Werttranporte
Oensinger Secure Post stellt den Werttransport für die Post sicher

Nicht nur Briefe und Pakete bringt die Post von A nach B. Die Konzerntochter Secure Post ist auf Werttransporte spezialisiert. Auf dem Schweizer Markt ist das Unternehmen aus Oensingen die Nummer 2.

Franz Schaible
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Secure-Post-Chef Fritz Niederhauser im Hochsicherheitsbau.

Secure-Post-Chef Fritz Niederhauser im Hochsicherheitsbau.

Hanspeter Bärtschi

Auf den ersten Blick mahnen die beiden schlichten Gebäude an eine der vielen Logistikfirmen, die sich im Oensinger Industriequartier nahe dem Autobahnanschluss niedergelassen haben. Erst beim Versuch, den Betrieb zu betreten, zeigt sich, dass da eine spezielle Branche tätig sein muss. Das Gelände ist mit hohen Zäunen umgeben, überwacht von vielen Kameras und gesichert durch ein elektronisches Drehkreuz. Angesagt ist ein Besuch bei der Secure Post AG. Die Tochter des Postkonzerns ist Spezialistin für Werttransporte und ist in einem hochmodernen Sicherheitsbau untergebracht.

Fraumünster-Postraub gab Anstoss

1997 sorgte ein spektakulärer Raubüberfall auf die Fraumünster-Post in Zürich für weltweites Aufsehen. Beim Überfall im Innenhof raubte eine Bande 53 Millionen Franken. Das war auch Anstoss zur Gründung des Geschäftsbereiches Secure Post im Jahre 2003. Zwei Jahre später wurde eine eigenständige Konzerntochter gegründet mit Hauptsitz in Oensingen. Nach Angaben von Geschäftsführer Fritz Nieder-hauser hat sich Secure Post unter den Grössten der Werttransportlogistiker auf dem Schweizer Markt etabliert. Über die diskrete Branche gibt es nur Marktschätzungen. Demnach liegt das Unternehmen MSE an der Spitze, dicht gefolgt von Secure Post und mit grösserem Abstand die Schweizer Tochter des schwedischen Sicherheitskonzerns Loomis.

«Fotografieren im Innern ist nicht erlaubt, und konkrete Zahlen über unsere Dienstleistungen kann ich Ihnen auch nicht liefern», sagt denn auch gleich zu Beginn des Gesprächs Geschäftsführer Fritz Niederhauser. Das widerspiegelt den Auftritt des seit 2003 selbstständig im Markt der Wertlogistikdienstleistungen auftretenden Unternehmens (siehe Kasten).

Werttransporte, Bargeld-Handling und Geldautomaten

Dieser lässt sich nämlich mit einem Wort definieren: diskret. «Wir kümmern uns um Werttransporte, das Bargeld-Handling und die Bedienung von Geldautomaten», umschreibt Niederhauser das Geschäftsmodell. Die Post-Tochter betreibt sieben Standorte, beschäftigt rund 260 Angestellte und ist schweizweit und in Liechtenstein aktiv. Der Hauptsitz ist in Oensingen angesiedelt, wo Secure Post etwa 100 Mitarbeitende zählt.

Das Unternehmen ist in vier Geschäftsbereichen tätig. Das Segment Werttransport umfasst das Handling von Wertsachen. «Ob Bargeld, Uhren, Schmuck, Edelmetalle oder Datenträger und vertrauliche Dokumente, wir sorgen für den sicheren Transport von Tür zu Tür», erläutert Niederhauser. Im Bereich Bargeld-Handling verarbeitet die Posttochter die Tageseinnahmen ihrer Kunden und beliefert diese mit Bargeld.

«Die Kunden können ihren Bedarf an Münz- und Notengeldern bei uns elektronisch bestellen», berichtet Niederhauser. So entfalle der nicht ungefährliche Weg zur Post oder zur Bank. Ein wichtiger Bereich ist die Bewirtschaftung der Geldautomaten. «Wir bedienen rund 500 Automaten der Postfinance, zahlreicher Banken, Ticketautomaten und Parkings in der Schweiz.» Relativ jung ist der vierte Geschäftsbereich, Secure Cube.

Das blaue Wunder

Dabei handelt es sich um ein Einzahlungsterminal mit integriertem Tresor. Das direkt beim Kunden installierte Terminal schluckt das Geld, kann aber von den Angestellten nicht geöffnet werden. Diese Botschaft ist auf dem grauen Kasten je nach Standort in 3 bis 18 Sprachen angebracht. Und wenn Einbrecher versuchen, das Terminal zu entfernen, erleben sie ihr blaues Wunder. Bei Erschütterungen wird das eingelegte Notengeld mit Tinte eingefärbt und wird so für die Diebe wertlos. Das Gerät eigne sich für Geschäfte mit kleinen bis mittelgrossen Barumsätzen. Heute sind über 300 Terminals in Betrieb und weitere 100 bestellt.

Sicherheit ist logischerweise die oberste Maxime von Secure Post. Die rund 100 postgelben Fahrzeuge sind von den üblichen Posttransportern kaum zu unterscheiden. Alle sind aber mit speziellen Sicherheitsmassnahmen geschützt und werden von der Sicherheitszentrale überwacht. «Zusammen mit unserem Sendungsverfolgungssystem Track & Trace wissen wir jederzeit den Standort aller Autos und Sendungen», versichert Nieder-hauser. Generell gilt: Sobald das Geld in den Händen von Secure Post ist, wechselt auch das Risiko die Hand.

40 000 Stopps pro Monat

«Dazu sind wir umfassend versichert.» Pro Monat zählt das Unternehmen gegen 40 000 Stopps bei den Kunden. Dazu gehören Finanzinstitute – grösste Einzelkundin ist Postfinance – sowie zig Firmen aus den Branchen Detailhandel, Tourismus, Gastronomie, Uhren usw. Wie hoch das Volumen des verarbeiteten Geldes ist, will Niederhauser aus Sicherheitsgründen nicht preisgeben.

Eher überraschend wirbt Secure Post im Internet auch mit dem «diskreten Auftritt ohne Bewaffnung». Fritz Niederhauser spricht von «einer Strategie der Deeskalation. Unsere Mitarbeitenden sind trainiert, um gefährliche Situationen auch ohne Waffen zu bewältigen». Zudem seien die Geldbehälter so gesichert, dass das darin enthaltene Bargeld bei unsachgemässem Vorgehen unbrauchbar gemacht wird. Bei bewaffneten Transporten sei die Gefahr gross, dass die Situation eskaliere. «Unsere Mitarbeitenden haben nicht die Aufgabe, das Geld um jeden Preis zu verteidigen, sondern ihr Leben zu schützen.»

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