Roter Pfeil
Oensingen-Balsthal-Bahn feierte Geburtstag – und lockte mit der beliebten roten Zugsnase

Zu ihrem 120. Geburtstag führte die Oensingen-Balsthal-Bahn ihr Prunkstück aus: Der Rote Pfeil. Zugsfans kamen dabei auf ihre Kosten.

Yann Schlegel
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Der Rote Pfeil fährt am 120. Geburtstag der Oensingen-Balsthal Bahn zwischen Oensingen und Balsthal. Lokomotivführer Walter Schmid führt die Bahn durch die Klus.
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Der Rote Pfeil in Oensingen
Lokomotivführer Walter Schmid führt die Bahn durch die Klus.
Der Rote Pfeil fährt am 120. Geburtstag der Oensingen-Balsthal Bahn zwischen Oensingen und Balsthal.
Zugsliebhaber säumten die 4,1 Kilometer lange Strecke, um den roten Pfeil vor die Linse zu kriegen.
Der Rote Pfeil fährt am 120. Geburtstag der Oensingen-Balsthal Bahn zwischen Oensingen und Balsthal.

Der Rote Pfeil fährt am 120. Geburtstag der Oensingen-Balsthal Bahn zwischen Oensingen und Balsthal. Lokomotivführer Walter Schmid führt die Bahn durch die Klus.

Remo Fröhlicher

Die Passagiere zögern, ehe sie am Donnerstagnachmittag in Oensingen dem Züglein Richtung Balsthal zusteigen. Denn es steht nicht der vertraute Regiozug auf dem Gleis, sondern der rote Pfeil mit seiner runden Nasenspitze ziert das Bahnhofsbild. Spontan entschied das regionale Transportunternehmen, den 120. Geburtstag mit der Ausfahrt ihres beliebtesten Zuges zu feiern.

Die Zugsliebhaber sind mit Kameras und Stativen ausgerüstet gekommen, um den «wiedergenesenen» Zug vor die Linse zu kriegen. Er habe gestern gelesen, dass der Rote Pfeil ausfahre, sagt ein Zugsfan. Also sei er hergekommen um den Zug auf der kürzesten Normalspurstrecke zu begutachten. Die Kenner unterhalten sich an diesem Tag auch über die Zugsfarbe. Denn als die Oensingen-Balsthal-Bahn den Pfeil 1974 den SBB abkaufte, lackierte sie den Zug in die Farben des Balsthaler Gemeindewappens um. Angefressene Modelleisenbahn-Sammler kennen den roten Pfeil daher in blauer Farbe, wie er während 15 Jahren daherkam.

«Damals war dieser Zug der Zeit voraus», sagt OeBB-Geschäftsführer Markus Schindelholz. Der nahezu ebenerdige Niederflureinstieg und auch die Maximalgeschwindigkeit von 125 Kilometern pro Stunde machten den Pfeil zu einem modernen Zug. Die Ledersitze aus dem Jahr 1956 sind bis heute eingebaut geblieben. 1989 lackierte das Balsthaler Bahnunternehmen den Zug wieder um und gab dem roten Pfeil seine ursprüngliche Farbe. «Wenn er nun wieder blau lackiert würde, fände ich es schade», sagt der Zugsfan, der selbst daheim das blaue Modell hat.

Neu im Schuss mit restaurierten Motoren

Eben erst hat die OeBB die Motoren des Roten Pfeils mithilfe von Cowdfunding-Geldern restauriert. Der hauseigene Mechaniker Ueli Buess setzte aus drei Motoren die notwendigen Teile für die zwei Motoren zusammen, die den historischen Zug gestern erstmals wieder auf der Schiene vorantrieben. Selbst Buess’ Enkelkinder sind aus Lungern hergereist, um die Fahrten zwischen Oensingen und Balsthal zu geniessen. Dies tut auch Lokomotivführer Walter Schmid. Der gebürtige Welschenrohrer hat für die Geburtstagsfahrt ein rotes Hemd angezogen. Ja, der restaurierte Motor laufe rund, «wie immer schon», sagt er, während er den mechanischen Hebel umlegt und durch die Klus rollt.