftigt, um dieser grossen Bestellmenge nachzukommen.

All diese Palmen werden morgen am Palmsonntag zur Kirche getragen und im Gottesdienst gesegnet. Anschliessend verteilen die Ministranten die bestellten Palmen an die Haushalte. Der Batzen, den die Leute dafür bezahlen, verwenden sie für die wöchentlichen Gruppenstunden sowie für das Ministrantenlager.

Prozession zur Kirche

Im morgigen Gottesdienst selbst spielen aber die Palmen der Kinder die grössere Rolle. Vor dem Gottesdienst treffen sich die Kinder auf dem Platz vor dem Coop, wo der Pfarrer die Palmen segnet.

Von dort laufen die Kinder in einer Prozession zur Kirche. Die Palmen werden entlang des Weges zum Eingang aufgestellt und symbolisieren Jesus’ Einzug nach Jerusalem. Im Anschluss an den Gottesdienst sind die Besucher im Martinsheim zum Spaghettiessen eingeladen. Die Palmen dürfen die Kinder natürlich mit nach Hause nehmen.