Oensingen
Das Hauptproblem ist falsch entsorgter Müll - nicht Littering

Seit Herbst geht Oensingen vermehrt gegen Abfallsünder vor: Mit Anzeigen beim Friedensrichter und Briefen an Liegenschaftsverwaltungen.

Rahel Bühler
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So sieht korrekt entsorgter Hausmüll in Oensingen aus. Oft gesellt sich auch nicht markiertes Sperrgut dazu.

So sieht korrekt entsorgter Hausmüll in Oensingen aus. Oft gesellt sich auch nicht markiertes Sperrgut dazu.

Bild: Bruno Kissling

In den sozialen Medien kursieren immer wieder Abfallfotos aus Oensingen: Zigarettenstummeln unter Sitzbänken, Bierdosen auf Waldweg, Sofas neben Abfallsäcken. Die Gemeinde ist sich des Themas bewusst. «Es gibt immer wieder Vorfälle. Aber wir haben kein grösseres Litteringproblem als andere Gemeinden», sagt Gemeindepräsident Fabian Gloor (CVP). Das bestätigt auch Leiter Bau Andreas Affolter.

Die Knacknuss sei eher, dass die Leute den Abfall nicht korrekt entsorgen. Laut dem Leiter Bau landet beispielsweise oft Plastik im Grüngut. Affolter fragt rhetorisch:

«Wer packt schon einen Salatkopf aus der Plastikhülle, wenn er schon verdorben und matschig ist?»

Die Konsequenz: In der Kompostieranlage müssen Mitarbeitende das Plastik aus dem restlichen Grüngut herausfiltern.

Die Gemeinde kontaktiert Verwaltungen

Ein anderes Beispiel ist Sperrgut: Oft finden sich neben dem normalen Hauskehricht Sofas, Sessel oder Schränke. Ohne entsprechende Sperrgutmarken. So nimmt die Kehrichtabfuhr die Möbel nicht mit. Vor allem in Quartieren mit Mehrfamilienhäusern, die gut erreichbar sind, ist das der Fall, sagt Affolter. «Vielleicht sind es nicht die Anwohner selbst, sondern Fremde, die mit Autos hinfahren und den Abfall so entsorgen.»

In diesem Punkt hat der Gemeinderat bereits im vergangenen Herbst gehandelt: Man hat Liegenschaftsverwaltungen angeschrieben, bei denen die Kehrichtabfuhr immer wieder falsch deponierter Müll fand. Man forderte sie auf, ihn zu entsorgen. Andernfalls würde sich der Werkhof kostenpflichtig darum kümmern. Gloor:

«Bei den meisten Verwaltungen sind wir damit auf Verständnis gestossen und sie haben den Abfall rasch in Ordnung gebracht.»

Für den Leiter Bau gibt es zwei Gründe, warum Menschen ihren Abfall nicht korrekt entsorgen. Einerseits Bequemlichkeit. Es sei «gäbig», wenn man den Joghurtbecher in einem Stück in den Kehricht schmeissen könne. Den Karton für die Kartonsammlung herauszutrennen, den Aludeckel in die Alu-, das Plastikgefäss in die Kunststoffsammlung zu geben, sei vielen zu aufwändig. Zweitens gebe es sprachliche Barrieren.

Deshalb hat die Bauverwaltung vor, dieses Jahr das Abfallmerkblatt zu überarbeiten. So könne man den Leuten verstärkt zeigen, wie wichtig richtiges Entsorgen ist. Damit das auch sprachübergreifend funktioniert, will man mehr mit Bildern, sogenannten Piktogrammen arbeiten. Sie sollen die korrekte Entsorgung illustrieren.

Seit Herbst gibt es zudem die Möglichkeit, Abfallsünder beim Friedensrichter anzuzeigen. Das Problem: «Es ist schwierig zu beweisen, wem der Sessel vor dem Wohnblock gehört», sagt Affolter. Damit eine Anzeige beim Friedensrichter rechtlich gültig ist, muss diese Information vorhanden sein.

Auch punkto Littering soll sich etwas ändern in Oensingen: An seiner nächsten Sitzung vom 8. März wird der Gemeinderat über Raumpatenschaften diskutieren. «Dabei erklärt sich eine Privatperson für ein definiertes Gebiet verantwortlich und schaut dafür, dass dort das Littering behoben wird», sagt Gloor. So trage die Bevölkerung selbst zu mehr Sauberkeit und zur Verschönerung des Dorfes bei. Die Idee stammt denn auch von ihr. Deshalb erhofft sich die Gemeinde, dass sich viele Freiwillige dafür melden.

Es gab mehr Abfall im Coronajahr

Allgemein lässt sich festhalten: Im Coronajahr gab es mehr Abfall. Dies stellt der Oensinger Werkhof fest. Zweimal pro Woche leeren Mitarbeitende die über 100 Abfallkübel und Robidogs auf dem Gemeindegebiet. «Die Leute treffen sich vermehrt draussen im Dorf», sagt der Leiter Bau. Da werde auch mal ein Pizzakurier an einen öffentlichen Platz bestellt. Manchmal werde der Abfall korrekt entsorgt, manchmal nicht. Auch das Wetter hat einen Einfluss auf den Abfall.

Je schöner, desto mehr Leute sind draussen, desto mehr Abfall gibt es. Am stärksten von herumliegenden Zigaretten, Dosen und Flaschen betroffen, sind laut Affolter die Spielplätze und die Sportanlagen. Man könne im Übrigen auch Abfall im Robidog entsorgen und umgekehrt. «Lieber dort, als gar nicht», sagt Affolter. Denn: Sowohl der Inhalt von den öffentlichen Abfallkübeln, wie auch der der Robidogs landet im gleichen Werkhoffahrzeug und am Ende in der Kehrichtverbrennungsanlage.