Finanzen

Oensingen muss sparen – jetzt wird der Verkauf des Bienken-Saals geprüft

Weil es der Gemeinde Oensingen finanziell nicht gut geht, überlegt der Gemeinderat, den Bienken-Saal zu verkaufen.

Weil es der Gemeinde Oensingen finanziell nicht gut geht, überlegt der Gemeinderat, den Bienken-Saal zu verkaufen.

Wegen der schlechten finanziellen Lage ist der Gemeinderat Oensingen gezwungen, die Kostenposten zu überdenken. Der Bienken-Saal steht zur Diskussion.

Kann sich die Einwohnergemeinde den Bienken-Saal noch leisten? Mit dieser Frage setzte sich der Gemeinderat an seiner letzten Sitzung unter dem Traktandum «Bienken-Saal, Wechsel vom Verwaltungsvermögen ins Finanzvermögen» auseinander. Dieser Wechsel wäre eine Grundlage dafür, dass die Räumlichkeit verkauft werden könnte und folglich nicht mehr Eigentum der Gemeinde wäre.

Gemeindepräsident Fabian Gloor gibt Entwarnung: «Der Gemeinderat verzichtete auf die Umgliederung, der Antrag wurde zurückgezogen». Der Verkauf des Saals soll jedoch nach wie vor geprüft werden. Denn der Bienken-Saal sei ein hoher Kostenposten für die Gemeinde, welche sich sowieso schon in einer schwierigen finanziellen Lage befinde. Deshalb mussten auch an den letzten Gemeindeversammlungen diverse Budget-Anpassungen und -Streichungen vorgenommen werden (wir berichteten).

Es ist kein Geheimnis, dass Oensingen sparen will und muss. Auch Gemeinderat Theodor Hafner, Ressortleiter Soziales, ist sich der finanziellen Lage der Gemeinde bewusst. «Wir haben immer höhere Sozialausgaben», erzählt Hafner. Das sei zwar ein Fakt und trotzdem suche er als Ressortleiter ständig nach neuen Lösungen. «Der Gemeinderat muss alle Posten hinterfragen, um stabilere Finanzen erreichen zu können», erzählt Hafner. «Dazu gehört auch die Prüfung des Bienken-Saals.»

Unterhaltskosten häufen sich

Erbaut wurde der Saal im Jahr 1995. So ein Bau sei nie nur eine einmalige Ausgabe, wie Hafner erläutert. «Bei solchen Bauten muss man nachhaltig denken.» Denn je grösser der Bau, desto höher seien auch die Kosten für den Unterhalt. Und diese machen den Bienken-Saal zu solch einem teuren Brocken.

Im Jahr 2017 betrug der Netto-Aufwand für den Saal 281'000 Franken, wie in der Jahresrechnung der Gemeinde ersichtlich ist. Für das Jahr 2018 sind gar 333'600 Franken budgetiert. Die grössten Posten sind jeweils der Unterhalt der Hochbauten, die Apparate, Maschinen, Geräte, Heiz- und Stromkosten sowie die Löhne für das Betriebspersonal. So müssen beispielsweise die Steuerung der Lüftung, diverse Sachen in der Bibliothek sowie das Notlicht erneuert werden.

Kürzlich wurden zudem die Schiebetrennwand sowie die Bestuhlung und die Audio- und Videoanlage saniert beziehungsweise ersetzt. Immer wieder stehen Sanierungsarbeiten an, etwa auch beim Flachdach. Auch das Material muss zeitweise ersetzt werden.«Die Kosten häufen sich einfach, ständig muss wieder irgendwo irgendwas gemacht werden», sagt Hafner. Weil sich diese Unterhaltskosten ständig zunehmen, müsse der Gemeinderat den Posten «Bienken-Saal» hinterfragen.

«Wofür nutzen wir den überhaupt?», fragt Hafner. «Vielleicht für zwei oder drei Gemeindeversammlungen.» In den letzten Jahren seien diese jeweils stark besucht gewesen, unter anderem sicherlich wegen der finanziellen angespannten Lage der Gemeinde und weil dies die Bevölkerung nicht kalt lasse. Für so eine Menschenmenge brauche man die passenden Räumlichkeiten, wofür in den letzten Jahren der Bienken-Saal als Lokalität gedient habe. «Aber das könnte man doch auch in der Halle des Sportzentrums Bechburg abhalten», meint Gemeinderat Hafner. «Zusätzlich könnte man eine Garage bauen, wo die Bestuhlung eingelagert werden könnte.»

Es wird klar, dass sich Hafner über Alternativen bereits viele Gedanken gemacht hat. «Auch die Vebo bietet einen grossen Raum, den man für 500 Franken mieten könnte.» Alternative Möglichkeiten seien vorhanden. Doch ist es mit diesen drei Gemeindeversammlungen bereits getan? Lohnt sich ein Verkauf wirklich? Und was hätte dies für Auswirkungen auf die Gemeinde? Diese Fragen müssten nun geklärt werden.

Bürger haben das letzte Wort

«Natürlich könnte es einen kompletten Umbau geben, wenn dies denn die Bauzone zulässt», so Hafner. «Wer weiss, vielleicht wird ein Indoor-Golf oder ein Einkaufszentrum daraus.» Vielleicht würde sich die Gemeinde aber einfach wieder in den Saal einmieten. Die Auswirkungen dieses Verkaufs lassen sich zum jetzigen Zeitpunkt ebenfalls nicht abschätzen. «Spekulieren bringt im Moment sowieso nichts», sagt Hafner bestimmt. Tatsache sei einzig, dass der Gemeinderat die finanzielle Lage überdenken und mit den vorhandenen Ressourcen anders umgehen müsse. Die Gesamtsituation der Gemeinde lasse es nicht mehr zu, solch hohe Kostenposten wie den Bienken-Saal einfach zu ignorieren.

Diese Meinung teilt auch Gemeindepräsident Fabian Gloor. «Wir wünschen uns eine stabilere finanzielle Lage und eine saubere Auslegeordnung». Aus dieser lasse sich anschliessend das weitere Vorgehen prüfen. Sollte es aber so weit kommen, dass ein Verkauf der Räumlichkeit spruchreif wäre, habe die Gemeindeversammlung das letzte Wort.

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